Bremer Energieversorger SWB hält an Projekten für den Kohleausstieg fest

Nachdem Bremens Energieversorger SWB 2018 noch mit einem Gewinneinbruch um fast die Hälfte zu kämpfen hatte, ist das Unternehmen zurück in der Spur. Wie es den Kohleausstieg und die Corona-Folgen angehen will.
07.05.2020, 12:00
Lesedauer: 4 Min
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SWB hält an Projekten für den Kohleausstieg fest
Von Florian Schwiegershausen

Der Bremer Energieversorger SWB ist bei seinen Geschäftszahlen zurück in der Spur. Das zeigt die Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr, die das Unternehmen an diesem Donnerstag veröffentlicht hat. So machte die Tochter des Oldenburger Energiekonzerns EWE einen Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) in Höhe von knapp 77 Millionen Euro gegenüber mehr als 40 Millionen Euro im Jahr zuvor. Der SWB-Vorstandsvorsitzende Torsten Köhne sagte: „Wir konnten EBIT und Konzernjahresergebnis deutlich verbessern und viele Projekte erfolgreich weiterentwickeln. Damit haben wir zur Umsetzung der Energie- und Wärmewende viel erreicht. Auch den beschlossenen Pfad des mittelfristigen Ausstiegs aus der Steinkohleverstromung haben wir konsequent weiterverfolgt.“

Außerdem seien wegweisende Entscheidungen getroffen worden für die laufenden und die in der Zukunft geplanten Projekte für die Infrastruktur und den Umbau der Erzeugung. „Mit diesem guten Stand sind wir in das laufende Geschäftsjahr gestartet, für das wir angesichts der Corona-Pandemie noch keine Prognose wagen“, stellt Köhne fest. Er bezeichnet das Geschäft als stabil. So liegt der Überschuss bei knapp 39 Millionen Euro gegenüber 2018 mit knapp 15 Millionen Euro. Der Umsatz ging um gut 77 Millionen Euro auf mehr als 1,3 Milliarden Euro zurück. Damit sei das Ergebnisniveau im Vergleich zu 2018 erheblich angestiegen, es liegt aber nicht ganz auf der zum Jahresbeginn geplanten Höhe.

Ungeplante Reparaturen bei den Anlagen

Köhne sagt im Interview mit dem WESER-KURIER, dass die Gewinne ausreichen, um damit die bevorstehenden Investitionen schultern zu können – auch zusammen mit dem Mutterkonzern EWE im Hintergrund. Dass bei den Zahlen nicht alles nach Plan gelaufen sei, liege auch am witterungsbedingten Rückgang der abgesetzten Mengen. Auf der anderen Seite haben bei den Anlagen ungeplante und wartungsbedingte Stillstände die Zahlen bei der Erzeugung geschmälert. Auch schon 2018 stand das Müllheizkraftwerk nahe der A27 einige Wochen wegen diverser Reparaturen still.

Laut SWB-Angaben konnte das Unternehmen in seiner Heimatregion im Vergleich zum Vorjahr mehr Privatkunden bei Strom und Gas hinzugewinnen. Das führt der Energieversorger auf den Ausbau des Online-Vertriebs zurück sowie auf verschiedene Laufzeit-Angebote, um die Kunden zu binden. Außerdem habe man einige Kunden durch entsprechende Angebote zurückgewinnen können. Dazu sagt SWB-Vertriebsvorstand Olaf Hermes: „Besonders freut uns, dass der Marktanteil Strom im Privatkundenbereich in Bremerhaven gewachsen und in Bremen konstant geblieben ist.“ In Bremen habe die SWB beim Strom einen Marktanteil von 81 Prozent, beim Erdgas liegt er bei 75 Prozent gegenüber 77 Prozent im Vorjahr. In Bremerhaven hält die SWB beim Erdgas weiterhin einen Marktanteil von 84 Prozent, beim Strom konnte sie den Marktanteil um zwei auf 88 Prozent ausbauen.

800 Millionen Euro an Investitionen in Anlagen und Netze

Der SWB-Finanzvorstand Timo Poppe kündigt an, in den kommenden vier Jahren mehr als 800 Millionen Euro in Anlagen und Netze zu investieren: „Gemeinsam mit Bremen und Bremerhaven haben wir in den kommenden Jahren viel vor. Große Projekte, die für die Zukunft des Unternehmens, eine sichere Energieversorgung und die Senkung der CO2-Emissionen im Land Bremen wegweisend sein werden." Das sei finanziell und logistisch eine Herausforderung, für die es die Unterstützung vieler Partner brauche.

So treibt die SWB an ihrem Standort in Hastedt die Pläne für ein neues gasbetriebenes Blockheizkraftwerk an, um die alte mit Steinkohle betriebene Anlage zu ersetzen. Von dort wird es dann eine Fernwärmeleitung zum Müllheizkraftwerk an der A27 geben. Dafür sind 200 Millionen Euro an Investitionen veranschlagt. Mit dem Bau der Fernwärmeverbindungsleitung soll begonnen werden, sobald die notwendige Genehmigung vorliegt.

Klärschlamm am Hafen verbrennen statt auf die Felder

Außerdem sind die Planungen beim Kraftwerk Hafen fortgeschritten für eine Anlage zur Verwertung von Klärschlamm. Die kann ab 2022 jedes Jahr bis zu 55.000 Tonnen Klärschlamm-Trockenmasse verbrennen und soll dafür einen großen Teil des Klärschlamms aus Nordwestdeutschland aufnehmen. Bisher wurden Klärschlämme fast ausschließlich auf landwirtschaftliche Flächen aufgebracht. „Das ist nach Inbetriebnahme der KENOW nicht mehr notwendig“, betont Poppe.

Am Standort Mittelsbüren soll außerdem im Rahmen des Projekts „HyWays for Future“ ein Elektrolyseur zur Herstellung von Wasserstoff gebaut werden. Der soll langfristig bei ArcelorMittal zur Stahlproduktion eingesetzt werden. Die Leitwarte dort steuert bereits drei Kraftwerksblöcke, drei Umrichteranlagen für Bahnstrom und den kompletten Energiebetrieb des Bremer Stahlwerks.

Ausblick auf das Geschäft schwierig wegen Corona-Pandemie

Verstärkt bringt sich die SWB auch in die Planung neuer Quartiere wie beispielsweise dem Tabakquartier in Woltmershausen ein und erstellt die Versorgungskonzepte für Wärme, Strom, Wasser, Photovoltaik und E-Mobilität einschließlich Steuerung, Finanzierung und Betrieb. Diesen Geschäftsbereich will das Unternehmen ausbauen, wie Köhne im WESER-KURIER-Interview erläutert.

Wegen der Corona-Pandemie arbeitet auch bei der SWB derzeit ein Großteil im Homeoffice. In einem besonderen Lagezentrum bewerten die Verantwortlichen die fortschreitende Gefährdungslage regelmäßig neu, um mit entsprechenden Schritten zu reagieren. Das laufende Geschäftsjahr bei der SWB werde wirtschaftlich und finanziell erheblich durch die Corona-Pandemie beeinflusst sein. Vorstandschef Köhne sagt: „Wir haben unterschiedliche Szenarien mit den entsprechenden Risiken quantifiziert und Maßnahmen ausgearbeitet, um den Auswirkungen entgegenzuwirken.“ Mehr denn je zähle aber für ihn, dass alle gesund bleiben oder es wieder werden.

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