Testzentrum eröffnet

Wie die Corona-Tests am Bremer Flughafen ablaufen

In der kommenden Woche sollen Pflichttests für Reiserückkehrer aus Risikogebieten eingeführt werden. Seit Freitag können sich am Bremer Flughafen Passagiere testen lassen.
01.08.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Wie die Corona-Tests am Bremer Flughafen ablaufen
Von Maurice Arndt
Wie die Corona-Tests am Bremer Flughafen ablaufen

Das Corona-Testzentrum befindet sich in Bremen direkt am Eingang zu den Kofferbändern. Sogenannte Koordinatoren animieren Reisende zum Test.

Frank Thomas Koch

Am Bremer Flughafen hat das Corona-Testzentrum seinen Betrieb an diesem Freitag aufgenommen. Reisende aus Risikogebieten wie der Türkei können sich dort auf das Virus untersuchen lassen. Bis zu 600 Covid-19-Tests sollen pro Tag möglich sein. Jeweils zwei Teams arbeiten parallel in drei Schichten, um lange Wartezeiten möglichst zu vermeiden. 24 Mitarbeiter des Gesundheitsamtes und des Robert-Koch-Instituts sind im Einsatz.

Reisende, die aus Risikogebieten wie der Türkei oder von Drehkreuzen etwa in Frankfurt am Main oder München ankommen, werden in der Gepäckhalle von Koordinatoren des Gesundheitsamtes in Empfang genommen. Das betrifft derzeit etwa die Hälfte der ankommenden Maschinen. Allerdings kämen bei Flügen von Drehkreuzen nur zehn bis 15 Prozent der Passagiere aus einem Risikoland, sagt die Leiterin des Krisenteams des Gesundheitsamtes, Sylvia Offenhäuser.

Passagiere werden auf Tests hingewiesen

„Die Ankommenden werden von uns aktiv angesprochen. Wir empfehlen ihnen freundlich und nachdrücklich, einen Test zu machen“, erklärt Offenhäuser. Zudem werden die Passagiere bereits im Flugzeug durch das Personal sowie beim Verlassen des Fliegers über Lautsprecher auf die Testmöglichkeit am Bremer Flughafen hingewiesen. Ziel sei es, dass sich möglichst viele Passagiere testen lassen. Zu Stoßzeiten können die beiden Teams bis zu 200 Abstriche in anderthalb Stunden nehmen.

Da die Tests bisher freiwillig sind, appelliert Uwe Schmid vom Corona-Krisenstab des Landes Bremen an die Bevölkerung, die Tests anzunehmen. „Es geht hier nicht nur um den eigenen Gesundheitsschutz, sondern auch darum, eine zweite Welle zu verhindern“, sagt er. Auch Reisende aus Nicht-Risikogebieten sollen sich deshalb testen lassen. Sie können direkt nach der Ankunft in der Corona-Ambulanz auf dem Messegelände einen Test machen. „Falls die Kapazitäten es zulassen, testen wir auch Reisende aus Nicht-Risikoländern direkt hier am Flughafen“, sagt Offenhäuser.

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Übersehen können die Reisenden das neue Testzentrum nicht: Direkt neben dem Eingang in der Gepäckhalle wurden aus Messewänden zwei kleine Kabinen gebaut. Jeweils ein Tisch für die Anmeldung steht davor. Dort muss man seinen Personalausweis und die Krankenkassenkarte vorzeigen, die Reiseherkunft angeben und die Kontaktdaten hinterlegen, um später über das Testergebnis informiert zu werden. In jeder Kabine sind zwei Mitarbeiter, die den Abstrich vornehmen. Dieser wird im Rachen und beiden Nasenlöchern genommen.

„Der Abstrich in der Nase kann etwas unangenehm sein, deshalb können wir auf Nachfrage auch nur einen Rachenabstrich machen“, sagt Offenhäuser. Neue Erkenntnisse hätten gezeigt, dass die Qualität des Testergebnisses dadurch nicht beeinflusst wird. Der Nasenabstrich wird aber routinemäßig weiterhin zur Sicherheit mit durchgeführt, nach dem Motto „doppelt hält besser“. Nach weniger als fünf Minuten – und damit meist noch, bevor der Koffer über das Band rollt – ist der Test fertig. Das Ergebnis liegt spätestens nach 72 Stunden vor und wird nur mitgeteilt, wenn der Test positiv ausfällt.

Tests ab kommender Woche Pflicht

Bisher gibt es am Flughafen nur das Testzentrum im Hauptterminal 1. Dieses soll in den ersten Tagen genutzt werden, um die Abläufe zu untersuchen und – falls notwendig – zu optimieren. „Es ist bestimmt noch nicht alles perfekt. Es geht auch darum, Erfahrungen zu sammeln“, sagt Offenhäuser. Perfekt sollte es in der kommenden Woche sein. Dann sind die Tests für Urlauber aus Risikogebieten Pflicht, obgleich Offenhäuser betont: „Wir werden niemanden zum Test zwingen.“ Dennoch kann dann bei der Abfertigung eines voll besetzten Flugzeuges aus einem Risikoland schnell das Kapazitätsmaximum von 200 Tests in anderthalb Stunden erreicht werden.

Wartezeiten sind in dem Zusammenhang nicht auszuschließen. Ausgewiesene Flächen, um eine dicht gedrängte Warteschlange zu vermeiden, gibt es nicht. „Die Leute müssen sich in der Gepäckhalle verteilen. Sie saßen aber auch im Flugzeug bereits dicht an dicht“, sagt die Krisenteamleiterin des Gesundheitsamtes. Und: Es gebe nur wenige Überlappungen bei den Flugzeiten.

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Ab Montag werden die Mitarbeiter vor Ort außerdem von 16 Soldaten der Bundeswehr unterstützt, die sich hauptsächlich um die Tests kümmern werden. Technisch könnten die Kapazitäten noch auf 1200 Tests pro Tag verdoppelt werden, sagt Offenhäuser. Dazu muss ein zweites Testzentrum im sonst von Ryanair genutzten Terminal 2 aufgebaut werden. Die Erweiterung ist bereits geplant und soll vermutlich in der kommenden Woche umgesetzt werden. Flugzeuge aus Risikogebieten werden dann direkt an Terminal 2 abgefertigt.

Theoretisch ist der Aufbau einer weiteren Teststation bereits zu Montag möglich. Wie schnell dies gehen kann, hat das Gesundheitsamt mit der Station in Terminal 1 unter Beweis gestellt: Sie wurde in der Nacht von Donnerstag auf Freitag aufgebaut.

Info

Zur Sache

Nicht nur Flugreisende müssen bald zum Test

Grundsätzlich können sich in Bremen alle Reiserückkehrer kostenlos auf das Coronavirus testen lassen. Sowohl Flugreisende aus Nicht-Risikogebieten als auch Reisende, die per Bus, Auto oder Bahn ankommen, können in der Corona-Ambulanz auf dem Messegelände innerhalb von 72 Stunden nach der Ankunft einen Abstrich machen lassen. Dafür genügt ein Anruf über das Bürgertelefon 115. Es gibt auch Überlegungen, Corona-Testzentren wie am Flughafen auch am Bus- und Hauptbahnhof einzurichten oder Stichproben-Tests auf der Autobahn zu vorzunehmen. Separate Teststationen an den Ankunftsorten seien bequemer für Ankommende und übersichtlicher, sagt Uwe Schmid vom Corona-Krisenstab des Landes Bremen. „Wenn man Reisende erst zur Messe-Ambulanz schickt, weiß man nicht, wie viele auf dem Weg dahin verloren gehen.“ Zudem wird in Bremen darüber nachgedacht, einen zweiten Test, sieben Tage nach der Ankunft, anzubieten. Dieser würde Infizierte erfassen, die sich erst kurz vor der Einreise angesteckt haben. In Niedersachsen soll es derzeit keine Corona-Tests an Autobahnen und in Bahnhöfen geben. Zunächst soll abgewartet werden, ob und in welcher Form eine bundesweite Testpflicht eingeführt wird. An der Grenze zu den Niederlanden sind ebenfalls keine Kontrollen oder Testangebote wie in Bayern angedacht.

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