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OHB hadert mit Standort Bremen

Stefan Lakeband 18.01.2018 33 Kommentare

Raumfahrtunternehmen OHB
Beim Bremer Raumfahrtunternehmen OHB läuft es sehr gut. Zu einem der bekanntesten Aufträge zählt der Bau der Galileo-Satelliten für das erste europäische Navigationssystem. Der Firma fällt es aber immer schwerer, gut ausgebildeten Nachwuchs nach Bremen zu holen. (INGO WAGNER, picture alliance / dpa)

Klaus Hofmann könnte eigentlich zufrieden sein: OHB, die Firma, deren Personalvorstand er ist, hat massig Aufträge, der Aktienkurs ist vergangenes Jahr in die Höhe geschnellt. Kurzum: Es läuft mehr als gut. Doch das daraus folgende Wachstum führt zu einem neuen Problem: Dem Raumfahrtunternehmen fehlt der Nachwuchs. Schuld daran sei auch die mangelnde Attraktivität des Landes Bremen, sagt Hofmann.

Etwa 100 Stellen sind bei OHB in Bremen kontinuierlich ausgeschrieben – vom „Quality Assurance Manager“ über den „Project Engineer for Space System Studies“ bis hin zum „Mechanical-Thermal-Propulsion Architect“. Alles hoch spezialisierte Berufe, für die Bewerber studiert haben müssen. „Wir sind ein wissensgetriebenes Unternehmen und arbeiten an der Spitze der Hightech-Skala“, sagt Hofmann dem WESER-KURIER. Daher sei es manchmal kompliziert, gut qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Wesentlich schwieriger sei es aber, sie auch nach Bremen zu holen oder sie in der Hansestadt zu halten. Sein Vorwurf: „Bremen ist eine graue Maus.“ Die Stadt schaffe es nicht, sich gegen konkurrierende Standorte im Vergleich zu behaupten.

"Nicht greifbar, was Bremen Ihnen bieten kann"

Vor allem das Bildungssystem verschrecke viele der insgesamt 1000 Mitarbeiter. Erst kürzlich hatte der Personalvorstand ein Gespräch mit einer französischen Mitarbeiterin, die bis dato bei OHB in Bremen gearbeitet hatte. „Sie hat darum gebeten, an einen unserer Standorte in den Süden versetzt zu werden, weil sie gehört hat, dass das Bremer Schulsystem nicht gut sei“, sagt Hofmann. Sie wollte es nicht wagen, ihre Kinder in Bremen zu Schule zu schicken. Solche Gespräche seien kein Einzelfall. Gerade junge Mitarbeiter, die eine Familie gründen wollten, überlegten immer wieder, ob sie das wirklich in Bremen machen möchten.

Dabei sei Bremen durchaus lebenswert. Hofmann sieht vielmehr ein Problem im Marketing des kleinsten Bundeslandes. „Bremen ist eine Großstadt, die in der Kultur, in der Freizeit und bei der Wohnqualität viel zu bieten hat.“ Sie schaffe es aber nicht, diese Stärken nach außen zu transportieren. Hofmann weiß, wovon er spricht: Er ist selbst erst vor zwei Jahren in die Hansestadt gekommen und hat zuvor unter anderem in Metropolen wie Paris gelebt. „Hier sind Sie in zehn Minuten mit der Bahn in der Innenstadt und in 15 Minuten in der Natur“, sagt er. Das schätze er an Bremen. Andere Städte könnten das nicht bieten. „Das ist für mich ein starkes Argument.“

Nur will das offenbar nicht bei Bewerbern ankommen. Während Berlin mit „arm, aber sexy“ werbe, fehle Bremen ein solcher Slogan. „Für viele Bewerber ist nicht greifbar, was Bremen ihnen bieten kann“, sagt Hofmann. 

Klaus Hofmann OHB.jpg
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An anderen Standorten ansiedeln

Um dennoch eine Chance auf gut ausgebildeten Nachwuchs zu haben, greift OHB auf drastische Maßnahmen zurück. „Mitarbeiter umwerben wir erst mal nur für die inhaltliche Tätigkeit bei OHB. Erst wenn wir das Interesse der Bewerber geweckt haben, erzählen wir ihnen, dass die Position in Bremen sein soll“, sagt Hofmann. Doch auch dann würden immer noch nicht wenige von ihnen absagen – weil sie nicht in Bremen leben möchten. Für das Raumfahrtunternehmen führt das zu konkreten Problemen: Von den derzeit etwa 100 unbesetzten Stellen werden Ende dieses Quartals ungefähr 25 besetzt sein, prognostiziert Hofmann. Das habe zur Folge, dass das Unternehmen nicht mit voller Leistung arbeiten kann. „Es bleibt jede Menge Arbeit liegen.“

Sollte sich die Situation nicht verbessern, werde OHB wohl nicht umhinkommen, gewisse Arbeitsprozesse innerhalb des Konzerns neu zu verteilen. Konkret heißt das: Arbeit könnte aus Bremen womöglich an andere Standorte verlagert werden.

Der Eindruck, dass Bremen für gut ausgebildete Fachkräfte nicht gerade attraktiv ist, wird auch von einer Studie der Unternehmensberatung Ernest & Young aus dem vergangenen November bestätigt. Bei der Frage „Welche Regionen in Deutschland kämen für Sie am ehesten infrage, wenn Sie für eine neue Stelle umziehen würden?“ landete Bremen auf dem fünftletzten Platz im Vergleich aller Bundesländer. Auf den ersten Rängen: Bayern, Hamburg und Baden-Württemberg.

Andere beklagten sich bereits über Bremen als Standort

Um wieder mehr Fachkräfte nach Bremen zu holen, erwartet der OHB-Vorstand daher eine Imagekampagne, die die Stärken des kleinsten Bundeslandes besser herausstellt. Auch einen Zusammenschluss von Unternehmen und Politik hält Hofmann für sinnvoll. „Viele Firmen klagen, dass zu wenig für das Image des Standorts getan wird“, sagt er. „Warum starten wir nicht eine konzertierte Aktion, in der sich Politik und Wirtschaft im Rahmen eines runden Tisches geeignete Maßnahmen definieren?“

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Bremer Unternehmen über den schlechten Standort beklagen. Im November 2016 hatte etwa der Brauereikonzern AB Inbev die Situation angeprangert. „Einer der am häufigsten genannten Gründe gegen einen Wechsel zu uns an die Weser ist das Thema Familie“, hieß es damals in einem Schreiben an Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD). Kopien des Briefs gingen auch an Bürgermeister Carsten Sieling und Wirtschaftssenator Martin Günthner (beide SPD).

Der damalige Sprecher des Wirtschaftssenators sah das hingegen anders. „Es gibt kein generelles Standortproblem“, sagte er. Die Ergebnisse der Pisa-Studie zeigten, dass es in Bremen vor allem in Stadtteilen mit einem hohen Migrantenanteil Schwierigkeiten gebe. „Die Schulen in Bremen insgesamt haben aber einen ausgezeichneten Standard.“


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Leserkommentare
heinmueckausbremerhaven am 21.10.2019 20:47
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Bremen99 am 21.10.2019 20:41
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