Schaaf-Nachfolger gesucht Werder plant wieder mit Technischem Direktor

Wer kommt? Wer geht? Neben den üblichen Spielertransfers sucht Werder für die neue Saison einen Technischer Direktor – angesichts der Bremer Geschichte auf diesem Posten eine durchaus brisante Nachricht.
06.06.2022, 19:01
Lesedauer: 3 Min
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Von Daniel Cottäus

Personalmeldungen, das ist eine Art ungeschriebenes Gesetz im Profifußball, haben zwischen den Saisons Jahr für Jahr Hochkonjunktur, was beim SV Werder Bremen natürlich nicht anders ist. Auch am Osterdeich arbeiten sie nach dem Bundesliga-Aufstieg während der Sommerpause eifrig an Transfers, von denen die ersten auch schon über die Bühne gegangen sind und von denen noch einige folgen sollen. Auf Werders Liste steht dabei auch eine Personalie, die zwar längst nicht die Strahlkraft eines Neuzugangs für das Profiteam besitzt – die für die Zukunftspläne des Vereins aber mindestens genauso wichtig ist: Ein neuer Technischer Direktor soll im Sommer seine Arbeit aufnehmen, was angesichts der Bremer Geschichte dieses Postens durchaus eine brisante Nachricht darstellt.

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„Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass die Aufgaben, die mit dieser Position verbunden waren, absolut wichtig sind“, sagt Werders Sportchef Frank Baumann im Gespräch mit unserer Deichstube und erinnert mit dieser Aussage daran, dass es bei Werder vor gar nicht allzu langer Zeit mal einen Technischen Direktor gegeben hat: Thomas Schaaf.

Thomas Schaaf drei Jahre lang Technischer Direktor

Von 2018 bis 2021 hatte der heute 61-Jährige den Posten bekleidet, der vor seinem Amtsantritt vom Verein neu geschaffen worden war. Schaaf sollte sich, so hieß es damals bei seiner Vorstellung im April 2018, um „die Weiterentwicklung und Umsetzungskontrolle einer einheitlichen Trainings- und Spielphilosophie“ innerhalb des Vereins kümmern. Baumann sah seinen ehemaligen Trainer, mit dem er 2004 das Double gewonnen hatte, damals an einer „Schlüsselstelle in der Verzahnung zwischen Profi- und Ausbildungssektor“. Drei Jahre lang hielt die Zusammenarbeit, wirkte Schaaf bei Werder weitestgehend im Hintergrund und war auf den Trainingsplätzen der U-Mannschaften zu Gast. Dann wurde er überredet, für den letzten Spieltag als Feuerwehrmann bei den abstiegsbedrohten Profis einzuspringen. Das Wunder vom Klassenerhalt blieb aus. Wenig später kam es zur von lauten Misstönen begleiteten Trennung.

Werder erklärte das Aus des Technischen Direktors via öffentlicher Bekanntmachung mit wirtschaftlichen Gründen, wodurch sich Schaaf in ein falsches Licht gerückt sah und seinem Ärger in der DeichStube Luft machte. Baumann erklärte daraufhin, dass es Schaaf „in keinster Weise“ um Geld gegangen sei, verwies aber auf die wirtschaftlichen Zwänge des Vereins, die eine Weiterbeschäftigung Schaafs von vornherein ausgeschlossen hätten. Soweit die Vorgeschichte, die man kennen muss, um zu verstehen, dass Werders aktuelle Suche nach einem neuen Technischen Direktor kein ganz unvorbelasteter Vorgang ist.

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„Das Ziel ist es, dass wir die Bereiche, die Thomas Schaaf insbesondere in Richtung Ausbildung bearbeitet hat, wieder neu vergeben“, sagt Baumann – und erklärt: „Es kann durchaus sein, dass wir den Posten mit einer externen Person besetzen.“ Seit Schaafs Abgang hatte Werder dessen Aufgaben intern auf mehrere Schultern verteilt. Insbesondere die Sportlichen Leiter des Nachwuchsleistungszentrums – Thomas Wolter (U 23 und U 19), Heiko Flottmann (U 16 und U 17) und Thorsten Bolder (U 15 abwärts) – haben den Bereich unter sich aufgeteilt. Künftig soll die Arbeit wieder in einem Posten gebündelt werden, was natürlich die Frage aufwirft, ob man im Vorjahr nicht doch mit Thomas Schaaf hätte weitermachen können? Schließlich hatte die Clublegende den Verantwortlichen einst als Idealbesetzung für das Amt gegolten.

Wieder mehr Spielraum bei Werder

„Wir waren im vergangenen Jahr in einer sehr dramatischen finanziellen Situation“, erinnert Baumann, dessen Verein durch riskante Transfers,  Corona-Pandemie und Abstieg arg in wirtschaftliche Schieflage geraten war. „Als wir leider die Entscheidung treffen mussten, nicht mit Thomas weiterzumachen, war noch nicht absehbar, dass die Mittelstandsanleihe funktioniert, dass wir die benötigten Transfererlöse erzielen und darüber hinaus weitere Einsparungen vornehmen können. Deshalb konnten wir die Gespräche nicht aufnehmen.“ Inzwischen habe sich die Situation aber verändert. Seine Schulden ist Werder freilich noch lange nicht los – es ist aber wieder mehr Spielraum vorhanden.

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„Wir haben immer gesagt, wie wichtig diese strategische Position ist. Insofern ist es klar und logisch, dass wir sie in einer ähnlichen Form wieder besetzen wollen“, betont Baumann, der den Markt auf der Suche nach möglichen externen Kandidaten beobachtet. Eine Schaaf-Rückkehr ist nach Informationen der DeichStube übrigens kein Thema.

Bis zu einer Antwort auf die Frage, wer bei Werder zum Nachfolger des Technischen Direktors wird, dürfte es ohnehin noch etwas dauern. „Wir setzen uns dabei nicht unter Druck, sondern werden in Ruhe eine Entscheidung treffen“, sagt Baumann.

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