Nur klinische Ausbildung Bremen prüft halbes Medizinstudium

Es bleibt dabei: Bremen lässt lediglich den Aufbau des klinischen Teils einer Medizinerausbildung prüfen. Das hat die Bürgerschaft am Donnerstag beschlossen.
28.02.2019, 15:10
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Bremen prüft halbes Medizinstudium
Von Sabine Doll

Es bleibt dabei: Bremen lässt lediglich den Aufbau des klinischen Teils einer Medizinerausbildung prüfen. Das hat die Bürgerschaft am Donnerstag mit den Stimmen der rot-grünen Mehrheit gegen die Opposition beschlossen, die Linken enthielten sich. Damit bestätigte die Bürgerschaft den Beschluss einer gemeinsamen Sitzung des Wissenschaftsausschusses und der Gesundheitsdeputation von Mitte Januar.

Die Schulklassen auf den Zuschauerplätzen bekamen nach der eher nüchternen Fragestunde, bei der die Vertreter des Senats ihre Antworten vorwiegend ablesen, in der andert­halbstündigen Debatte einiges geboten: Die Abgeordneten der Fraktionen lieferten sich einen teilweise heftigen Schlagabtausch, wobei vor allem CDU-Fraktionschef Thomas ­Röwekamp und der SPD-Abgeordnete Arno Gottschalk hervorstachen. Die Christdemokraten hatten im vergangenen Jahr die Debatte ins Rollen gebracht und in einem Antrag eine Machbarkeitsstudie für eine Medizinfakultät mit Vollstudium gefordert.

Modell der Vergangenheit

Röwekamp: „Bremen ist das einzige Bundesland ohne Medizinfakultät, Städte wie Bielefeld, Augsburg und Oldenburg eröffnen neue Fakultäten oder erweitern. Bremen würde für einen Vollstudiengang auch nicht bei null anfangen, es gibt 14 Kliniken im Land mit teils hoch spezialisierten Bereichen, Forschungsinstitute und medizinnahe Studiengänge an Uni und Hochschulen. Aber Rot-Grün verweigert allein schon die Prüfung.“

Zudem gebe es klare Hinweise, dass die zweigleisige Medizinerausbildung künftig abgeschafft werde, eine Trennung sei danach nicht möglich. „Wenn Sie jetzt Ihr Modell der Vergangenheit wählen, wird das keine Zukunft haben. Ihre Lösung ist von gestern“, warf Röwekamp Rot-Grün vor. Der CDU-Fraktionschef betonte, Gegenstand einer Prüfung seien nicht nur die Kosten, sondern auch, was die Investition in eine Medizinfakultät für den Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort bringe – etwa zusätzliche Steuereinnahmen. „Von Ihren bisherigen Anstrengungen bekommt Bremen ja nicht viel zurück.“

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Gottschalk bezeichnete die Vorwürfe der CDU und die Forderung nach einem Vollstudium als „großes Illusionstheater“, „Nullnummer“ und „Veralberung des Publikums“. Bremen könne die Finanzierung eines Vollstudiums nicht stemmen. Aus anderen Städten wisse man, dass schon bescheidene Ansätze bei rund 60 Millionen Euro im Jahr lägen, andere bei 100 Millionen Euro und mehr. „Deshalb sind schon die 100 000 Euro für eine Machbarkeitsstudie, bei der herauskommt, was man nicht bezahlen kann, rausgeworfenes Geld“, verteidigte Gottschalk die Entscheidung von Rot-Grün. „Wir haben die Finanzmittel nicht“, sagte auch der Grünen-Abgeordnete Nima Pirooznia. „Andere Bereiche dürfen darunter nicht leiden.“

"Wir brauchen valide Zahlen"

Wie die CDU forderte auch der FDP-Abgeordnete Magnus Buhlert eine ergebnisoffene Prüfung beider Modelle, man brauche ein Preisschild. „Ich verstehe die Kurzsichtigkeit der SPD nicht.“ Mit der Einschränkung allein auf eine klinische Ausbildung habe Rot-Grün einen Teil der Chancen auch für den Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort „törichterweise“ vertan. Selbstverständlich dürften Investitionen in eine Medizinfakultät nicht zulasten der Prioritäten Bildung und Abbau des Sanierungsstaus gehen. Bei einer Prüfung aller Varianten gehe es zunächst darum, Fakten auf den Tisch zu bekommen, was für Bremen realistisch wäre. Diese Möglichkeit müsse genutzt werden, „ohne vorher schon die Schere im Kopf zu haben“.

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Die Linken-Abgeordnete Miriam Strunge forderte angesichts des Ärztemangels, der auch Städte treffe („In Bremen geht in den nächsten Jahren jeder vierte Arzt in den Ruhestand“), ein finanzielles Engagement des Bundes. Bremen solle sich für ein Bund-Länder-Programm für die Medizinerausbildung starkmachen. Auch Strunge forderte eine ergebnisoffene Prüfung: „Die CDU hat recht, wir brauchen valide Zahlen.“

Gesundheitssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD) hatte stets betont, dass sie allein den klinischen Teil einer Ärzteausbildung für Bremen favorisiert und im Januar eine „Meilensteinplanung“ mit einem Zeitplan vorgestellt. Danach könnte die klinische Ausbildung zum Wintersemester 2022/23 starten. „Wenn wir zügig Ärzte bekommen wollen, dann steht dafür die klinische Ausbildung“, betonte sie erneut in der Bürgerschaftsdebatte.

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