Neubau am Wall

Aus drei mach eins

Das Kaufhaus Harms am Wall ist Geschichte. Der Brand hat das Gebäude zerstört, jetzt soll ein neues an der Stelle entstehen.
14.06.2017, 17:56
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Aus drei mach eins
Von Jürgen Hinrichs

Frank Püffel ist ein Tagenbaren. Ein Bremer also durch und durch mit Bremer Eltern und Bremer Großeltern. „Für jemanden, der hier geboren ist, war das ein Schock“, sagt er. Was Püffel meint, ist der Großbrand bei Harms am Wall, als in der Nacht vom 6. auf den 7. Mai 2015 drei Häuser komplett zerstört wurden. Die echten Bremer hat das nicht kalt gelassen. Mit den Gebäuden war nämlich noch etwas anderes kaputt gegangen: Harms am Wall, das Textilkaufhaus mit 150-jähriger Tradition. „Das war ein besonderer Ort“, sagt Püffel.

Als Architekt bekommt er jetzt die Chance, diesen Ort wieder auferstehen zu lassen. Nicht als Harms am Wall, das ist vorbei, jedenfalls an der Stelle. Wohl aber in Form eines neuen Gebäudes, das die drei alten Häuser ersetzen soll. Püffel hat den Gestaltungswettbewerb gewonnen, nach seinen Plänen könnte die Fassade gebaut werden.

Fünf Architekturbüros waren eingeladen, ihre Entwürfe abzugeben. Bewertet wurden sie von einer Jury, der unter anderen Senatsbaudirektorin Iris Reuther, Landesdenkmalpfleger Georg Skalecki, verschiedene Architekten und Behördenvertreter angehörten. Mit dabei war auch Marco Bremermann, der Eigentümer der abgebrannten Häuser. Am Dienstagabend traf die Jury ihre Entscheidung. „Das Büro Frank Püffel hat aus Sicht des Gremiums eine hochwertige, elegante und gut gegliederte Fassade entworfen“, erklärt Iris Reuther.

Das zukünftige Gebäude werde sich zum Wall hin und zur Herdentorswallstraße auf der Rückseite mit einer Sandsteinverkleidung präsentieren. Die neue, großzügige Passage stoße vom Wall in gerader Linie auf die Museumsstraße. Eine Verbindung, die im weiteren Verlauf zum Schüsselkorb und zur Domshof-Passage führt.

Der Fassadenwettbewerb folgte auf einen langen und erbittert geführten Streit zwischen Marco Bremermann und der Baubehörde. Für den Wall gilt Ensembleschutz. Die Hauseigentümer können dort nicht bauen oder umbauen wie sie wollen. Bremermann sollte möglichst viel von der alten Fassade erhalten. Er tat das von vornherein als wirtschaftlichen Irrsinn ab, bekam am Ende recht, musste sich als Kompromiss aber auf den Wettbewerb einlassen. Nun lässt er sich von der Baubehörde so zitieren: „Mit dem Entwurf können wir gut weiterarbeiten.“ Bremermann selbst hat auf eine Anfrage unserer Zeitung nicht reagiert.

Bevor am Wall mit dem Neubau begonnen werden kann, müssen zunächst einmal die Brandruinen abgerissen werden. Gut zwei Jahre nach dem Feuer hat sich in der Hinsicht noch nicht viel getan. Möglicherweise wartet der Eigentümer, bis er die Baugenehmigung hat. Der Abriss wird wegen der direkt angrenzenden Nachbarhäuser mit einigem Aufwand verbunden sein. Und er hat Folgen für den Wall – mit Sicherheit gibt es Einschränkungen für den Autoverkehr.

Das neue Haus wird deutlich mehr Fläche haben als die drei Häuser vorher zusammengenommen. Zu tun hat das mit den geplanten Untergeschossen und dem Dach, das steil aufragt und viel Platz bietet. Im Erdgeschoss und 1. Obergeschoss sollen dem Vernehmen nach Geschäfte einziehen. Die Etagen darüber sind für Büros gedacht. Wohnungen wird es in dem Gebäude demnach nicht geben.

Auf alt gemacht

Den 42 Meter breiten und annähernd 30 Meter hohen Baukörper hat das Bremer Architekturbüro Schulze Pampus geplant. Es gab beim Fassadenwettbewerb also klare Vorgaben. „Da war die Hülle, und wir haben das Bild dazu geliefert“, sagt Frank Püffel. Leiten ließ er sich nach seinen Worten von der heterogenen Architektur der unmittelbaren Umgebung. „Das sind einerseits Bauten aus der Gründerzeit, andererseits welche aus den 1950er-Jahren.“ Sein Entwurf will zwischen diesen Stilen vermitteln.

Die Fassade mit ihren bodentiefen Fenstern bekommt als Stein den Obernkirchener Sandstein, der in Bremen zum Beispiel für das Haus des Reichs, dem Sitz der Finanzbehörde, verwendet wurde. „Es ist ein grober Stein, der schnell Patina annimmt“, erklärt der Architekt. Das Dach wird mit vorbewittertem Zink gedeckt. Die Fensterrahmen aus Aluminium bekommen einen Bronzeton. So soll im Ganzen ein Haus entstehen, das älter und gediegener anmutet, als es tatsächlich ist.

Der Clou für Püffel ist die Passage. Im Entwurf heißt sie Museum-Passage, in Anlehnung an die Museumstraße. „Vorher war der Durchgang wie ein Schlupfloch, viel zu eng und wenig einladend.“ Vorher hieß sie Harms-Passage. Die neue Verbindung wird um einige Meter breiter und so markant sein, dass sich den Passanten anders als früher sofort erschließt, welchen Weg sie nehmen können. „Es soll eine Art Tor werden, durch das man hindurch sehen kann“, sagt Püffel. Ein neues Tor zur Innenstadt, damit der Wall und die Geschäfte entlang der Straße besser angebunden sind.

Alle Informationen zum Brand bei Harms am Wall finden Sie in unserem Dossier.

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