Saisonstart in Delmenhorst Kohlkönige später dran als üblich

Wenn es draußen kälter und früher dunkel wird, ziehen in Delmenhorst und umzu Gruppen mit Bollerwagen und Schnaps durch Wald und Wiesen. Gaststätten bieten Kohltourfeiern voraussichtlich mit 2G-Regel an.
05.11.2021, 15:33
Lesedauer: 3 Min
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Kohlkönige später dran als üblich
Von Desiree Bertram

Winterzeit ist Kohlfahrtzeit: Wenn es draußen kälter und früher dunkel wird, ziehen in Delmenhorst und umzu Gruppen mit Bollerwagen, Spiele-Ideen und Schnaps durch Wald und Wiesen. Am Ziel wird traditionell in einer Gaststätte Grünkohl mit Kassler und Pinkel gegessen. Zum Abschluss wird traditionell ein Kohlkönig gewählt, der dann im kommenden Jahr die Organisation übernimmt.

Bis sich die Menschen zu den winterlichen Ausflügen treffen, ist zwar noch etwas Zeit, aber die Planungen dafür sind bereits in vollem Gange. Denn die Kohlkönige müssen nicht nur einen gemeinsamen Termin, sondern auch ein passendes Gasthaus finden. Davon gibt es in der kreisfreien Stadt und im Landkreis Oldenburg einige.

So bietet etwa das Restaurant "Schwarzes Ross" in Bookholzberg ein Kohltourprogramm mit selbst gemachtem Grünkohl und Musik vom DJ. Alternativgerichte wie Fisch oder vegetarische Speisen gibt es ebenfalls. Die insgesamt vier Termine in Januar und Februar seien allerdings bereits ausgebucht, heißt es aus dem Lokal: "Viele waren sehr früh da." Die ersten Nachfragen zu den Kohlfahrtfeiern und Veranstaltungen an den diesjährigen Festtagen habe es schon im Sommer gegeben.

Gäste zeigen sich zurückhaltend

Im "Haus Adelheide" in Delmenhorst werden ebenfalls vier Kohltour-Veranstaltungen geplant. Neben Büfett und DJ bietet das Lokal an, die Rückfahrt zu organisieren. Die Nachfrage sei laut Gunda Winkler groß, aber dennoch etwas verzögert: "Dieses Jahr sind die Gäste zurückhaltender." Normalerweise würden die ersten Anfragen bereits ab September eintrudeln. Coronabedingt haben Interessierte viele offene Fragen und informieren sich zuvor über die voraussichtlichen Regelungen.

"Ich wünsche mir eine Normalisierung", sagt Olaf Thomsen. Der Gastwirt bezieht sich dabei auf die Pandemie und hofft, dass die Lage nicht wieder ausartet. Thomsen betreibt zusammen mit seinem Bruder das gleichnamige Hotel und Restaurant an der Bremer Straße. Dort werden im Januar und Februar insgesamt drei Kohltourfeiern mit DJ und Tanzfläche veranstaltet. Dabei können etwa 80 bis 90 Gäste pro Termin teilnehmen. Laut Thomsen gab es schon einige Buchungen: "Die Nachfrage ist okay, aber es gibt Nachholbedarf."

Nachfrage zeitlich verzögert

Auch im "Hotel Backenköhler" in Ganderkesee zeigten sich die Menschen "zaghafter als sonst", berichtet Geschäftsführer Uwe Vosteen. In den ersten drei Monaten des kommenden Jahres sind neun Termine für Kohltourfeiern angekündigt. Nach Verfügbarkeit soll es einen Rücktransfer nach Bremen und zum Hauptbahnhof Oldenburg geben. Die Termine im Februar sind laut Vosteen bisher am gefragtesten: "So langsam fangen alle mit ihren Planungen an." Normalerweise seien die Menschen aber schon eher mit ihrer Kohlfahrt-Organisation beschäftigt. Neben dem klassischen Grünkohlessen werden auch vegane Alternativen angeboten. Seit Jahrzehnten achtet der Geschäftsführer zudem auf regionale Lebensmittel.

Der Start in die Kohlsaison wurde vor Kurzem mit einem großen Büfett in der "Gaststätte Menkens – Zum grünen Hof" Hoykenkamp eingeläutet. Für die sieben Kohltourtermine haben laut Betreiber Gerhard Menkens zwar einige gebucht, dennoch bemerke auch er eine Zeitverzögerung: "Da muss noch einiges kommen." Denn eigentlich gehe es auch hier schon Ende September oder Anfang Oktober mit Reservierungen los.

Voraussichtlich gilt bei den Feierlichkeiten in Delmenhorst und umzu die bekannte 2G-Regel. Somit können Genesene und Geimpfte auf Abstandsvorgaben und die Maskenpflicht verzichten. Entsprechende Nachweise müssen den Veranstaltern vorgelegt werden. Für die meisten Feiern wird bei der Anmeldung eine Anzahlung fällig, die Restzahlung wird jeweils ein paar Wochen vor der Veranstaltung beglichen. Weitere Informationen erfahren Gäste in den einzelnen Gaststätten.

Zur Sache

Oldenburger Palme

Passend zur anstehenden Saison rechnet die Landwirtschaftskammer Niedersachsen mit einer guten Grünkohlqualität in diesem Jahr. Die Anbaubedingungen seien wegen der milden Witterung in vielen Teilen des Landes sehr gut gewesen. Nicht umsonst gilt Grünkohl als niedersächsisches Kulturgut und wird hierzulande "Oldenburger Palme" genannt. In Niedersachsen wurden im vergangenen Jahr knapp 8700 Tonnen geerntet. Das ist fast die Hälfte der Gesamternte in ganz Deutschland.

Früher wurde stets der erste Frost abgewartet, um das Gemüse zu ernten. Das ist laut der Landwirtschaftskammer dank neu gezüchteter Sorten nicht mehr nötig. Denn bei diesen Sorten reichten bereits kühle Temperaturen aus, damit sich in den Pflanzen die Stärke zu Zucker umbildet. So werden Bitterstoffe im Grünkohl abgebaut.

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