Training abgebrochen, Leipzig-Spiel fraglich Wieder ein Rückschlag für Selke?

Um trainieren zu können, betreibt Davie Selke ein erweitertes Programm. Er war auf einem guten Weg zurück in die Mannschaft – stoppt jetzt ein Rückfall seinen Einsatz bei seinem Ex-Klub?
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Wieder ein Rückschlag für Selke?
Von Christoph Sonnenberg

Exakte Diagnosen verletzter Spieler werden bei Werder schon seit Jahren nicht mehr öffentlich kommuniziert. Es geht dann grob um die körperliche Region, etwa das Knie. Um muskuläre Probleme im Oberschenkel oder Rücken. Angeblich sind es die Persönlichkeitsrechte der Spieler, die so geschützt werden und mit denen der Verein durch zu umfangreiche Informationen nicht in Konflikt geraten will. Vielleicht sind manche Verletzungen aber auch zu kompliziert, um sie für alle verständlich zu erklären.

„Ein bisschen Hüfte, die Leiste, auch der Oberschenkel ist betroffen. Man kann sagen, es ist der komplette linke Bereich.“ So klingt es, wenn Davie Selke das beschreibt, was Werder Ende Oktober unter dem Begriff Leistenprobleme zusammengefasst hatte. Aber das ist noch nicht alles: „Wenn ich mich nicht richtig aufwärme und dehne, kann es ausstrahlen in die Adduktoren, in die Leiste.“ Seit einigen Wochen steht Selke deshalb etwas früher in der Kabine des Weserstadions, um das tägliche Trainingsprogramm vor dem Trainingsprogramm zu absolvieren. „Ich muss eine Menge Aufwand betreiben, damit es sich gut anfühlt.“

Das Training hat er am Donnerstag abgebrochen

Immer klappt das das dennoch nicht. Am Donnerstag beendete Selke das Training vorzeitig, wieder zwickte der Oberschenkel. Über einen Einsatz in Leipzig am Sonnabend wird wohl im Laufe des freitags entschieden.

Das ganze Thema der Verletzung sei, sagt Selke, „sehr komplex“. Ein Satz, den man getrost auch über seine Zeit in Bremen sagen könnte, seitdem er im Januar dieses Jahres etwas überraschend aus Berlin zurück zu Werder kehrte. Die Hoffnung, so etwas wie eine Lebensversicherung im Abstiegskampf zu sein, erfüllte sich nicht. Elf Ligaeinsätze, null Tore. Nur im Pokal gegen Dortmund hat er getroffen. In der entscheidenden Phase, den beiden Spielen der Relegation gegen Heidenheim, stand er nicht eine Minute auf dem Platz. Das hatten sich alle irgendwie anders vorgestellt. Dazu die üppigen zwölf Millionen Euro Ablöse, die kommenden Sommer an Hertha fällig werden, als Elefant im Raum.

Am klaren Blick mangelt es Selke nicht, wenn er über die vergangene Rückrunde spricht. Die sei nicht gut ge­wesen, „da brauchen wir nicht zu reden“. ­Gerüchte, Werder habe in der Sommerpause versucht, Selke an einen anderen Klub zu ­verleihen, dementierte Frank Baumann. Dennoch wurden sie auf mancher Seite für glaubhaft gehalten, weil es bisher zu offensichtlich noch nicht passte zwischen Spieler und Klub.

Alles richtig gemacht, soll das signalisieren

Das sollte sich ändern. Im Sommer verkürzte Selke seinen Urlaub, nahm sich einen persönlichen Fitnesstrainer und arbeitete vor. „Ich habe mich das erste Mal richtig professionell auf eine Saison vorbereitet.“ Was sich auszahlt mit Toren in diversen Testspielen. Und auch beim Ligastart, dem 1:4 gegen Hertha. Selke traf gegen seinen Ex-Klub und sagt heute: „Ich stand im ersten Spiel nach einer enttäuschenden Rückrunde in der Startelf und habe getroffen.“ Alles richtig gemacht, soll das signalisieren. Aber in der Woche darauf, Werder gewinnt bei Schalke 04 mit 3:1, ist er nur für die letzten 22 Minuten dabei. Auch gegen Bielefeld und Freiburg bleiben ihm Kurzeinsätze. Dann folgt die Leistenverletzung und drei Spiele Pause. In Wolfsburg ist er sechs Minuten dabei, gegen Stuttgart 30. Und er trifft, wenngleich auch dieses Spiel verloren geht, wie schon gegen Hertha.

Und jetzt? „Davie war ein sehr belebendes Element in unserem Spiel. Er hat Bälle fest gemacht und war sehr aktiv. Mit dem Tor hat er sich belohnt“, sagt Clemens Fritz mit Blick auf das Spiel gegen Stuttgart. Und mit dem in die Zukunft sagt er: „Davie ist jemand, der vieles mitbringt, was uns im Laufe der Saison noch gut tun wird.“

„Ich sehe mich im Soll. Ich sehe mich auf einem guten Weg.“

Das ist es, was bisher noch nicht so funktioniert hat, dass Selke Werder gut tut. Nach seinem Treffer gegen Berlin setzte Florian Kohfeldt im folgenden Spiel auf Niclas Füllkrug, der gegen Schalke prompt dreifach traf. Jetzt, da Füllkrug mal wieder ausfällt, ringt Selke nach eigener Verletzung noch mit seiner Fitness. „Ärgerlich“ sei es, dass sich sein Ausfall mit dem Füllkrugs überschnitten habe. „Da hätte ich die Spiele bekommen.“ Hat er nicht. Was sich fügt in dieses Jahr, in dem er nie zu dem geworden ist, was er so gerne sein will, unverzichtbar und ein Leistungsträger.

Der Weg dorthin, der lässt sich nicht erzwingen. Selke hat das gelernt. „Ich lasse mich nicht verrückt machen.“ Beeinflussen könne er nur, was auf dem Platz passiere. „Ich werde auf keinen Fall Kraft verschwenden, indem ich wegen irgendwelcher anderen Dinge hadere.“ Es hört sich an, als wolle Selke sich die bisherige Saison nicht kaputtreden lassen, nachdem die vergangene schon so bitter endete. „Ich sehe mich im Soll. Ich sehe mich auf einem guten Weg.“

Der könnte sich gegen Leipzig fortsetzen, so er denn spielen kann. Gegen die anderen ehemaligen, Berlin und Stuttgart, hat er getroffen. Emotionale Bindungen zu RB hat er nicht. „Es ist kein Spiel gegen einen Ex-Klub, sondern einfach ein sehr schweres Spiel. Leipzig ist nichts Besonderes für mich.“

Wobei, so ganz stimmt das nicht. Mit Berlin kehrte er auch mal nach Leipzig zurück, nachdem er 2017 in die Hauptstadt gewechselt war. Damals erzielte er zwei Tore, „ein sehr, sehr geiles Spiel“ sei das gewesen. „Ich hoffe und wünsche mir, dass ich das mit Werder wiederholen kann.“ Damit endlich mal alles gut ist.

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