WM-Übertragung im Fernsehen Fußballgucken am Arbeitsplatz

Delmenhorst. Auch wenn zur Fußballweltmeisterschaft vielerorts wieder besondere Regeln herrschen, zur Arbeit müssen dennoch die meisten Menschen. Doch auf aktuelle Ergebnisse verzichten, brauchen Angestellte oftmals auch in der Firma nicht.
03.06.2014, 07:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Stephen Kraut

Auch wenn zur Fußballweltmeisterschaft vielerorts mit Public Viewing wieder besondere Regeln herrschen, zur Arbeit müssen dennoch die meisten Menschen. Selbst wenn die deutsche Nationalmannschaft während der Arbeitszeit kickt. Doch komplett auf aktuelle Ergebnisse zu verzichten, das brauchen Angestellte oftmals auch in der Firma nicht.

Spätestens ab dem 16. Juni ist es wieder so weit: Während die deutsche Fußballnationalmannschaft ihr erstes Spiel der Weltmeisterschaft in Brasilien bestreitet, versammeln sich große Teile der Deutschen vor den Bildschirmen und fiebern mit. Doch was tun die Menschen, die während der Partien arbeiten müssen? Die Firmen in der Region gehen mit dieser Problematik sehr unterschiedlich um.

„Bei uns wird an fünf Tagen in der Woche rund um die Uhr produziert“, erläutert Robert Brzuzy, Leiter der Personalabteilung der Klingele-Papierwerke in Delmenhorst, die Situation der Schichtarbeiter auch während der Weltmeisterschaft. „In der Kantine sowie auf allen Bildschirmen werden wir deshalb die Spiele der deutschen Mannschaft zeigen“, verspricht er. Zwar helfe das den Mitarbeitern, die parallel an den Maschinen des Betriebs stehen, wenig; dort würden Bildschirme nur ablenken. „Aber es wird wohl einen Live-Ticker in Form von Durchsagen geben, der über Tore und andere wichtige Ereignisse informiert“, sagt Brzuzy.

Zudem würden sich Neuigkeiten aus den Partien häufig auch ohne fremde Hilfe schnell unter den Mitarbeitern verbreiten, fügt er schmunzelnd hinzu. Welche Spiele auf den Bildschirmen im Einzelnen übertragen werden, kann Brzuzy derweil noch nicht mit Gewissheit sagen. „Alle Duelle der deutschen Mannschaft werden auf jeden Fall gezeigt, bei dem Rest hängt es vom allgemeinen Interesse ab.“

Ruhiger wird es derweil bei dem Wursthersteller Könecke zugehen, sagt der Geschäftsführer für den Bereich Produktion, Jörg Bergt. „Wir haben keine Regelung getroffen, dass die Mitarbeiter die Spiele bei uns sehen können“, sagt er. „Das ist nicht vorgesehen und während der Arbeitszeit auch nicht machbar.“ Denn auch hier lenkten Bildschirme das Personal an den Maschinen nur ab. Anfragen, ob die Spiele verfolgt werden könnten, habe es seitens der Mitarbeiter bislang allerdings auch noch keine gegeben.

Patienten informieren

„Wir haben leider nicht die Möglichkeit, unseren Dienstplan an die WM anzupassen“, sagt auch Thomas Breidenbach, Geschäftsführer des St.-Josef-Stifts. „Die Mitarbeiter müssen deshalb in gewohnter Form arbeiten.“ Auf den Bildschirmen im Café und im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) würden die Spiele wohl zu sehen sein. Das Krankenhaus-Team werde aber in den meisten Fällen auch über die Patienten auf dem Laufenden gehalten, glaubt Breidenbach. „Erfahrungsgemäß läuft in den meisten Zimmern Fußball.“

Während in den Amazone-Werken in Hude ein großer Fernseher in der Cafeteria aufgestellt wird, auf dem die Spiele der deutschen Nationalmannschaft verfolgt werden können, haben die fußballinteressierten Mitarbeiter der Tönnjes GmbH Glück: „Die meisten Spielzeiten liegen in diesem Jahr außerhalb der Arbeitszeiten“, informiert Pressesprecherin Christina Niemann. „Deshalb wurden für dieses Jahr bisher auch keine Übertragen geplant.“

Zumindest in Sachen Ergebnisse auf dem aktuellsten Stand können auch die Mitarbeiter von Agrarfrost in Wildeshausen bleiben, schildert Ludger Voet, unter anderem für den Bereich Marketing zuständig. „Auf den Bildschirmen werden wir wohl die Spielstände einblenden“, sagt er. „Wir würden zwar auch gerne die Partien selbst übertragen, aber das wäre zu gefährlich“, fügt Manfred Wulf, Geschäftsführer im Bereich Marketing, hinzu. Die Ablenkung sei zu groß. Generell gebe es nur eine Möglichkeit, die Spiele live zu sehen: „Die Kollegen aus der Verwaltung können ihr Gleitzeitkonto dafür aufwenden, die aus der Produktion müssen schauen, ob sie ihren Dienst tauschen können“, sagt Manfred Wulf.

Firmeninterne Tipprunde

Allerdings hätten alle Mitarbeiter die Chance, durch die WM selbst etwas zu gewinnen. „Ich habe wieder eine Kicktipp-Runde für alle Kollegen organisiert“, verrät Voet. Für fünf Euro könne sich jeder Agrarfrost-Mitarbeiter daran beteiligen. „Aktuell sind wir knapp 80 Teilnehmer, ich rechne aber damit, dass es bis zu den ersten Spielen rund 100 sind“, schätzt er aus der Erfahrung vergangener Tipprunden heraus. Zu gewinnen gebe es, neben den Startgeldern, die unter den besten drei Tippern am Ende aufgeteilt würden, unter anderem einen Grill, einen ferngesteuerten Geländewagen und ein Frühstücksset.

Auch bei der Polizeiinspektion Delmenhorst/Oldenburg-Land/Wesermarsch bestehe die Möglichkeit, sich während der Spiele auf dem Laufenden zu halten, betont Sprecherin Jennifer Koch. „Es stehen ein Radio und ein Fernseher zur Verfügung, außerdem können sich alle Kollegen, sofern der Dienst es zulässt, mit ihrem Handy oder Smartphone informieren“, sagt sie. „Die Kollegen, die wirklich keine Partie verpassen wollen, haben sich aber im Vorfeld bereits Urlaub genommen.“ Ansonsten habe es bei früheren Turnieren nie Klagen gegeben, dass sich jemand nicht ausreichend informiert gefühlt habe, berichtet Koch. „Und nicht allen Beamten ist die Weltmeisterschaft so wichtig.“

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