Digitalisierung im Handel Mehr Unterstützung für Bremer Einzelhandelsbetriebe im Internet

Der Bremer Digital-Lotse ist ein Projekt, das bundesweit Beachtung findet, berichtet die Handelskammer. Nun soll es personell ausgebaut werden und dem Einzelhandel in der Corona-Pandemie helfen.
10.12.2020, 05:00
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Mehr Unterstützung für Bremer Einzelhandelsbetriebe im Internet
Von Jürgen Hinrichs

Die Stadt Bremen reagiert auf die Herausforderungen für den Einzelhandel durch die Corona-Pandemie und wird ihr Hilfsangebot für eine stärkere Digitalisierung der Geschäfte ausweiten. Seit Juni vergangenen Jahres gibt es den sogenannten Digital-Lotsen, der kleine und mittlere Unternehmen aus den Bereichen Gastronomie, Einzelhandel und Tourismus berät. Von Januar an wird diese Abteilung der Wirtschaftsförderung Bremen aufgestockt.

Unterstützung kommt auch vom Bund. Das Programm „Digital jetzt“ schüttet bis Ende des Jahres 2023 insgesamt 203 Millionen Euro aus. Bremen könnte davon besonders profitieren; die Stadt wird als strukturschwaches Gebiet eingestuft, den Firmen steht deshalb eine höhere Förderquote zu. Allerdings hat es in den vergangenen Monaten Schwierigkeiten bei der Bearbeitung der Anträge gegeben.

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Der Bremer Digital-Lotse Malte Breford hat mit seinen Seminaren nach eigenen Angaben bisher mehr als 250 Firmenvertreter erreicht. Darüber hinaus seien 83 Unternehmen intensiv betreut worden. „Da gibt es die ganze Bandbreite“, berichtet Breford, „von Kleinstunternehmen, die im Internet noch gar nicht sichtbar sind, bis zu größeren Läden, die sich bereits online vermarkten und im Internet teilweise auch eigene Shops betreiben.“

Bei den einen gehe es zunächst darum, eine Homepage zu initiieren. „Das ist heute unabdingbar“, so der Fachmann. Wo dies schon der Fall sei, komme es darauf an, zwischendurch zu optimieren, zum Beispiel bei den Auftritten in den sozialen Netzwerken. Wesentlich seien auch Fragen, wie die Ware bewirtschaftet wird und das Kassensystem funktioniert, wenn im Internet Handel betrieben wird.

Weihnachtseinkäufe im Internet

Der Onlinehandel hat während Corona noch einmal mehr an Bedeutung gewonnen. Nach Zahlen des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel Deutschland (BEVH) von dieser Woche stieg der Umsatz in den Monaten Oktober und November gegenüber dem gleichen Zeitraum im Vorjahr um 17,5 Prozent. „Wir sehen eine deutliche Verschiebung der Weihnachtseinkäufe ins Internet“, erklärt der BEVH. Bei einem Gesamtvolumen von mehr als 100 Milliarden Euro, mit dem gerechnet werde, könne E-Commerce jeden fünften Euro einbringen.

„Obwohl die Deutschen weiterhin den größten Teil der Weihnachtseinkäufe in den Innenstädten erledigen, erfordert diese Veränderung des Kundenverhaltens völlig neue Einzelhandelskonzepte“, so der BEVH. Von den höheren Umsätzen im Internet würde zwar in erster Linie Amazon und Co. profitieren, viele stationäre Händler hätten in der Krise aber erstmals konsequent mit dem Onlinehandel begonnen.

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Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) teilt diese Einschätzung: „Die Corona-Krise hat uns in vielen Bereichen einen Digitalisierungsschub gegeben“, sagte Altmaier zum Auftakt seines Förderprogramms „Digital jetzt“. Gleichzeitig seien aber auch Lücken deutlich geworden. „Wir stellen daher Zuschüsse zu den Investitionskosten bereit, wenn Unternehmen aus dem Mittelstand sich dafür entscheiden, auf digitale Geschäftsprozesse umzustellen“, so der Minister.

Die Höhe der Förderung bemisst sich nach der Größe der Firmen, je weniger Mitarbeiter sie haben, desto mehr Geld gibt es. Bremen bekommt als strukturschwaches Gebiet außerdem Bonus-Prozentpunkte. Maximal werden pro Unternehmen 50.000 Euro ausgezahlt. Ein Anreiz, der so gut funktionierte, dass die vielen Anträge nicht zügig bearbeitet werden konnten oder gar nicht erst ankamen, weil das entsprechende Online-Portal wegen Überlastung zusammengebrochen war. Seit dem 1. Dezember gilt aus diesem Grund für die Annahme der Anträge ein Losverfahren.

Enorme Nachfrage

„Das zeigt, wie groß der Bedarf in diesem Bereich ist“, sagt Bremens Digital-Lotse. Breford merkt es selbst, die Nachfrage sei enorm. Er bekommt deswegen in wenigen Wochen zwei zusätzliche Lotsen an seine Seite. Finanziert werden die Stellen aus dem Topf des Aktionsprogramms für die Innenstadt, das der Senat Ende August beschlossen hat. Von den 13,2 Millionen Euro, die in diesem und im kommenden Jahr ausgegeben werden sollen, entfallen 715.000 Euro auf die Digitalisierung des Handels.

Die Handelskammer hält den Bremer Digital-Lotsen für bundesweit beispielgebend. „Das Projekt bekommt von den anderen Handelskammern viel Anerkennung“, berichtet Karsten Nowak. Der Einzelhandels-Experte weiß, warum: „Was nicht im Netz steht, findet nicht statt.“

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