Mit der rechten Hand schlug Frank Baumann immer wieder auf seine Brust und die Werder-Raute über dem Herzen, den anderen Arm hatte er zum Gruß ins Weserstadion gehoben. Unmittelbar vor dem letzten Heimspiel des SV Werder Bremen in dieser Saison gegen den VfL Bochum ist der 48-Jährige als Geschäftsführer Sport offiziell verabschiedet worden, nach knapp 25 Jahren als Profi, Double-Kapitän und Funktionär nimmt sich der gebürtige Würzburger bekanntlich eine Auszeit und übergibt seine Arbeit in die Hände von Nachfolger Clemens Fritz.
Große Worte gab es so kurz vor dem Anpfiff der Partie von Baumann nicht mehr. Stattdessen waren Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald sowie die Geschäftsführer-Riege bestehend aus Anne-Kathrin Laufmann, Klaus Filbry und Tarek Brauer auf dem Rasen erschienen, um Baumann mit ein paar Geschenken auszustatten. So gab es den obligatorischen Blumenstrauß, einen kreativ gestalteten Bilderrahmen und ein paar Umarmungen samt dankender Worte, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren. In der Arena waren passend dazu „Frank Baumann“-Sprechchöre zu hören, etliche Fans auf den Rängen hatten sich zudem Trikots mit der Nummer sechs übergestreift, einige Anhänger auf der Südtribüne hatten sogar ganz spezielle grün-violette Hemden kreiert, um Baumanns Werdegang zu würdigen.
Einer, der gleich mehrere Jahre gemeinsam mit dem Vize-Weltmeister von 2002 auf dem Rasen gestanden hat, ist Johan Micoud. Ebenso wie viele andere Legenden der Double-Mannschaft war auch der Franzose nach Bremen gereist, um den historischen Erfolg von vor 20 Jahren zu feiern – und Baumanns Abschied einen noch würdigeren Rahmen zu verleihen. „Für mich ist Frank Baumann damals ein ganz großartiger Mitspieler gewesen“, erklärte „Le Chef“ während einer kleinen Journalistenrunde vor dem Spiel. „Er hat nicht viel geredet, aber wir haben unheimlich viel miteinander gelacht, weil wir denselben Humor haben. Er ist ein Spieler gewesen, der ganz ähnlich wie beispielsweise ein Toni Kroos immer im Dienst der Mannschaft steht und zudem die Offensivspieler gesucht hat, um sie in Szene zu setzen. Er ist damals wie heute auf und neben dem Platz für mich ein sehr wichtiger Mensch, den ich sehr schätze.“ Passenderweise waren sowohl Baumann als auch Micoud kurz darauf zentrale Figuren einer beeindruckenden Choreo in der Ostkurve – mehr ging nun wirklich nicht.