Nach verursachtem tödlichen Unfall

Alperen T. muss noch nicht ins Gefängnis

Auch wenn Motorradraser Alpi zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt wurde, bleibt er vorerst auf freiem Fuß. Bis zum Haftantritt könnten sogar noch Monate vergehen.
01.02.2017, 21:09
Lesedauer: 2 Min
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Alperen T. muss noch nicht ins Gefängnis
Von Ralf Michel
Alperen T. muss noch nicht ins Gefängnis

Die Urteilsverkündung im Prozess gegen Motorradfahrer „Alpi“.

Frank Thomas Koch

Auch wenn Motorradraser Alpi zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt wurde, bleibt er vorerst auf freiem Fuß. Bis zum Haftantritt könnten sogar noch Monate vergehen.

Alperen T. muss ins Gefängnis. Aber nicht sofort. Zunächst bleibt der 24-Jährige auf freiem Fuß. Wie berichtet, verurteilte das Landgericht den Motorradfahrer wegen fahrlässiger Tötung zu zwei Jahren und neun Monaten Haft. Dass er das Gerichtsgebäude am Dienstag ohne Handschellen verlassen durfte, liegt daran, dass die Richter den Haftbefehl gegen ihn aufgehoben hatten. Das Gericht sah keine Gründe mehr für die weitere Untersuchungshaft. Wegen seiner schweren Armverletzung bestehe keine Wiederholungsgefahr, eine Fluchtgefahr sei ebenso auszuschließen. Bis Ende des Prozesses hatte der Angeklagte insgesamt sieben Monate in U-Haft verbracht.

Damit bleibt T. vorerst auf freiem Fuß. Keine Sonderregelung für ihn, sondern das normale Verfahren. Zunächst muss abgewartet werden, ob das Urteil rechtskräftig wird, denn der Angeklagte, die Staatsanwaltschaft und die Nebenkläger können in Revision gehen. Hierfür bleibt ihnen eine Woche Zeit. Tun sie dies nicht, wird das Urteil rechtskräftig. Danach muss das Gericht die Gründe für sein Urteil schriftlich verfassen, wofür je nach Prozessdauer bestimmte Fristen gelten – in diesem Fall vermutlich sieben Wochen, erklärt Nikolai Sauer, Pressesprecher des Landgerichts.

Anschließend geht die Akte zur Staatsanwaltschaft, der Vollstreckungsbehörde für das Urteil. Ein Mitarbeiter der Behörde nimmt Kontakt mit der Justizvollzugsanstalt auf, dann erhält der Verurteilte die Aufforderung zum Haftantritt. Um sich darauf vorbereiten zu können, erhält er in der Regel eine Frist von einem Monat.

Selbst wenn das Urteil gegen Alperen T. bereits in einer Woche rechtskräftig wird, vergeht also bis zu seinem Haftantritt aller Wahrscheinlichkeit nach ein Vierteljahr. Wesentlich länger dauert es, wenn Revision eingelegt wird. Auch dieses Verfahren dauert ein Vierteljahr. Anschließend entscheidet der Bundesgerichtshof, was im Normalfall weitere sechs bis sieben Monate dauert.

Bleibt es bei dem Urteil von zwei Jahren und neun Monaten, könnte der Motorradfahrer wie jeder andere Verurteilte beantragen, nach der Hälfte oder nach zwei Dritteln seiner Strafe den Rest auf Bewährung verbüßen zu dürfen. Da die bisherige Untersuchungshaft auf seine Strafe angerechnet wird, bedeutet dies, dass er diesen Antrag nach zehn beziehungsweise 15 Monaten abgesessener Haftstrafe stellen könnte.

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