Mein erstes Mal Bademeister schauen auch mit den Ohren

Das erste Mal 3000 Menschen an einem warmen Sommertag im Stadionbad beaufsichtigen - Für Patrick Eick eine besondere Herausforderung.
27.05.2018, 07:00
Lesedauer: 3 Min
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Bademeister schauen auch mit den Ohren
Von Aljoscha-Marcello Dohme

Schon als Kind habe ich immer viel Sport getrieben. Deshalb wollte ich auch beruflich etwas in diesem Bereich machen. Zunächst schwebte mir eine Ausbildung als Sport- und Fitnesskaufmann vor. Doch dann war ich von der Schule aus im Berufsinformationszentrum und bin dort auf den Job und die Ausbildung als Fachangestellten für Bäderbetriebe gestoßen. Ich habe mich danach intensiver mit dem Berufsbild beschäftigt und war total begeistert, wie abwechslungsreich die Tätigkeit ist. Es ist eben viel mehr, als nur am Beckenrand zu stehen. Für mich war klar, so einen coolen Beruf will ich machen. Also habe ich mich für die Ausbildung bei den Bremer Bädern beworben und die Stelle bekommen.

Während meiner Ausbildung habe ich das ganze Spektrum des Berufs kennengelernt. Neben der Aufsicht im Schwimmbad kümmere ich mich auch um die Technik oder die Schwimm- und Fitnesskurse. Natürlich war ich damals noch nicht alleine für diese Aufgaben verantwortlich. Wenn ich Kindern das Schwimmen beigebracht oder den Badebetrieb beobachtet habe, war auch immer ein erfahrener Kollege dabei. Als ich dann das erste Mal selber im Dienstplan stand, war das schon ein anderes Gefühl. Auf einmal war ich für die Schicht verantwortlich. Während der Ausbildung konnte ich noch mit den Kollegen Rücksprache halten. Auf einmal war das nicht mehr möglich und ich musste Entscheidungen selbst treffen. Vor meinem ersten Dienst war ich so nervös, obwohl ich während meiner Ausbildung drei Jahre lang auf all meine Aufgaben gut vorbereitet wurde.

Meine erste Zeit nach der Ausbildung habe ich im Unibad verbracht, wo es eher ruhiger zugeht. Danach ging es direkt für mich ins Stadionbad. An meinem ersten Tag dort war es richtig warm und entsprechend voll war das Bad. Die Menschen standen bis zum Osterdeich hoch und ich dachte, die wollen doch bestimmt Werder beim Trainieren zusehen. Dem war jedoch nicht so. Die Leute wollten alle Schwimmen gehen. Wir hatten etwa 3000 Gäste. Das war schon spektakulär. Ich fragte mich, wie soll ich nur auf all die Menschen aufpassen? So viele Besucher hatte ich zuvor noch nie. Entsprechend kaputt war ich an meinem ersten Feierabend, als der ganze Stress von mir gefallen ist. Ich war überglücklich, dass nichts passiert ist. Tag für Tag wurde ich sicherer im Umgang mit den Menschenmassen. Ich habe gemerkt, dass nicht alle fünf Minuten jemand ertrinkt, auch wenn das Bad voll ist und ich nicht immer überall sein kann. Schließlich ist alles gut organisiert und die Schwimmbecken unter den Kollegen aufgeteilt. Es gibt ein Team, auf das ich mich verlassen kann.

Außerdem habe ich alsbald festgestellt, dass viele Unfälle vermeidbar sind. Das hat mir gerade in der Anfangszeit schnell das mulmige Gefühl genommen. Wenn Kinder zum Beispiel ohne ihre Eltern ins tiefe Wasser gehen, schreite ich sofort ein. Gleiches gilt auch, wenn mehrere Badegäste gleichzeitig vom Turm springen wollen. Bademeister haben vier Augen, sie schauen nämlich auch mit den Ohren. Diese Fähigkeit hatte ich natürlich nicht gleich zu Anfang. Da bin ich im Laufe der Jahre hineingewachsen.

In meinen ersten Tagen im Beruf habe ich auch lustige Dinge erlebt. Ich erinnere mich noch daran, dass eine Erzieherin aus meiner eigenen Kindergartenzeit zu meinen ersten Badegästen gehörte. Wir haben uns gegenseitig angeschaut und dachten, wir kennen uns doch. Dann sind wir ins Gespräch gekommen. Sie sagte zu mir: Damals habe ich auf Sie aufgepasst, heute passen Sie auf mich auf. Das war schon ein kurioses Erlebnis.

Da ich mich im Vorfeld sehr intensiv mit dem Beruf beschäftigt habe, wusste ich ziemlich genau, was mich im Job erwartet. Auf alle Aufgaben war ich aber nicht vorbereitet. Im Stadionbad bin ich auch für die Gartenarbeit zuständig oder reinige den Parkplatz. Ab und an kann ich sogar meine handwerklichen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Das gehört einfach dazu. Auch wenn mich solche Arbeiten zunächst überrascht haben, Spaß machen mir aber auch diese Tätigkeiten.

Aufgezeichnet von

Aljoscha-Marcello Dohme

Info

Zur Person

Patrick Eick

hat 2008 seine Ausbildung als Fachangestellter für Bäderbetriebe begonnen und ist mittlerweile seit zehn Jahren in diesem Beruf tätig. Der 28-Jährige arbeitet vorwiegend im Hallenbad in Huchting und ist dort stellvertretender Badleiter. Damit ist er von seinem großen Traum, ein Schwimmbad eigenverantwortlich zu leiten, nur einen Schritt entfernt.

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