Erster Linienflug aus München

Bremer Flughafen nimmt Betrieb wieder auf

Rund zwei Monate herrschte auf dem Bremer Flughafen Stillstand, am Montag hoben die ersten Flieger aber ab. Die Reiselust ist aber in Bremen noch überschaubar.
19.05.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Nina Willborn, Peter Hanuschke, Silke Hellwig und Jürgen Hinrichs
Bremer Flughafen nimmt Betrieb wieder auf

Am Montag hoben die ersten Flieger vom Bremer Airport ab - dort gibt es die Hoffnung, dass es bald mehr Verbindungen gibt.

Christoph Schmidt / dpa

Den letzten abgefertigten Linienflug gab es am Bremer Airport am 25. März. Trotzdem war der Flughafen seitdem betriebsbereit – etwa für Ambulanzflüge und Transportmaschinen. Deshalb kann der Airport auch ohne Probleme in einen anderen Modus wechseln: Seit Montag gibt es wieder regelmäßig Starts und Landungen. Ziel für Touristen und Geschäftsreisende ist zunächst München. Von dort kam die erste Maschine. Ab 2. Juni wird außerdem Stuttgart angeflogen. Ryanair hatte, wie in der vergangenen Woche berichtet, angekündigt, ab Juli etwa 40 Prozent des ursprünglichen Flugplans realisieren zu wollen. Auch andere touristische Bereiche gehen davon aus, ihr Geschäft in Teilen wieder aufnehmen zu können.

„Wir freuen uns, dass wir jetzt wieder mit dem Passagierverkehr am Bremen Airport beginnen können“, so Flughafen-Chef Elmar Kleinert. „Und wir hoffen, dass Reisen innerhalb Europas bald wieder möglich ist und andere Airlines dann nachziehen und wieder Flüge ab Bremen anbieten.“ Im Flughafen und auch in den Lufthansa-Maschinen, die täglich außer sonnabends einmal nach München und zurück fliegen, gelten besondere Hygienevorschriften. Gleiches gilt für die Stuttgart-Verbindung, die von der Lufthansa-Tochter Eurowings geflogen wird.

Lesen Sie auch

„Seit es die Pflicht zum Tragen des Mund-Nasen-Schutzes etwa in Geschäften gibt, gilt das auch bei uns an Bord der Maschinen“, sagte ein Lufthansa-Sprecher auf Nachfrage, „vorher hatten wir nur die Empfehlung gegeben“. Aufgrund der Tragepflicht werde nun aber darauf verzichtet, den Nachbarsitz im Flieger frei zu lassen.“ Welche Vorschriften es an anderer Stelle gebe, darüber müssten sich die Passagiere selber informieren – gerade wenn es um Weiterflüge von München ins Ausland gehe. „Ob es im Zielland beispielsweise Quarantänebestimmungen gibt oder nicht, ändert sich teilweise täglich.“

Die Mund-Nasen-Schutzpflicht besteht bereits im Bremer Flughafengebäude, gleiches gilt für den Münchener Airport. Der Schutz und die Gesundheit habe höchste Priorität, trotz der anhaltenden Corona-Pandemie sei sicheres Fliegen ab Bremen möglich, so Kleinert. „Natürlich wird es für unsere Gäste zu leichten Umstellungen kommen, aber das sind sie bereits aus anderen Bereichen des täglichen Lebens gewöhnt.“ Desinfektionsspender stehen nach Angaben des Flughafens bei allen öffentlichen Toiletten zur Verfügung. Neue Beschilderungen würden zudem auf die Abstandsregelung von mindestens 1,5 Meter und weitere Hygieneauflagen hinweisen. „Dazu erinnern Durchsagen immer wieder an die Maßnahmen“, heißt es. Sicherheitspersonal werde, falls notwendig, auf die Einhaltung des Mindestabstands hinweisen.

Unabhängig von der überschaubaren Wiederaufnahme des Flugbetriebs bringt die Corona-Krise den Bremer Airport in finanzielle Turbulenzen. In der jüngsten Sitzung des Haushalts- und Finanzausschusses hatte Flughafenchef Kleinert den Bürgerschaftsabgeordneten mitgeteilt, dass der Umsatzverlust bis Jahresende bei etwa 33 Millionen Euro liegen werde. Um geschäftsfähig zu bleiben, benötige der Flughafen bis Juni 2021 etwa 28 Millionen Euro – ein entsprechender Antrag ist bereits gestellt.

Während der Flugplan wieder hochgefahren wird, hält sich die Reiselust der Bremer noch in Grenzen. Die Öffnungszeiten der Reisebüros sind teilweise eingeschränkt, manche Büros bieten eine Art Notdienst an, ergab eine Nachfrage des WESER-KURIER. Gebucht oder dorthin umgebucht werden Reisen innerhalb Deutschlands, die Ziele sind vor allem an der Nord- und Ostsee. Nur vereinzelt gibt es Buchungen für das europäische Ausland, im August zum Beispiel für Griechenland.

Bremen, das in den vergangenen zehn Jahren im Städtetourismus jedes Jahr einen neuen Rekord feiern konnte, wird von den Gästen zurzeit kaum nachgefragt. Das wichtige Geschäft mit den Busreisen liegt noch vollkommen brach, wie die Bremer Touristik-Zentrale (BTZ) am Montag mitteilte. „Es trudeln die ersten Buchungen von Einzelreisenden im Service-Center ein, die sowohl für ein kurzfristiges Pfingstwochenende als auch für längerfristig geplante Reisen zum Ende des Jahres reservieren“, erklärte eine BTZ-Sprecherin.

Lesen Sie auch

Damit der Trend sich wieder umkehrt, plant die BTZ Werbekampagnen – gemeinsam mit den anderen Bundesländern, um die Lust aufs Reisen im eigenen Land zu wecken, aber auch auf eigene Rechnung: Mit dem Slogan „Sommerfrische in Bremen – Rein ins Leben, raus in die Stadt“ will die BTZ darauf hinweisen, dass Bremen neben Kunst und Kultur viele Plätze zu bieten hat, die sich mit Abstand zu anderen erleben lassen. In Planung ist laut BTZ auch eine Studie über die „Magic Cities“, um das Reiseverhalten der Deutschen für die nächste Zeit abschätzen zu können.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+