Keine Aufregung über neue TV-Geld-Verteilung Bonbons für alle

Im Vorfeld hatte sich Werder für Veränderungen bei der Verteilung der Fernsehgelder ausgesprochen. Die sind ausgeblieben, Kritik gibt es dafür jedoch nicht. Ein paar Bremer Forderungen wurden berücksichtigt.
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Bonbons für alle
Von Christoph Sonnenberg

Die Revolution ist ausgeblieben, die Aufregung aber auch. Als Christian Seifert, Vorsitzender der DFL, die 36 Bundesligaklubs am Montag über den neuen Verteilungsschlüssel der Fernsehgelder zwischen 2021 und 2025 informierte, gab es in der virtuellen Versammlung anschließend nicht eine einzige Nachfrage. Dabei waren einige Klubs im Vorfeld vehement für eine komplett andere Verteilung eingetreten, um den Wettbewerb der 1. Bundesliga wieder spannender zu machen. Werder gehörte auch dazu.

Revolutionäre Entscheidungen hat die DFL nicht getroffen, Veränderungen in der Verteilung der rund 4,4 Milliarden Euro für die vier Spielzeiten ab dem kommenden Sommer gibt es. „Bei dem vorgestellten Verteilerschlüssel handelt es sich sicher eher um eine Evolution als eine Revolution", sagt Klaus Filbry. Statt neue Weg einzuschlagen, wurden die alten ein wenig aufgehübscht. Nennenswerte Veränderungen bei den Einnahmen gibt es nicht.

Die Gelegenheit für Veränderungen war günstig

Den Willen für größere Veränderungen soll es gegeben haben im neunköpfigen Präsidium der DFL. Einige Mitglieder, Vertreter von Klubs wie Darmstadt, Kiel, St. Pauli oder Köln, zählen nicht zum Geldadel der Profiklubs. Der war lediglich durch einen Vorstand des FC Bayern dabei. Die Gelegenheit war also günstig, am Ende setzten sich die konservativen Kräfte durch mit acht Ja-Stimmen und einer Enthaltung.

„Die vergangene Saison war nur ein laues Lüftchen. Jetzt kommt der Sturm", sagte Seifert und kündigte bis zum Sommer 2022 Einnahmeverluste von rund zwei Milliarden Euro an. Angesichts solcher Veränderungen auf der Einnahmeseite sei es nicht der richtige Zeitpunkt für große Veränderungen. Stattdessen herrsche nun Planungssicherheit in unsicheren Zeiten.

„Es ist kein spektakulärer, aber ein vernünftiger Beschluss, der das Potenzial hat, die Liga zusammenzuhalten“, sagte Seifert und verdeutlichte damit die Sorge vor einer Spaltung zwischen den Klubs. Arm gegen reich, groß gegen klein – eine Zerreißprobe innerhalb der Bundesligen sollte unbedingt vermieden werden.

Kritik gibt es nur aus der Fanszene

Die ist ausgeblieben, da es im neuen 4-Säulen-System Bonbons für alle gibt. Die Zweitligisten bekommen künftig zwei Prozent mehr. Für die Traditionsvereine wurde die Säule „Interesse„ eingebaut, die den Marktwert der Klubs berücksichtigt. Die Säule „Nachwuchs“ wurde ebenfalls neu eingezogen und belohnt den Einsatz von Spielern, die im Klub ausgebildet wurden. Bei den internationalen Fernseheinnahmen, für die Teilnehmer an den internationalen Wettbewerben lukrativ, gibt es nur eine geringe Veränderung. Künftig werden 35 Prozent gleichverteilt statt wie bisher 25 Prozent. Den Rest der jährlich 70 bis 74 Millionen Euro teilen sich die Top-Klubs.

Es ist also für alle etwas dabei, echte Gewinner oder Verlierer gibt es nicht – und deshalb ist niemand wirklich böse. Was auch für Werder gilt. „Insbesondere begrüße ich die weitere Stärkung der Nachwuchs- und Ausbildungssäule sowie die neue Säule ‚Interesse‘, die den Beitrag der Klubs an der Ligaentwicklung berücksichtigt“, sagt Filbry. Werder darf zunächst in etwa mit der Summe kalkulieren, die aktuell die Einnahmen aus den Fernsehgeldern ausmacht, knapp 56 Millionen Euro.

Kritik am neuen Verteilerschlüssel gibt es, sie kommt allerdings von außerhalb, aus der Fanszene. „Wir können keine substantiellen Veränderungen erkennen“, heißt es in einer Stellungnahme der Faninteressenvertretung „Unsere Kurve“, die über Twitter ausgespielt wurde. Die Hoffnung auf eine stärkere Gleichverteilung der Fernsehgelder wurde nicht erfüllt: „Das Leistungs- und Vermarktungsprinzip ist weiterhin vorherrschend und bestehende Unterschiede werden zementiert.“

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