Hess-Grunewald betont

"Wäre fatal, wenn Verein Einfluss auf das operative Geschäft aufgibt“

Bei Werder rumort es abseits des Rasens hinter den Kulissen. Nun hat sich Präsident Hubertus Hess-Grunewald zu einer möglichen Satzungsänderung und seinen eigenen Plänen geäußert.
18.07.2021, 16:24
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Von Daniel Cottäus
"Wäre fatal, wenn Verein Einfluss auf das operative Geschäft aufgibt“

Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald (Archivfoto).

Sina Schuldt

Ob es schon zur Revolution reicht? Selbst wenn nicht: Dieses spezielle Papier hat innerhalb des SV Werder Bremen in den vergangenen Tagen und Wochen für reichlich Unruhe gesorgt - fordert es doch unmissverständlich eine gravierende Satzungsänderung, in deren Zentrum der amtierende Vereinspräsident und Geschäftsführer der ausgegliederten Kapitalgesellschaft Hubertus Hess-Grunewald steht.

Geht es nach Manfred Müller, Willi Lemke und Klaus-Dieter Fischer, drei prominente Ex-Bosse des Clubs, darf Hess-Grunewald seine Doppelrolle bald nicht mehr ausführen, weil eine derartige Struktur nicht mehr zeitgemäß, heißt: mit Compliance-Regeln sowie einer guten Unternehmensführung nicht mehr zu vereinbaren sei. In einem Interview mit den Vereinsmedien hat Hess-Grunewald nun auf den Vorstoß reagiert – sachlich, ruhig, aber auch mit einer guten Portion Unverständnis.

Zunächst etwas Hintergrund, zur besseren Einordnung: Es gibt bei Werder seit knapp 20 Jahren die strukturelle Besonderheit, dass der Verein als hundertprozentiger Anteilseigner der ausgegliederten Kapitalgesellschaft sowohl im Aufsichtsrat als auch in der Geschäftsführung vertreten ist. 2003 war diese Regelung eine Art Zugeständnis an jene Mitglieder gewesen, die die Ausgliederung der Profifußball-Abteilung sehr skeptisch sahen. Ihnen wurde auf diese Weise zugesichert, dass der Verein auch in Zukunft direkten Einfluss auf das operative Geschäft seiner Kapitalgesellschaft hat. Nun wollen Müller, Lemke und Fischer, dass das Entsenderecht des Präsidiums in die Geschäftsführung abgeschafft wird. Einen entsprechenden Antrag hat Müller fristgerecht vor der Mitgliederversammlung am 5. September eingereicht. „Der Vereinspräsident ist in seiner Rolle als Geschäftsführer gefangen, er würde sich doch nie gegen seine eigenen Geschäftsführer-Kollegen stellen“, argumentierte er gegenüber unserer Deichstube. Sein Gegenvorschlag: Der Präsident solle künftig im Aufsichtsrat sitzen, so wie es auch bei anderen Vereinen wie zum Beispiel beim FC Bayern München gehandhabt wird.

Hess-Grunewald räumt zwar grundsätzlich ein, dass man über „die Personenidentität zwischen Präsident und Geschäftsführer“ sowie über sich daraus möglicherweise ergebene „Interessenskollisionen“ reden könne – im generellen Streichen des Entsenderechts sieht er jedoch einen großen Fehler. „Ich halte es für fatal, wenn der Verein, vertreten durch das Präsidium, den Einfluss auf das operative Geschäft seiner Kapitalgesellschaft aufgibt“, sagt er – und betont: „Das würde objektiv eine Schwächung des Vereins als Gesellschafter und Eigentümer der Kapitalgesellschaft bedeuten.“

Hess-Grunewald geht es demnach gar nicht so sehr um seinen eigenen Kopf in der Geschäftsführung, sondern darum, dass auch in Zukunft ein Vertreter des Vereins – im Zweifel eben nicht mehr der Präsident – in der Geschäftsführung vertreten ist. „Wir haben den Mitgliedern damals versprochen, den Einfluss zu erhalten, und ich fühle mich an dieses Versprechen gebunden“, betont er.

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