Senatsempfang für Bildhauerwerkstatt 40 Jahre Kunst im Gefängnis

Die Bildhauerwerkstatt in der Justizvollzugsanstalt Bremen hat am Freitag bei einem Senatsempfang im Rathaus 40-jähriges Bestehen gefeiert.
15.06.2018, 18:49
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Von Elke Gundel

Die Bildhauerwerkstatt im Bremer Gefängnis hat am Freitag bei einem Senatsempfang im Rathaus ihr 40-jähriges Bestehen gefeiert. „Die Werkstatt ist einzigartig in Europa“, sagt Hans-Henning Hoff, seit 1998 Vorsitzender des Trägervereins „Mauern öffnen“. Etwa 500 Kunstwerke, schätzt Hoff, die aus den mittlerweile drei Werkstätten stammen, sind heute im Bremer Stadtgebiet zu finden.

Angefangen hat alles 1978 mit einem Wettbewerb zur Kunst im öffentlichen Raum, den die Bremer Kulturbehörde initiiert hatte, erinnert sich Hoff. Den Zuschlag habe der Kunst-Professor Siegfried Neuenhausen aus Braunschweig bekommen. Unter anderem deshalb, weil er Kunst in das Gefängnis bringen wollte statt die Anstalt nur durch Kunstwerke äußerlich zu verschönern. „Professor Neuenhausen hat die Bildhauerwerkstatt in den ersten drei Jahren mit seinen Studenten betreut“, erzählt Hoff, der von 1989 bis 1997 Leiter der Justizvollzugsanstalt (JVA) war. Bis zum Jahr 1997 lag die Verantwortung für die Werkstatt bei der Kulturbehörde, unterstützt wurde das Projekt aber von Anfang an durch das Justizressort und das Gefängnis selbst. „Dann wurde der Verein ,Mauern öffnen‘ gegründet“, berichtet Hoff. Die Organisation ist bis heute Träger der Bildhauerwerkstatt. Gerade die Unabhängigkeit von der Anstalt sei ein wichtigster Aspekt in der täglichen Arbeit mit den Häftlingen.

Ganz unterschiedliche Künstler, die sich alle halbe Jahre abwechseln, leiten die Gefangenen in den beiden Werkstätten für Erwachsene und Jugendliche hinter den Gefängnismauern sowie Langzeitarbeitslose in der Außenwerkstatt an, erzählt Hoff. Die Skulpturen, die dort entstehen, haben eine ganz eigene Qualität. Wie zum Beispiel die „Mona Lisa von achtern“ im Grünzug West. „Die liebe ich“, schwärmt Hoff. Sie zeigt Mona Lisa von hinten, mit leicht zur Seite geneigtem Kopf – inklusive ihres weltberühmten Lächelns. „Auf diese Idee muss man erst mal kommen.“

Zum Jubiläum ist ein Buch über die Geschichte der Werkstatt erschienen. Am 27. August beginnt zudem eine Ausstellung in der Bürgerschaft, die Arbeiten der Gefangenen präsentiert und die Entwicklung der Werkstatt nachzeichnet. Nächste Woche gibt Hoff den Vereinsvorsitz ab. Als seine Nachfolgerin wurde Stefanie Wulff, Vorsitzende Richterin am Landgericht, vorgeschlagen.

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