Corona-Infektionszahlen steigen Stufenkonzept bis hin zum Lockdown

Am Mittwoch sprechen Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Länderchefs über die Corona-Zahlen und schärfere Maßnahmen bis hin zu einem Lockdown. Wie sieht die Lage in Bremen und der Region aus?
27.10.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Sabine Doll, Pascal Faltermann, Peter Hanuschke und Björn Struß

Die Lage ist ernst, nach den Worten von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) „bedrohlich“. Bundesweit steigen die Infektionszahlen, die Videokonferenz der Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin wurde angesichts der aktuellen Entwicklung von Freitag auf diesen Mittwoch vorgezogen. Die Frage, um die es dabei gehen soll: Ist ein erneuter Lockdown notwendig, um den weiteren Anstieg von Infektionen zu verhindern? Auch in Bremen und der Region wird sie diskutiert.

In Bremen gibt es ein sogenanntes Reaktionsstufenkonzept, das entsprechende Maßnahmen bis hin zu einem Lockdown beinhaltet. „Es gibt weitere Möglichkeiten, Maßnahmen zu ziehen“, betont Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke). „Was wir im Frühjahr gemacht haben, kann in Ansätzen eine Blaupause sein. Wir wollen aber verhindern, dass es zu einem erneuten Lockdown kommt.“ Wie diese Ansätze konkret aussehen, dazu wollte die Behörde am Montag keine Angaben machen.

Lesen Sie auch

Auch Berlin bereitet sich mit einem Stufenplan auf weitere steigende Infektionen vor: Laut dem „Tagesspiegel“ sieht dieser in Stufe 2 etwa ein „Verbot touristischer Übernachtungen“ vor, dazu sollen Bäder, Museen, Kitas und Schulen geschlossen werden. Ab wann diese Stufe greifen soll, stehe nicht fest. Intern heiße es, dass die von Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) als letztes Mittel vorgeschlagenen Maßnahmen dem Lockdown im Frühjahr mindestens „nahekommen“ sollen, berichtet die Zeitung weiter.

„Der Senat hat das Infektionsgeschehen selbstverständlich im Blick. Ziel ist es, auf die derzeit steigenden Zahlen entschieden und besonnen zugleich zu reagieren“, sagt Christian Dohle, Sprecher von Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) und des Senats. Nach Informationen des WESER-KURIER soll das Gespräch der Kanzlerin mit den Länderchefs abgewartet werden. Bremen will einen Alleingang vermeiden, um nicht im Nachhinein Maßnahmen anpassen zu müssen.

Schärfere Einschränkungen bis hin zum erneuten Lockdown

„Ziel des Senats ist es, die Wirtschaft so gut wie möglich vor Einschränkungen zu schützen, den Schul- und Kitabetrieb aufrechtzuerhalten und eine Erkrankung der Risikogruppen zu verhindern“, so der Sprecher. Dass es zu schärferen Einschränkungen bis hin zu einem erneuten Lockdown kommen kann, will im Rathaus niemand kommentieren, ausschließen aber auch nicht.

Für ausgeschlossen hält auch CDU-Fraktionschef Thomas Röwekamp einen Lockdown nicht, wenn die bisherigen Maßnahmen nicht greifen und die Infektionszahlen weiter steigen. „Ein Lockdown muss jedoch Ultima Ratio sein. Sämtliche Anstrengungen müssen dahin gehen, ihn zu verhindern, denn dieses Mal hätte er noch weitreichendere Folgen. Wir müssen vor allem irgend möglich sicherstellen, dass Kitas, Schulen und Pflegeeinrichtungen geöffnet bleiben.“ Dort gebe es aktuell keine Ausbrüche, Schließungen dort würden nicht helfen, um die Ausbreitung zu stoppen. Die steigenden Infektionszahlen seien vor allem auf fehlende Rücksichtnahme und das Nichteinhalten der Regeln zurückzuführen. „Ich habe die Hoffnung, dass weitere Appelle wirken. Die beschlossenen Maßnahmen können die Ausbreitung stoppen, wenn sich alle daran halten“, so Röwekamp.

Lesen Sie auch

Unbedingt einen Lockdown verhindern – das ist auch die Forderung der FDP-Fraktionsvorsitzenden Lencke Wischhusen. Gastronomische Betriebe und Hotels etwa seien nicht die Infektionsbrennpunkte, sondern private Feiern, das zeigten Analysen ganz klar. „Bei verschärfenden Maßnahmen sollte man eher über weitere Kontaktbeschränkungen nachdenken als über einen Lockdown.“ Dieser wäre der Todesstoß für die Gastronomie und andere Branchen, so die FDP-Politikerin.

Wirtschaft schwer getroffen

„Wir waren noch nie wie jetzt in einer Phase, in der das vernünftige Verhalten der Menschen im Miteinander darüber entscheidet, ob unsere Wirtschaft weiter abstürzt oder nicht“, sagt Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel. „Unabhängig davon müssen wir aus der Vorstellung raus, dass ein Abflachen der Zahl der Corona-Infizierten automatisch in gleichem Maße eine Erholung der Wirtschaft auslöst", so Hickel weiter. Die Wirtschaft sei schwer getroffen, es gebe viele Branchen, die nicht konjunkturbedingt in Schwierigkeiten geraten seien, sondern deren Probleme allein auf die Pandemie zurückzuführen seien.

In Delmenhorst wurde am Montag nur eine Neuinfektion gemeldet, die Inzidenz liegt aber weiter über 200 pro 100.000 Einwohner. Schließungen oder Ausgangssperren sind derzeit offenbar nicht geplant. Anders in Bayern: Im Landkreis Rottal-Inn gelten ab Dienstag Ausgangsbeschränkungen. Schulen und Kindergärten werden geschlossen, Veranstaltungen abgesagt. Vergangene Woche waren im Berchtesgadener Land ähnliche Beschränkungen verhängt worden.

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+