Zahl der Brände 2017 stark gestiegen Brandserie in Bremerhaven: Verdächtiger wieder auf freiem Fuß

Der 15-Jährige, der wegen des Verdachts der Brandstiftung in Bremerhaven verhaftet wurde, ist aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Das Landgericht Bremen sah nicht genug Beweise für seine Schuld.
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Brandserie in Bremerhaven: Verdächtiger wieder auf freiem Fuß
Von Alice Echtermann

Gehen mehrere Brandstifter in Bremerhaven um? Diese Frage beschäftigt Anwohner, Feuerwehr und Polizei bereits das ganze Jahr. Der bisher einzige Verdächtige, ein 15-Jähriger, der seit August als Verdächtiger in Untersuchungshaft saß, ist nun wieder auf freiem Fuß. Die Staatsanwaltschaft Bremen hatte gegen ihn Anklage wegen Brandstiftung in fünf Fällen und versuchten Mordes erhoben. Das Landgericht Bremen ließ es jedoch nicht zu einem Prozess kommen: Am Dienstag (5. Dezember) entschied das Gericht, dass kein hinreichender Tatverdacht gegen den Jugendlichen bestehe und ordnete seine sofortige Entlassung aus der Untersuchungshaft an. Die Staatsanwaltschaft habe dagegen Beschwerde eingelegt, sagte Sprecher Frank Passade.

Wieso wurde der 15-Jährige entlassen? "Er hat ein Geständnis abgelegt, später aber der Verwendung dieses Geständnisses widersprochen", erklärt Passade. Damit begründe das Landgericht seine Entscheidung. "Wir sind damit nicht zufrieden", so Passade. Möglicherweise vertrete die Staatsanwaltschaft da eine andere Rechtsauffassung als das Gericht. Über den Ausgang der Beschwerde entscheide nun das Hanseatische Oberlandesgericht Bremen.

Zahl der Brände 2017 deutlich gestiegen

Dem Jugendlichen wird unter anderem vorgeworfen, einen Brand in einem Haus in der Wülbernstraße im April gelegt zu haben. Bei dem Feuer wurden 13 Menschen verletzt, drei davon schwer. Die Ermittler gingen jedoch davon aus, dass der Jugendliche nicht allein für die rätselhafte Brandserie in Bremerhaven verantwortlich war; nur fünf Feuer werden ihm zur Last gelegt.

Insgesamt ist die Zahl der Brände in Bremerhaven ist 2017 deutlich gestiegen. Von Anfang Januar bis Ende Oktober musste die Feuerwehr insgesamt 473 Mal zu Brandeinsätzen im Stadtgebiet ausrücken. Im Vorjahr waren es im selben Zeitraum 356 Einsätze. Das ergibt eine Differenz von 117 Bränden oder eine Steigerung von rund 33 Prozent. Die zahlreichen Fehlalarme, die fast 50 Prozent aller Einsätze ausmachen, sind aus diesen Zahlen bereits herausgerechnet.

Diese Karte zeigt die Brandeinsätze der Feuerwehr Bremerhaven bis November 2017, zu denen Pressemitteilungen veröffentlicht wurden. Rote Punkte stehen für Feuer aus ungeklärter Ursache und grüne Punkte für Fälle, bei denen es eine Erklärung gibt. Mit Klicks auf die Symbole erhalten Sie weitere Informationen.

In Bremen ist die Zahl der Brände im Vergleich zum Vorjahr dagegen leicht zurückgegangen. Zu 2522 Einsätzen (inklusive Fehlalarme) rückte die Feuerwehr Bremen bis Ende November aus – 2016 waren es im selben Zeitraum 72 Einsätze mehr.

Auffällig sind in Bremerhaven vor allem die zahlreichen Brände im Stadtteil Lehe. Stark betroffen waren Gartenlauben - die Feuerwehr berichtete in diesem Jahr von 19 Einsätzen, bei denen in verschiedenen Kleingartengebieten zum Teil mehrere Häuser in einer Nacht abbrannten. Ebenfalls häufig brannten Gegenstände in Treppenhäusern, zum Beispiel Kinderwagen oder Müll, oder auch Container auf der Straße. Die Polizei Bremerhaven hat eine Sonderkommission „Soko Feuer“ eingerichtet, die zu der Brandserie ermittelt.

Die Gründe für die Häufung der Fälle in Lehe sind weiterhin unklar. Betroffen sind häufig sogenannte Schrottimmobilien, die nachts nicht verschlossen werden und zum Teil ein Müllproblem haben. Auch Gerüchte über einen fremdenfeindlichen Hintergrund kursierten in der Stadt, da in Lehe viele Menschen aus Rumänien oder Bulgarien leben (wir berichteten). Da sich die Brände nach der Festnahme des 15-Jährigen im August fortsetzten, geht die Polizei von mehreren Tätern aus.

Was zeigen die Zahlen?

Der WESER-KURIER hat 127 Pressemitteilungen der Feuerwehr Bremerhaven von Januar bis Ende November 2017 ausgewertet und die Einsätze in einer interaktiven Karte verzeichnet (siehe oben). Rechnet man die technischen Geräte oder Defekte an Autos während der Fahrt, Küchenbrände (zum Beispiel, weil Essen auf dem Herd vergessen wurde) oder auch rauchende Kamine heraus, bleiben noch 83 Brände mit unklarer Ursache zurück. Davon brachen ein Großteil, nämlich 63 Feuer, im Stadtteil Lehe aus.

Nicht alle 83 Brände betrafen Wohnhäuser. Es sind zahlreiche Fälle brennender Müll- oder Altkleidercontainer, Autos auf Parkplätzen und Schrebergärten dabei. Aber auch Treppenhaus-, Wohnungs- und Dachstuhlbrände sind häufig vertreten.

Eine gewisse Häufung in dicht bewohnten Stadtteilen scheint normal zu sein. Auch in Bremen brannte es 2017 etwas häufiger in den Bereichen der Neustadt und der Innenstadt. Eine auffällige Verdichtung gebe es jedoch nicht, teilte die Feuerwehr Bremen mit.

Ob der Anstieg der Brände in Bremerhaven tatsächlich auf Brandstiftung zurückzuführen ist, lässt sich aus den Zahlen nicht ableiten. Die Polizei Bremerhaven hat auf Anfrage des WESER-KURIER bisher keine Zahlen zu den Brandermittlungen herausgegeben.

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