Fridays for future in Bremen

Bogedan bekundet Sympathie für streikende Schüler

Bildungssenatorin Claudia Bogedan bekundet Sympathie für den Schulstreik. Trotzdem will sie Sanktionen gegen die Schüler nicht ausschließen. Wie gehen Schulen in Bremen und Niedersachsen damit um?
14.03.2019, 19:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Nico Schnurr Marc Hagedorn
Bogedan bekundet Sympathie für streikende Schüler

Claudia Bogedan hat Sympathie für die Demonstrationen während der Schulzeit. Ziviler Ungehorsam gehöre zum politischen Bewusstsein dazu, sagt die Bildungssenatorin.

von Lachner

Mehrere Tausend Schüler wollen an diesem Freitag in Bremen und Bremerhaven für besseren Klimaschutz demonstrieren. Sie können sich dabei der Sympathie der Bildungssenatorin sicher sein. „Ich freue mich und finde es äußerst wichtig und richtig, dass sich Kinder und Jugendliche politisch engagieren. Der zivile Ungehorsam gehört zum politischen Bewusstsein dazu“, sagt Claudia Bogedan (SPD). „Die Demonstrationen sind ein demokratischer Akt, der auch bildet.“ Die streikenden Schüler müssten aber auch bereit sein, „eventuelle Konsequenzen zu tragen. Denn es herrscht Schulpflicht.“

Es ist in Bremen und umzu eine kontroverse Debatte darüber in Gang, wie Schulen mit streikbereiten Schülern umgehen sollen. Die Demonstrationen zum sogenannten „Fridays for future“ laufen seit vielen Monaten. Ihren Anfang hatte die Bewegung im August in Schweden genommen, dort hat die Schülerin Greta Thunberg, inzwischen zu Schwedens Frau des Jahres gekürt und für den Friedensnobelpreis nominiert, seitdem jeden Freitag den Schulunterricht bestreikt.

Große Demonstrationen geplant

An diesem Freitag ist die bisher größte Kundgebung in Bremen geplant. Der Demonstrationszug formiert sich um 10 Uhr am Bahnhof. Für 12 Uhr ist eine Kundgebung auf dem Marktplatz geplant, anschließend ein sogenanntes Teach-in mit Workshops zu Themen wie Klimawandel, Klimagerechtigkeit und Kapitalismus.

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In Bremerhaven wird es keinen Streik im eigentlichen Sinne geben, dort haben die Schüler stattdessen eine Schülervollversammlung auf dem Theodor-Heuss-Platz einberufen. Ob die Schüler daran teilnehmen, soll in der Sekundarstufe 1 im Klassenverbund entschieden werden. Spricht sich eine Klasse dafür aus, wird sie von einem Lehrer begleitet. „Der Unterricht fällt nicht aus, er wird nur an einen anderen Ort verlagert“, sagt Michael Frost, Schuldezernent in Bremerhaven. Und weiter: „Wir nehmen das so wahr, dass es den Schülern nicht um einen Streik geht, sondern darum, politisch aktiv zu werden. Deshalb unterstützen wir sie.“

Keine einheitliche Linie in Niedersachsen

In Niedersachsen handhabt man das anders. Die zuständige Landesschulbehörde teilt mit: „Wenn Schüler teilnehmen, ist es eine Verletzung der Schulpflicht.“ Allerdings wird die Behörde die Schüler nicht sanktionieren. „Wie die Schulen mit streikenden Schülern umgehen, bleibt ihnen selbst überlassen“, sagt Sprecherin Bianca Schöneich.

Diese Haltung führt im Bremer Umland dazu, dass die Schulen höchst unterschiedlich verfahren. Für Schüler, die zur Demo nach Bremen aufbrechen und deshalb Klausuren nicht mitschreiben, gibt es zum Beispiel am Domgymnasium Verden eine Sechs. Die dortige Schulleitung hatte den Eltern bereits vergangene Woche ein Schreiben zukommen lassen, das dem WESER-KURIER vorliegt. Darin heißt es: „Die Lehrkräfte sind gehalten, den Unterricht an diesem Tag normal weiterlaufen zu lassen, Klassenarbeiten und Tests werden geschrieben wie terminiert und mit ,ungenügend‘ gewertet, sollten Schüler/innen wegen der Demonstration fehlen.“

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Schulleiterin Dorothea Blume erklärt auf Nachfrage: „Das ist die gültige Rechtslage.“ Persönlich habe sie „große Sympathie“ für das Engagement der Schüler. „Aber ziviler Ungehorsam funktioniert nur, wenn etwas nicht erlaubt ist.“ Mit anderen Worten: Die Schüler müssen schon bereit sein, für ihre Überzeugungen auch etwas zu riskieren und die Konsequenzen zu tragen. Auch in Bremen gibt es nach Informationen des WESER-KURIER mehrere Schulen, die gegen das Fernbleiben vom Unterricht restriktiv vorgehen. Dazu äußern wollten sich die Schulleitungen auf Nachfrage aber nicht.

Die Organisatoren der Proteste sind damit nicht glücklich. „Die Schulen gehen willkürlich mit den Demonstrationen um“, sagt Julius Schlichting, 18 Jahre alt. „Es wäre schön, wenn die Bildungssenatorin nicht nur Nähe und Verständnis zu den Protestierenden heucheln würde, sondern ihre Unterstützung tatsächlich unterstreicht, indem sie Disziplinarmaßnahmen für streikende Schüler aussetzt.“

"Wollen, dass Schüler Position beziehen"

Die IGS Osterholz-Scharmbeck unterstützt ihre Schüler. „Wir sehen das wohlwollend und als praxisorientierten Politikunterricht“, sagt Schulleiterin Inge Kerlinski. Ihr Ansatz: „Es kann nicht sein, dass wir der jungen Generation vorhalten, sie sei zu chillig und unpolitisch, um dann, wenn sie in die Puschen kommt, ihr Verhalten zu sanktionieren. Das würde auch unsere Unterrichtsinhalte ad absurdum führen. Wir wollen doch gerade, dass die Schüler Position beziehen.“ Frauke Schwagereit, Leiterin der Gesamtschule Mitte, sieht es ähnlich: „Wenn Schüler sich für die Demokratie einsetzen, dann können Mathe, Physik und Deutsch ruhig mal hinten anstehen.“

Es gibt nur wenige Schulen, an denen zuletzt nicht über den Umgang mit dem Schülerstreik diskutiert wurde. Eine ist die KGS Leeste. Dort steht der Antirassimus-Tag auf dem Stundenplan, anschließend nehmen die Schüler noch am „Run for help“ teil. Das ist ihr gesellschaftliches Engagement an diesem Tag.

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