Die Tiere von Renate Esch Beliebte Hühner-Schar

Die meisten Lesumer kennen die Hühner von Renate Esch. Generationen von Kindern sind mit ihnen groß geworden.
06.05.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Beliebte Hühner-Schar
Von Jörn Hüttmann

Die meisten Lesumer kennen die Hühner von Renate Esch. Generationen von Kindern sind mit ihnen groß geworden. Sie haben sie durch den Zaun am Admiral-Brommy-Weg beim Picken und Scharren beobachtet, das Krähen des stolzen Hahns bewundert und die Tiere in ihre Herzen geschlossen. So sehr, dass ihre Eltern Geld gesammelt haben, um die Zukunft der Hühner zu sichern.

Renate Esch kommt mit einem Plastikeimer in der Hand um die Ecke. Sie macht sich am schweren Eisentor zu schaffen. Hinter dem Zaun kommen immer mehr Hühner zusammen. Die Blicke auf den Plastikeimer gerichtet. Als Esch die Tür öffnet, stehen auch der Hahn und der Rest der Schar parat – es ist Futterzeit wie immer kurz vor Sonnenuntergang.

Für viele Kinder gehört dieses Ritual zu Lesum dazu. Oft haben sie der Rentnerin beim Füttern zugesehen oder den Hühnern selbst etwas mitgebracht. „Die Hühner gibt es, seitdem ich denken kann“, sagt Philipp Noll, der in der Nachbarschaft seine Kindheit verbracht hat. Schon als kleiner Junge habe er die Eier der Hühner geholt. „Ich bin mit ihnen groß geworden.“ Der Hühnerstall sei in Lesum eine echte Institution. „Da gehen viele Eltern mit ihren Kindern hin.“

Aktuell 20

Renate Esch ist mit ihrem Eimer auf dem Weg zum Hühnerstall hinten im Garten – immer gefolgt von den Hühnern. Auf halber Strecke streut sie eine Handvoll Körner auf einen Erdhügel. „Die Hühner sollen den Hügel ein bisschen abscharren“, erklärt sie und geht weiter. Vor dem Stall greift die 81-Jährige ein paar Mal tief in ihren Eimer und verteilt das Futter großflächig auf der Wiese. „So stellen sich die Hühner breiter auf. Dann kann ich sie leichter zählen.“ Im Moment sind es 20. Helle sind dabei, aber auch dunkle, gescheckte, kleine und große. „Ich mag es lieber bunt, so kann ich die einzelnen Tiere schneller wiederfinden.“ Manchen hat sie Namen gegeben. „Wir hatten zum Beispiel King George und Queen Marie.“

Das geht seit 1979 so. Angefangen hat alles mit einer Anekdote aus ihrer Jugend. „Bei meinem Geburtstag habe ich von meiner ersten Erinnerung erzählt“, sagt Esch. Als kleines Kind habe sie immer die Eier aus einem mit Häcksel gefüllten Eimer raussuchen dürfen. „Deshalb wollte ich schon immer Hühner haben.“ Zwei Tage später war es so weit. Ein Freund brachte ihr zwei Hühner vom Markt mit.

Renate Esch ist mit dem Zählen durch. Es sind alle da. Aber das ist nicht immer so. „Kürzlich habe ich zehn Hühner verloren.“ Schuld sei der Fuchs. An drei Tagen sei er gekommen und habe Hühner getötet. „So habe ich über die Jahre 237 Tiere verloren. Der Fuchs hat auch King George und Queen Marie geholt.“ Darüber hinaus habe es auch der Hühnerhabicht auf ihre Zöglinge abgesehen. So wurde ihr Bestand schon mehrmals bis auf zwei, drei Tiere dezimiert. „Da denkt man schon ans Aufhören“, sagt Esch. Aber so weit ist es nie gekommen. „Wenn es nur für mich alleine wäre, hätte ich keine Hühner mehr. Aber den Leuten liegen die Hühner so am Herzen.“

Knapp zwei Jahre ist es her, dass die Hühnerzucht am Admiral-Brommy-Weg erneut kurz vor dem Aus stand. Einige Eltern wollten von Renate Esch wissen, wo sie hin sind. Esch berichtete vom Fuchs, dem Verlustschmerz, davon, dass sie jetzt aufhört mit den Hühnern – auch wegen der Kosten. „Schließlich kostet mich jedes Huhn zehn Euro.“ Ein Ende der Hühner in Lesum war für Eltern und Kinder jedoch keine Option. Es wurde gesammelt. 300 Euro kamen zusammen. „Und damit musste ich dann ja weitermachen“, sagt Esch.

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