Statt Datum auf der Packung Bessere Haltbarkeitsanzeige für den Milchkarton

Jedes Jahr landen bundesweit 18 Millionen Tonnen Lebensmittel auf dem Müll, wovon vieles noch genießbar wäre. Wie sich das Deutsche Milchkontor an der Forschung für eine bessere Haltbarkeitsanzeige beteiligt.
08.12.2018, 07:00
Lesedauer: 3 Min
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Bessere Haltbarkeitsanzeige für den Milchkarton
Von Florian Schwiegershausen

Auf dem Joghurt ist als Datum der 6. Dezember aufgedruckt – Nikolaus. Das ist schon vorbei, muss der Joghurt also nun in den Müll? Nein, denn es handelt sich um das Mindesthaltbarkeitsdatum. Dieses Datum garantiert seitens des Herstellers, dass das Lebensmittel ungeöffnet bei richtiger Lagerung keine Abstriche in Geschmack und Qualität haben wird, und der Verbraucher keine gesundheitliche Beeinträchtigung zu fürchten hat. Auch danach ist der Verzehr vom Joghurt, Quark der Käse noch möglich, da es sich nicht um das Verfallsdatum handelt. Der Verzehr liegt dann im Ermessen des Verbrauchers.

Allerdings gibt es immer noch viele Verbraucher, die das Mindesthaltbarkeitsdatum gleichsetzen mit „nicht mehr genießbar“. Dadurch landen laut WWF bundesweit jedes Jahr 18 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll, von denen vieles noch essbar gewesen wäre. Eine Lösung könnte also eine andere Art des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD) sein. Daran forscht unter anderem das Deutsche Milchkontor (DMK) mit Sitz in Bremen.

Ein dynamisches Mindesthaltbarkeitsdatum

Es gibt verschiedene Ansätze, wie das MHD der Zukunft aussehen soll. DMK-Sprecher Oliver Bartelt sagt, dass das Unternehmen unter anderem an einer Ampelmarkierung arbeitet, die mit den Farben Grün, Gelb und Rot den Zustand des Lebensmittels anzeigt: „Eine solche Ampelmarkierung wäre sicher für den Konsumenten am einfachsten zu erkennen. Genau auf diesem Feld, das man ,Smart/Intelligent Packaging' nennt, befindet sich das Projekt." Der Farbpunkt berücksichtigt über die Zeit Umgebungstemperatur und Lichteinfall, so dass sich die Farbe verändert. Das wäre also am Ende ein dynamischeres MHD als ein starr auf die Verpackung aufgedrucktes Datum.

Beim DMK sind momentan direkt zwei Mitarbeiter aus dem Bereich Forschung und Entwicklung mit dem Projekt betraut, das den Namen „Intellidate“ trägt. Sie arbeiten mit den anderen Partnern dieses Projekts zusammen. Das Milchkontor hat den Teil übernommen, bei dem es um die industrielle und logistische Realität geht, damit es dann auch umgesetzt werden kann. „Dazu zählen auch realistische Inlands- und Auslandstransporte mit Probenmaterial, also echte ,ESL'-Milch wie sie in den Handel kommt, und Probandentests“, ergänzt Bartelt.

ESL steht für „Extended Shelf Life-Milch“ und ist im Kühlschrank mindestens 18 bis 21 Tage haltbar. Denn Laborbedingungen reichen hier nicht aus, erst der Transport zeigt, was machbar ist. Derzeit befinde man sich erst bei der zweiten und dritten Versuchsreihe. Bartelt erklärt: „Es ist also alles noch am Anfang. Allerdings sieht man schon erste Zusammenhänge auftauchen.“

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Für das Projekt kommt am Standort Zeven das Milch-Innovations-Center zum Einsatz. Als erstes Modellprodukt dient ESL-Milch. Die stammt aus der Produktion des DMK-Standorts Everswinkel in Nordrhein-Westfalen. Das Center gehört zur Abteilung Forschung und Entwicklung, in die die DMK Group jedes Jahr investiert. Dazu gehören die gemeinsame Forschung mit Hochschulen, die Entwicklung mit Lieferanten aber auch Investitionen in Anlagen und neue Technologien. Außerdem entwickelt die Abteilung gemeinsam mit den verschiedenen Unternehmensbereichen und dem Innovationsmanagement vielfältige Projekte mit großer Bedeutung für die Zukunft der DMK-Group. Bartelt verdeutlicht das Ziel: „Wir wollen die Wertschöpfung erhöhen – durch konstante Qualitätsverbesserung, Produktinnovationen, optimierte Prozesse und neue Technologien.“

Ein zweites Milch-Innovations-Center befindet sich am Standort Edewecht bei Oldenburg. „Hier können wir in unseren Pilotanlagen und der Versuchskäserei gezielt individuelle und innovative Variationen und Technologien sowie Rezepturansätze entwickeln, um sie danach auf den Produktionsmaßstab abzubilden“, erklärt Bartelt. Denn außerhalb des Projekts entwickelt das Unternehmen ja auch neue Produkte sowohl für das eigene Markengeschäft als auch für die weiterverarbeitende Industrie oder auch Hotels, Restaurants und Catering.

DMK erhält keine Fördermittel

Für das Intellidate-Projekt hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft mehr als 900 000 Euro an Fördergeldern beigesteuert. Knapp 400 000 Euro tragen die sechs Partner, die an diesem Projekt beteiligt sind. „Das DMK erhält aufgrund seiner Größe in diesem Projekt keine Fördermittel, sondern trägt alle beim DMK entstehenden Kosten selbst. Wir sind davon überzeugt, dass dieses Thema im Rahmen der Reduktion von Lebensmittelverschwendung eine absolut wichtige Bedeutung hat“, sagt DMK-Sprecher Bartelt.

Er gibt zu bedenken, dass etwa ein Drittel der produzierten Lebensmittel bereits vor dem Verzehr weggeworfen werden – auch wegen der falschen Interpretation des MHD seitens der Verbraucher. So gibt es in Internetforen Berichte, dass beispielsweise ein ungeöffneter Frühlingsquark bei guter Lagerung auch noch eine oder zwei Wochen nach Ende des Haltbarkeitsdatums absolut genießbar war. „Für uns ist das nicht überraschend, da wir genau wissen, was wir tun“, sagt DMK-Sprecher Oliver Bartelt abschließend. Bis Mitte 2020 soll das Intellidate-Projekt abgeschlossen sein und brauchbare Ergebnisse liefern.

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