Glühwein, Grünkohl und Wärmflaschen

Bremer Restaurants bereiten sich auf kältere Jahreszeiten vor

Die Sonne scheint derzeit noch wunderbar. Die Restaurants in Bremen arbeiten aber breits an Ideen für die kälteren Jahreszeiten – denn die Gäste zieht es nach draußen.
24.09.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Bremer Restaurants bereiten sich auf kältere Jahreszeiten vor
Von Lisa Boekhoff
Bremer Restaurants bereiten sich auf kältere Jahreszeiten vor

Vor dem Bremer „Theatro“ soll sich noch mehr abspielen als sonst – auch im Herbst und Winter. „Wir müssen dort ­Leben schaffen“, sagt Betreiber Lothar „Barry“ Randecker.

Christina Kuhaupt

Sonnenschein und milde Temperaturen ziehen in diesen Tagen die Menschen nach draußen. Und in den Restaurants floriert das Leben vor allem im Außenbereich. Nur vereinzelt sitzen Gäste teils im Lokal selbst. Doch bei aller Freude über das schöne Wetter: Die Gastronomen machen sich längst Gedanken, was passiert, wenn Herbst und Winter kommen und mit ihnen das berühmte Bremer Schmuddelwetter.

Grünkohl und Pinkel als Fingerfood, Wolldecken auf Bestellung und Glühweinstände: Lothar „Barry“ Randecker feilt an neuen Konzepten für den Außenbereich seiner Restaurants. „Wir müssen dort Leben schaffen“, sagt der Betreiber des „Theatro“ am Theater am Goetheplatz und der „Meierei“ im Bürgerpark. Das Motto für seine Branche sei: draußen, draußen, draußen. Die Nutzung der Außenbereiche sei nun wichtig. „Damit schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe“, sagt Randecker. Denn einerseits sei es für die Gesundheit der Gäste besser, wegen des Infektionsrisikos an der frischen Luft zu sein. Außerdem gehe es darum, dass die Betriebe sich auf diesem Weg über Wasser hielten. Ideen zu entwickeln, dazu rät Gastronom Randecker auch seinen Kollegen. „Es müssen sich alle etwas überlegen, damit wir die Stadt bunt machen. Allein bringt das wenig.“

Lesen Sie auch

Selbst bei ungemütlicheren Temperaturen wollen die Gäste derzeit oft lieber draußen sein, sagt die Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Bremen, Nathalie Rübsteck. Darum überlegten viele, wie sie die Fläche möglichst lange bespielen können. Und zudem brauchten die Betriebe den Platz, weil in den Restaurants wegen der Abstandsregeln nicht mehr alle Plätze belegt sein können. Heizpilze, ökologisch zwar umstritten, sehen einige Geschäftsführer im Moment als eine Lösung. Andere planen auch, in diesem Jahr Zelte oder Buden aufzustellen. Schließlich geht es nicht nur um die Temperaturen, sondern auch um Schutz vor Regen oder womöglich Schnee.

Dehoga: Weitere Unterstützung nötig

Nathalie Rübsteck plädiert dafür, dass den Gastronomen von der Politik weiter geholfen wird. In den vergangenen Monaten sei es ­relativ unkompliziert und kostenlos gewesen, eine Genehmigung für Sondernutzungen von Flächen zu bekommen. „Da ist sehr viel ­ermöglicht worden“, sagt die Hauptgeschäftsführerin des Dehoga Bremen. Diese Regelung fortzusetzen, das sei ein Baustein, um den Gastronomen zu helfen. Vielen Betrieben fehlten heute Rücklagen. „Die Restaurants brauchen die Flächen dringend, um durch den Winter zu kommen.“

Am Donnerstag beschäftigt sich die Bremer Deputation für Mobilität, Bau und Stadtentwicklung mit diesem Thema. Die CDU setzt sich mit einem Antrag dafür ein, dass auch im nächsten Jahr keine Sondernutzungsgebühren für Restaurants und Cafés anfallen sollen. Außerdem müssten die Genehmigungen zusätzlicher Flächen für die Außengastronomie bis März nächsten Jahres verlängert werden. „Das ist ein guter Antrag der CDU“, sagte dazu Ressortsprecher Jens Tittmann. „Die Idee gab es schon vorher bei uns im Ressort. Wir werden darum zustimmen.“ Die Sondernutzungsgebühren sollen im Jahr 2021 entfallen.

Weihnachtsfeiern bleiben aus

Wenn es gerade bei schönem Wetter in der „Meierei“ auch sehr gut läuft: Es fehlen dort Feierlichkeiten wie Hochzeiten. Und für die nächsten Monate? „So gut wie nichts“, sagt Randecker. Sonst gibt es in seinen Restaurants Firmenevents und Weihnachtsfeiern. Doch solche Buchungen sind nun wegen Corona Mangelware.

Im „Theatro“ spürt Randecker derweil, dass es nebenan im Theater weniger Zuschauer gibt. Insgesamt gehen Hotels und Gaststätten laut Umfrage des Dehoga-Bundesverbands davon aus, auf das Gesamtjahr gerechnet fast die Hälfte ihres Umsatzes zu verlieren – harte Einbußen.

Lesen Sie auch

Im „Haus am Walde“ am Stadtwald gibt es ebenfalls schon Pläne für die kälteren Tage. „Natürlich wollen wir unseren Gästen den allgemeinen Wunsch ermöglichen, auch im Herbst und Winter möglichst gemütlich draußen sitzen zu können“, sagt Torsten Weiß vom „Haus am Walde“. Auf der Terrasse sollen die Stühle also bleiben, Decken vorrätig sein, Heizstrahler eingesetzt werden. Und auch Wärmflaschen sollen für die Gäste verfügbar sein.

Zudem soll es ein größeres Angebot an Heißgetränken geben. Die Getränkeausgabe im Biergarten soll je nach Wetterlage auch in der Winterzeit geöffnet sein und warme Stimmung geschaffen werden: „Für die allgemeine Gemütlichkeit und eine wohlige Atmosphäre wird es knisterndes Feuer in der sicheren Feuerschale und dezente Beleuchtung geben.“

Lesen Sie auch

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+