Werder-Projekt "Spielraum"

Eren Dinkci: Immer dranbleiben, immer Bock haben

Das Werder-Konzept "Spielraum" soll auch in Blumenthal etabliert werden. Deshalb waren die Profis Eren Dinkci und Marco Friedl jetzt zu Gast in der Tami-Oelfken-Schule.
13.10.2021, 19:49
Lesedauer: 4 Min
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Von Björn Knips

Am Ende geht auch noch der Plumpsack um – und manchmal hat er dabei einen prominenten Träger: Die Werder-Profis Eren Dinkci und Marco Friedl sind zu Gast in der Tami-Oelfken-Schule in Blumenthal. Es geht um das Werder-Konzept "Spielraum", das nun auch in Bremens nördlichstem Stadtteil etabliert werden soll.

Da sorgen Fußball-Profis natürlich für besondere Aufmerksamkeit, nicht nur bei den Sechs- bis Achtjährigen, sondern auch den Medien. „Mich kennen die Kleinen doch noch gar nicht so gut“, hält Dinkci dagegen und lacht. Der 19-Jährige tritt in der kleinen Sporthalle nicht wie ein Star auf, sondern spielt einfach mit – und spricht später auch ganz locker mit unserer Deichstube über seine eigenen Bolzplatz-Erfahrungen, seine Torflaute in der 2. Liga und seine Schnelligkeit. 

„Für mich ist es eine Ehre, als Bremer in die Bremer Schulen zu gehen und mit Mädchen und Jungs Sport zu machen. Das macht mich unfassbar stolz – auch, dass Werder das so macht“, betont Dinkci als guter Botschafter. Fußball wird dabei nicht gespielt, sondern zum Beispiel „Zimmer aufräumen“. Da fliegen die Bälle hin und her. „Das erinnert mich an früher“, sagt Dinkci. "Spielräume" habe es damals nicht gegeben. „Wir hatten den Sportunterricht, danach haben wir auf dem Schulhof gekickt. Ein Baumstamm und ein Zaun waren das Tor. Und an den Wochenenden haben wir auf den Gummiplätzen gespielt.“ Er wäre da oft der Antreiber gewesen. „Mich brauchte keiner anstupsen. Ich habe die Freunde zusammengerufen und gesagt: ,Lasst uns kicken gehen!’ Ich hatte halt immer Bock.“ Nun habe er das Gefühl, dass die Kinder nicht mehr so auf Sport stehen: „Es geht viel um Technik und soziale Medien.“ Da könne ein Projekt wie "Spielraum" gegenwirken.

Bei ihm selbst dreht sich alles um Fußball. Nach seinem Traumdebüt vor zehn Monaten, als er Werder mit seinem ersten Ballkontakt zum 1:0-Sieg in Mainz schoss, ist das nun seine erste echte Saison als Profi. Aus dem Joker aus der Jugend wurde ein Stammspieler. In sechs von acht für ihn möglichen Pflichtspielen stand er in der Startelf. Trainer Markus Anfang vertraut dem erst 19-Jährigen auf der Außenbahn. Auch ohne Tor und nur einem Assist (beim 1:4 gegen Paderborn). „Ich mache mir da nicht zu viel Druck. Wenn es passiert, dann passiert es – und vielleicht habe ich dann einen Lauf und treffe regelmäßig“, sagt Dinkci, der in der Jugend und seiner kurzen Phase in der U 23 Tore am Fließband erzielt hat. Sein Mut ist geblieben – auch dank Anfang. „Der Trainer sagt mir immer wieder: ,Geh’ ins Eins-gegen-eins, trau’ es dir zu.“
Dinkci soll schließlich seine Schnelligkeit ausspielen.

Im aktuellen Tempo-Ranking der 2. Liga belegt er mit 35,27 km/h Rang drei hinter Streli Mamba (Hansa Rostock/35,97 km/h) und Sei Muroya (Hannover 96/35,65 km/h). „Ich kann mich nicht erinnern, dass ich in dieser Saison mal 35 km/h gelaufen bin. Den Sprint würde ich gerne noch mal sehen . . .“, sagt Dinkci und grinst. Vor seinem Wechsel zu Werder vor eineinhalb Jahren sei ihm gar nicht bewusst gewesen, wie schnell er ist. „Wir haben das in Borgfeld nie gemessen. Bei Werder kam dann der Athletiktrainer zu mir und sagte: ,Ey, Rakete, du bist 35 km/h gelaufen“, erinnert sich Dinkci und kann damit nun sehr gut leben: „Ich denke mal, das ist angeboren. Es ist eine brutale Waffe, die sicher jeder Spieler gerne hätte. Ich würde gerne mal die 36 km/h knacken, wenn mir dann nicht die Muskeln um die Ohren fliegen.“ Dafür sei er auch bereit, im Kraftraum zu arbeiten und auf dem Platz spezielle Übungen zu machen. Doch alles zu seiner Zeit, es muss ja auch ins Trainingsprogramm passen.

Der Erfolg des Teams steht freilich im Vordergrund. Am Sonntag geht es nach Darmstadt – ins berüchtigte Stadion am Böllenfalltor, wo es ziemlich laut ist. „Ich kenne es nicht, aber ich habe davon gehört“, sagt Dinkci und fügt mit einem Leuchten in den Augen an: „Ich freue mich darauf.“

In ihm lebt eben der Spaß. So ist es für ihn total selbstverständlich, sonntags mit seinen kleinen Cousins auf dem Bolzplatz kicken zu gehen. „Das mache ich total gerne.“ Und als er dann noch gefragt wird, was er den Kindern im "Spielraum"-Projekt raten würde, da schießt es sofort aus ihm heraus: „Immer dran bleiben und immer Bock haben, das zu tun, was man auch tun möchte. Mehr ist es eigentlich nicht.“ 

Zur Sache

Sport für alle und überall – wenn man es ein bisschen übertreibt, dann ist das die Idee, die hinter dem "Spielraum"-Konzept des SV Werder steckt. Mit seinem Engagement möchte der Club vor allem Kinder und Jugendliche erreichen, um eine alarmierende, deutschlandweite Tendenz wenigstens in Bremen und im benachbarten Niedersachsen zu stoppen. Nur jedes zweite Kind ist noch ausreichend aktiv, unter Schulanfängern ist jedes achte Kind übergewichtig. Dagegen etwas zu tun hat sich Werder zur Aufgabe gemacht. „Die Förderung des Sports, auch als verbindendes Element, ist Zweck unseres Vereins. Es ist daher unsere gesellschaftliche Verantwortung, der Bewegungsarmut bei Kindern und Jugendlichen etwas entgegenzusetzen und zu handeln“, erklärt Werder-Geschäftsführer Hubertus Hess-Grunewald. Insgesamt betreibt der Verein 20 "Spielräume", in denen sich Werder mit Kitas, Grund- und weiterführenden Schulen sowie sozialen Einrichtungen und Vereinen verknüpft, um allen jungen Menschen ein qualifiziertes Sport- und Bewegungsangebot zu machen. Ein "Spielraum" kann eine Gemeinde sein, ein Ort, ein Stadtteil. Aktuell beteiligen sich 20 Kitas, 50 Grundschulen, 45 weiterführende Schulen, neun Vereine und acht Bolzplätze an dem Projekt, das wöchentlich in etwa 3 000 Kinder und Jugendliche erreicht. csa
 

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