Beirat Östliche Vorstadt Bewohnerparken rund um den Hulsberg rückt näher

Der Beirat Östliche Vorstadt spricht sich für eine neues Mobilitäts- und Parkraumkonzept für das Hulsberg-Quartier aus.
11.09.2019, 19:53
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Von Matthias Holthaus

„Ein wichtiges Projekt, das für ganz Bremen Vorbild sein kann.“ So bezeichnet Ortsamtsleiterin Hellena Harttung das „Sunrise“-Projekt, das die „Nachhaltige Mobilität und Straßenraumnutzung in der Umgebung von Hulsberg“ untersucht hat und dessen bisherige Ergebnisse auf der Sitzung des Beirates Östliche Vorstadt am Dienstag im Bürgerhaus Weserterrassen vorgestellt wurden. „Bewohnerparken ist möglich“, sagt Nils Weiland von der Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau (SKUMS), die Kriterien seien erfüllt. Es gebe einen erheblichen Parkdruck, der nicht nur an einzelnen Tagen bestehe, es seien private Stellplätze vorhanden und es gebe keine freien Parkkapazitäten im Umkreis von 500 Metern. Fazit: Bewohnerparken sei zwar kein Allheilmittel, helfe aber bei der Reduzierung des Parkraums und bei der Entlastung des Straßenraums.

Die Stadt Köln hat es vorgemacht – die Bewohner eines Quartiers erhalten durch Zahlung einer Bearbeitungsgebühr von 30 Euro das Recht, ein Jahr lang in ihrem Bezirk parken zu dürfen. Auswärtige müssen dann das Abstellen des Autos bezahlen. Nils Weiland erinnert an den Koalitionsvertrag, der eine Intensivierung der Überwachung vorsieht und dementsprechend eine Aufstockung des Personals. Als Pilotprojekt soll dabei der „Sektor 1“ dienen. Die Umgebung des Neuen Hulsberg-Viertels wurde in vier Sektoren aufgeteilt, der Sektor 1 umfasst dabei das Gebiet von der Sankt-Jürgen-Straße bis zur Horner Straße und Bismarckstraße bis Vor dem Steintor. In diesem Sektor wird ab Anfang 2020 das ohnehin schon verkehrswidrige aufgesetzte Parken geahndet und Bewohnerparken und Carsharing ermöglicht.

Einstimmig sprach sich der Beirat für die Einführung des Bewohnerparkens im Sektor 1 aus, „gerade auch aufgrund der Nähe zum Klinikum Bremen-Mitte und zum Neuen Hulsberg-Quartier, das in absehbarer Zeit bebaut sein wird“. Das Bewohnerparken erscheine als geeigneter Schritt, um das Parken von Auswärtigen zu reduzieren, heißt es. Zugleich würden damit positive Effekte für die Barrierefreiheit und Zugänglichkeit von Gehwegen und vor allem der Rettungssicherheit einhergehen. Der Beirat sieht aber auch die Notwendigkeit einer verstärkten Verkehrsüberwachung. Grundsätzlich habe der Beirat aber ein Interesse daran, dass in Zusammenarbeit mit Sunrise der Sektor 1 als Pilotprojekt für das Bewohnerparken mit entsprechender Überwachung ausgewiesen wird und fordert eine konkretere Planung.

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Als mögliche Maßnahmen zur Eindämmung des illegalen Parkens macht das Sunrise-Team folgende Vorschläge: mehr Überwachung, mehr Markierungen und Poller. Außerdem: mehr Carsharing, mehr Fahrradabstellplätze, Ausweitung des Verleihangebots von Lastenrädern und eine nachhaltige Paketzustellung. Die berühmte „letzte Meile“ könnte dann mit Lastenrädern erfolgen, Ladenlokale könnten als Depots dienen. Raum für Kinderspiel soll geschaffen und generell die Aufenthaltsqualität erhöht werden, etwa durch Bänke, Begrünung und mehr Müllbehälter.

Markus Otten von der Planungswerkstatt Stadt und Verkehr (BMO) skizziert detailliert die Ergebnisse der Mitte August an vier Tagen erhobenen Daten. Er kommt dabei zu dem Schluss, dass es in allen vier Sektoren 3297 zugelassene KFZ gibt, die die Auswahl zwischen 1184 privaten Stellplätzen und 2228 Stellplätzen im öffentlichen Raum haben. Es gebe demnach weniger KFZ-Zulassungen als öffentliche und private Parkplätze, wobei er auch die mehr als 500 Falschparker im öffentlichen Raum während des untersuchten Zeitraums hinweist.

Überlasteter Straßenraum, eine mitunter fragliche Rettungssicherheit durch Falschparker sowie Besucherverkehre und Parkende, die nicht aus der Gegend kommen – das Hulsbergviertel und die angrenzenden Quartiere sehen sich mit vielen Problemen konfrontiert. Das neue Hulsberg-Viertel sowie die zu erwartende Zunahme von ambulanten Versorgungen durch das Klinikum-Mitte werden die Problematik sicher nicht einfacher werden lassen, wenn nicht bereits jetzt nach Lösungen gesucht wird.

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Das europäische Projekt „Sunrise“ macht genau das und hat mittels Befragungen an acht verschiedenen Standorten rund um das Klinikgelände die Probleme der Bewohner ermittelt und Lösungen erarbeitet. Die Probleme sind nicht neu, die das Team von Sunrise ermittelt hat: Wenig Platz fürs Kinderspiel im öffentlichen Raum etwa, die Anbindung des ÖPNV, die Fahrradinfrastruktur und mangelnde Barrierefreiheit. Und stets ein Dauerthema: Autos abstellen. Illegales Parken steht da ziemlich an erster Stelle, dann hoher Parkdruck und fehlende Rettungssicherheit. „Sunrise ist ein Forschungsobjekt, wir wollen auch lernen“, sagt Susanne Findeisen (SKUMS).

Weiterhin soll es auch Anwohnerbeteiligung geben. Straßenbegehungen sind für den 28. und 29. September vorgesehen, Einladungen wird es mittels Postwurfsendungen und auf der Sunrise-Homepage geben.

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