Wird Rashicas Frust zum Problem? Ein kniffliger Fall

Im Kopf hatte Milot Rashica seinen Klub-Wechsel im Sommer vollzogen. Nachdem er nicht zustande kam, muss nun ein frustrierter Rashica seinen Weg zurück in die Mannschaft finden - das wird nicht einfach.
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Ein kniffliger Fall
Von Christoph Sonnenberg

Bilder sagen ja bekanntlich mehr als Worte. Doch es gibt auch Bilder, auf denen zu erkennen ist, dass gerade Worte gesagt werden. Welche das waren, die Kevin Möhwald Milot Rashica im Spiel in Freiburg mit auf den Weg gab – oder besser: brüllte –, ist nicht bekannt. Etwas Nettes wird es nicht gewesen sein, auch Körpersprache sagt ja mitunter mehr als Worte. Und Möhwald erteilt Rashica mit ausgestrecktem Arm und vorgebeugtem Oberkörper eindeutig Anweisungen in der Szene, die im Foto festgehalten wurde. Auch sein Gesichtsausdruck, nun ja, sagt eine Menge aus. Nichts Freundliches, wie zu erkennen ist.

Es ist ein Bild, dass den Fokus auf ein Problem lenkt, um dass sie bei Werder gewusst haben, das sie sich aber gerne geschenkt hätten: Wie kommt der frustrierte Milot Rashica wieder in die Spur?

Sieben Punkte aus drei Spielen sind ein guter Start in die Saison, den nicht jeder Werder zugetraut hat nach dem 1:4 gegen Hertha BSC im ersten Spiel. Nick Woltemade und Manuel Mbom standen beim Sport Club in der Startelf, ein 18-Jähriger und ein 20-Jähriger. Womit Florian Kohfeldt dem vom Klub gestellten Anspruch, junge Talente auszubilden und in der Bundesliga spielen zu lassen, gerecht wird. Dass Frank Baumann lieber über diese positiven Themen sprechen würde, macht er gleich zu Beginn des Telefonats deutlich: „Es gibt welche."

Acht Ballkontakte in Freiburg

Das bestimmende Thema der Sommerpause, der Vorbereitung und der Transferphase war aber Rashica und dessen von allen Seiten dringend erwünschter Wechsel. Als dieser in letzter Minute am letzten möglichen Tag scheiterte, machten alle Beteiligten lange Gesichter. Rashica hat sich offenbar immer noch nicht damit abgefunden, weiter für Werder zu spielen, sein Vertrag läuft bis 2022.

Acht Ballkontakte waren es nach seiner Einwechselung in Freiburg, dem ersten Einsatz in dieser Saison. Keiner seiner Pässe kam beim Mitspieler an, wie fleißige Beobachter notierten. Und sein lustloser Auftritt auch nicht, wie die Szene mit Möhwald belegt. Marco Friedl wollte sich in einer anderen Situation gar nicht beruhigen, so dringend war sein Wunsch, Rashica zu etwas mehr Engagement zu ermuntern. Es gärt in der Mannschaft.

Baumann würde das am liebsten wegdrücken wie einen lästigen Telefonanruf. „Wenn man da etwas sehen möchte, kann man es hineininterpretieren. Ich sehe es überhaupt nicht so„, sagt Werders Sportchef und ergänzt: „Es gibt Gründe, weshalb er nicht ins Spiel gekommen ist. Das hat definitiv nichts mit einer Lustlosigkeit zu tun. Das schließe ich aus.“

Eine Vertragsverlängerung in Bremen lehnte Rashica ab

Dass Rashica in dieser Saison noch bei Werder spielt, haben vor einigen Monaten alle Seiten nahezu ausgeschlossen. Schon zu Jahresbeginn hatte er mit seinem Berater Altin Lala die Absicht zu einem Wechsel hinterlegt. Interessenten gab es einige, darunter namhafte Klubs. Werders Vorstoß, mit einem höheren Gehalt und einer längeren Vertragslaufzeit die Ausstiegsklausel über 35 Millionen Euro abzukaufen, lehnten Spieler und Berater ab. Im April verkündete Lala in einer albanischen Fernsehsendung gar: „In zwei bis drei Wochen werden wir eine Entscheidung treffen."

Am Ende waren es andere, die Entscheidungen getroffen haben, im Sinne Rashicas waren sie nicht.

RB Leipzig ist schon im August aus dem Poker ausgestiegen. Bei Werder waren sie darüber informiert. Der Versuch, Rashica das klar zu machen, sei aber gescheitert, heißt es. Stattdessen habe man auf Seiten des Spielers unverdrossen mit einem Anruf gerechnet. Auch bei Bayer Leverkusen hat Rashica nicht ganz oben auf der Liste der erwünschten Neuzugänge gestanden. Nach Informationen des WESER-KURIER war es Justin Kluivert, den Bayern holen wollte. Erst als der Niederländer sich für Leipzig entschieden hatte, trat für die Leverkusener Rashica als Alternative auf den Plan.

Leverkusen hat sich sehr viel Zeit gelassen

Es war schon spät, gegen 15.30 Uhr des 5. Oktobers, dem letzten Tag der Transferperiode, als Leverkusen begann, ernsthaft zu verhandeln. In Bremen haben sie sich über den Zeitpunkt gewundert: Zweieinhalb Stunden blieben, um den Wechsel fristgerecht über die Bühne zu bringen, was wirklich nicht viel Zeit ist. Dass es am Ende nicht gereicht hat, überrascht nur bedingt. Dass Bayer sich so viel Zeit gelassen ist ein Indiz dafür, wie sehr sie Rashica wirklich wollten in Leverkusen.

Über acht, neun Monate hat sich Rashica gedanklich mit einem neuen Klub auseinandergesetzt, eine lange Zeit. Am Ende schien es fast egal, welcher es wird, Hauptsache ein Wechsel kommt zustande. Darin steckt ein Teil der Tragik: Die heißeste Aktie auf dem Markt ist Rashica eben nicht gewesen, sagen sie bei Werder. Und dass Berater Lala ein integerer und zuverlässiger Partner sei, in der Branche aber offenbar nicht über die Kontakte verfüge, Rashica zu platzieren.

All das muss der Spieler verkraften, einfach ist das nicht. Auch der eingeplante aber ausgebliebene Gehaltssprung. Bei Werder gehört Rashica nicht zum Kreis der Top-Verdiener, ein neuer Klub hätte deutlich mehr Geld bedeutet. Sein Auftritt in Freiburg lässt sich als Zeichen deuten, dass der Prozess der Verarbeitung noch nicht abgeschlossen ist.

Das muss er schleunigst tun, um in der nächsten Transferperiode einen Verein zu finden. Werder hat ebenfalls Interesse, mit Rashica Geld zu verdienen, ein Platz auf der Bank hilft dabei kaum. Es liegt am Spieler selbst, ob sich am Ende sein großer Traum von einem großen Klub verwirklicht.

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