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Übergriff in Moschee
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Entsetzen über zerrissene Koran-Ausgaben in Bremen

Lisa Boekhoff 11.06.2019

Zahlreiche Ausgaben des Koran wurden in der Moschee zerrissen und teilweise in die Toilette gestopft.
Zahlreiche Ausgaben des Koran wurden in der Moschee zerrissen und teilweise in die Toilette gestopft. (Schura Bremen)

Nach der Schändung von Koranen am vergangenen Wochenende fordert Schura Bremen mehr Sicherheit für die Moscheen in Bremen. In einer Stellungnahme bezeichnete der Moscheenverband die Tat als "widerwärtigen Anschlag". Am Sonnabend hatten ein oder mehrere Täter in der Rahma-Moschee in der Bahnhofsvorstadt fast 50 Korane zerrissen, in die Toiletten gestopft und verunreinigt. "Auf eine niederträchtige Art und Weise werden die Gefühle der Muslime verletzt und mit Füßen getreten", schrieb der Verband.

Murat Çelik, Vorstandsvorsitzender der Schura Bremen, bezweifelte am Dienstag, dass die Polizei auf den Vorfall am Sonnabend sensibel genug reagiert habe. Die Situation sei seiner Ansicht nach zunächst falsch eingeschätzt worden, denn es ginge natürlich nicht nur um einen Sachschaden. Muslime seien durch die Schändung zutiefst verletzt worden. Der Koran ist die heilige Schrift des Islam. Çelik und sein Verband wünschen sich als Konsequenz nun, dass Moscheen in Zukunft besser gesichert werden.

Das fordert auch der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD). Am Dienstag verurteilte er die Schändung scharf. "Dies ist eine neue Dimension der Perversion und zielt klar darauf ab, die Spirale von Hass und Gewalt gegen Muslime und ihre Moscheen sowie allgemein gegen ihre Religion weiter anzutreiben", sagte Aiman Mazyek, Vorsitzender des ZMD.

"Kein Platz für Muslimhass"

Der Zentralrat der Muslime erwarte von der Bremer Polizei und dem Innensenator eine intensive Untersuchung des Falls und die Ahndung als "gefährliche Staatsschutzstraftaten". Mazyek erneuerte angesichts der Tat seine Forderung, dass es einen Beauftragten gegen Muslimfeindlichkeit geben müsse und Polizeischutz für Moscheen in Deutschland.

Bremer Politiker zeigten sich am Dienstag ebenfalls entsetzt über den Vorfall und verurteilten ihn deutlich. "In Bremerhaven und Bremen ist kein Platz für Muslimhass und wir dulden keine Islamophobie", sagte Bürgermeister Carsten Sieling (SPD). „Wir Bremerinnen und Bremer – ob mit oder ohne Migrationshintergrund – müssen jetzt zusammen stehen", forderte auch Bürgerschaftspräsidentin Antje Grotheer (SPD) in einem Statement ein. Solche Taten sollten Angst und Unsicherheiten in den muslimischen Gemeinden auslösen.

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Von einer neuen Dimension islamfeindlicher Taten sprach Thomas Röwekamp, CDU-Fraktionschef und religionspolitischer Sprecher seiner Partei. Die Tat sei "inakzeptabel und niederträchtig" und müsse bedingungslos aufgeklärt werden. Und weiter: "Toleranz gegenüber anderen Religionen ist für uns unverhandelbar." Der Fraktionschef der SPD, Björn Tschöpe, bezeichnete die Tat als "abstoßend". Sie sei letztlich ein Angriff auf die freie, tolerante Gesellschaft in Bremen. "Wer so etwas tut, wer Moscheen angreift, der greift uns alle an. Das dürfen und werden wir nicht dulden.“

Der Staatsschutz der Polizei ermittelt, ob die Tat einen politischen oder religiösen motivierten Hintergrund hat. Am Dienstag gab es noch keinen neuen Stand zu den Ermittlungen. Murat Çelik kritisierte, dass die Spurensicherung der Polizei trotz der Dimension des Verbrechens erst mehr als einen Tag später zum Tatort in die Gemeinde ausgerückt sei – nämlich am Sonntagabend. Dass die Spurensicherer wesentlich später vor Ort seien, ist nach Angaben einer Sprecherin der Polizei jedoch nicht ungewöhnlich.

Der Angriff in Bremen steht nicht allein

Çelik sieht eine Tendenz, dass es zunehmend Übergriffe und Anfeindungen gegenüber Muslimen gibt. Erst vor wenigen Tagen seien Jugendliche in einer Bremer Straßenbahn wegen ihres Glaubens angegriffen und einer der Jungen schließlich mit einem Messer attackiert worden. "Ich fühle mich in Bremen sicher, aber es sind gewisse Dinge passiert, bei denen man ins Grübeln kommt, was wir besser machen können." Es müsse über die Sicherheitslage der Muslime in Bremen nachgedacht werden.

Der Angriff in Bremen steht nicht allein. In einer Moschee in Kassel wurde am selben Wochenende ein Stein durch ein Fenster geworfen. In Mönchengladbach hatten Unbekannte im Mai einen Schweinekopf an einer Moschee abgelegt. Das Schwein gilt im Islam als unrein.

Bürgermeister Sieling reagierte auf die beiden Taten in Bremen: Der Senat sei zutiefst erschüttert über die abscheulichen Verbrechen. "Unsere Sicherheitsbehörden arbeiten mit Hochdruck an beiden Fälle."

++ Der Artikel wurde um 21.20 Uhr aktualisiert. ++


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Leserkommentare
hopfen am 21.10.2019 11:38
Ein sehr gutes Beispiel dafür wie realitätsfern Politiker inzwischen sind. Würden alle fast identische Ferienzeiten bekommen, würde das absolute ...
admiral_brommy am 21.10.2019 11:29
Zitat: ".....und die Behörden lehnen seinen Asylantrag ab. "

Ausreisepflichtig scheint er aber nicht zu sein. Warum?
Warum ...
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