„Wir Deutsche müssen mutiger sein“

Herr Kampker, Sie haben mal gesagt, Sie sehen sich nicht in Konkurrenz zu VW oder Daimler. Trotzdem: Wie fühlt es sich an, der großen Autoindustrie Druck zu machen? Achim Kampker: Unsere Intention ist nicht, dass wir jemandem aufzeigen, was er tun soll. Wir haben eine Nische im Nutzfahrzeugbereich entdeckt, daher sehen wir den Streetscooter als Ergänzung.
29.05.2017, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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„Wir Deutsche müssen mutiger sein“
Von Katharina Elsner

Herr Kampker, Sie haben mal gesagt, Sie sehen sich nicht in Konkurrenz zu VW oder Daimler. Trotzdem: Wie fühlt es sich an, der großen Autoindustrie Druck zu machen?

Achim Kampker : Unsere Intention ist nicht, dass wir jemandem aufzeigen, was er tun soll. Wir haben eine Nische im Nutzfahrzeugbereich entdeckt, daher sehen wir den Streetscooter als Ergänzung. Natürlich freut es uns, dass wir eine der treibenden Kräfte in der Elektromobilität sind. Ich würde mir aber wünschen, dass wir da nicht alleine bleiben.

Wenn ich mir die Zahlen der Streetscooter anschaue, die beim Kraftfahrtbundesamt zugelassen wurden, haben Sie im ersten Quartal dieses Jahres 844 Streetscooter angemeldet. Im gesamten Jahr 2016 waren es knapp 1700. Als Ziel hat die Deutsche Post aber angegeben, 10 000 Autos dieses Jahr zu produzieren. Hakt es irgendwo?

Nein, wir sind im Plan. Schon heute fahren mehr als 2500 Streetscooter auf Deutschlands Straßen, bis Ende des Jahres werden es mindestens doppelt so viele sein. Und der Drittverkauf startet ja erst.

Wie viel Autos produzieren Sie denn täglich?

Derzeit zwischen 25 und 30 Fahrzeugen. Im nächsten Monat gehen wir in eine zweite Schicht. In der zweiten Jahreshälfte werden wir also doppelt so viele bauen wie in der ersten Jahreshälfte.

Sie haben gerade Ihre erste Lieferung an ein externes Unternehmen, die Deutsche See, abgeschlossen. Ist Ihr Unternehmen eigentlich schon profitabel?

Dazu machen wir keine Aussage, aber wir sind mit der Entwicklung sehr zufrieden.

Gibt es schon andere Interessenten?

Wer das ist, sagen wir, wenn die Kunden das möchten. Wir stecken mitten in den Planungen.

Vielleicht können Sie verraten, aus welcher Branche die Kunden kommen?

Das ist gemischt. Wir arbeiten im Kern mit Flottenbetreibern, das ist die wesentliche Zielgruppe. Wir schließen aber das Handwerk nicht aus. Auch aus diesem Bereich haben wir Anfragen.

Der Anteil an Autos mit Elektroantrieb liegt in Deutschland bei weniger als einem Prozent. Woran liegt das?

Dafür gibt es im Wesentlichen zwei Gründe: Das eine ist das noch überschaubare Angebot an Elektroautos. Unsere Fahrzeuge werden gut nachgefragt, was uns bestätigt, dass der Bedarf da ist, aber es am Angebot hapert. Deswegen haben wir uns entschieden, unsere Autos auch an Dritte zu verkaufen. Der andere Grund sind die Diskussionen, die in Deutschland häufig geführt werden.

Was meinen Sie?

Wenn sich etwas verändern soll, schreiben wir Deutschen schnell 100 Gründe dagegen auf. Das ist ein Stück unserer Mentalität. Das mag auf der einen Seite begründet sein, auf der anderen Seite gibt es eine Grundskepsis gegenüber Neuerungen. Da müssen wir mutiger sein.

Sind die Deutschen noch nicht bereit für E-Mobilität? Die Regierung hat ja verkündet, dass sie ihr Ziel, bis 2020 eine Million E-Autos auf die Straße zu schicken, nicht erreicht.

Viele Menschen müssen die neue Generation von Autos erst einmal wahrnehmen und auch anfassen. Vor 100 Jahren haben sich die Menschen schnellere Kutschen gewünscht, nicht ein Auto, oder eine Kutsche ohne Pferd, weil sie es sich anders nicht vorstellen konnten. Heute wünschen sich die Menschen bei E-Autos, dass sie weiter fahren – also eigentlich das gleiche können sollen wie ein Auto mit Verbrennungsmotor. E-Mobilität ist eine Zukunftstechnologie, daher ist es wichtig, dass wir jetzt endlich damit anfangen. Wir bekommen sehr positives Feedback, weil die Deutsche Post zeigt, dass die Streetscooter tatsächlich fahren und wir damit umweltfreundlicher werden. Wir müssen durch Beispiele überzeugen. Das ist unsere Aufgabe. Dann wird es ein Selbstläufer.

Die Fragen stellte Katharina Elsner.

Zur Person

Achim Kampker Kampker hat 2010 das Unternehmen Streetscooter gegründet, mit 34 Jahren. Jetzt, sieben Jahre später, ist er Professor an der Uni Aachen, Vater von vier Kindern. Die Post kaufte seine Firma 2014 auf.
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