Fridays for Future

Bremer Schüler schwänzen für eine bessere Zukunft

Inspiriert von der 15-jährigen schwedischen Umweltaktivistin Greta Thunberg gehen nun auch Bremer Schüler auf die Straße und streiken für mehr Klimaschutz. Das findet nicht jeder gut.
11.01.2019, 16:24
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Bremer Schüler schwänzen für eine bessere Zukunft
Von Elena Matera
Bremer Schüler schwänzen für eine bessere Zukunft

Die Schüler halten bunte Banner hoch.

Frank Thomas Koch

Ein Lehrer unterstützt seine Schüler, die den Unterricht schwänzen - ein Fall, der eher selten vorkommt. Nicht so bei einem Bremer Mathelehrer. Seine ganze Klasse schwänzt am Freitagmorgen - und er befürwortet es. Mit anderen Schülern halten sie bunte Banner in die Luft: „Zukunft statt Schule“, „Wir müssen starten, statt zu warten“ oder „Kohleausstieg, jetzt“. Es regnet, doch die Schüler lassen sich davon nicht abschrecken. Seit zehn Uhr stehen sie auf dem Marktplatz, mit Regenschirmen und aufgezogenen Kapuzen. Sie setzen sich für einen besseren Klimaschutz ein. Ihr Ziel: die Bremer Politiker auf sich aufmerksam zu machen.

Greta Thunberg inspirierte weltweit

Der Protest der Bremer Schüler findet im Rahmen der Bewegung „Fridays for Future“ statt, übersetzt: „Freitage für die Zukunft“. Ausgelöst wurde die Aktion durch die 15-jährige Schülerin Greta Thunberg. Seit vergangenem Sommer schwänzt die schwedische Aktivistin jeden Freitag die Schule, um für mehr Klimaschutz zu protestieren. Thunberg wurde weltweit berühmt und durfte auf der Weltklimakonferenz im polnischen Kattowitz eine Rede halten. Mit dem Satz: „Ich aber habe gelernt, dass man niemals zu klein ist, um einen großen Unterschied machen zu können“, inspirierte sie weltweit junge Menschen – und nun auch die Bremer Schüler.

Lehrer dürfen nicht streiken

Der Bremer Mathelehrer steht etwas im Hintergrund. Er möchte seinen Namen nicht angeben, um keine Probleme mit der Schulleitung zu bekommen. Als Beamter darf er nicht streiken. Er wurde von seinen Schülern motiviert, bei dem Protest mitzumachen. „Ich finde es richtig gut von den Schülern. Man sagt ja oft, dass die jüngeren Menschen so unpolitisch wären. Aber das stimmt nicht. Das sieht man hier deutlich“, sagt er. Der Lehrer ist sichtlich stolz, wenn er von seinen Schüler spricht. Denn diese sind ganz alleine auf die Idee gekommen, für den Klimaschutz zu streiken. Er wünscht sich, dass auch die Schulen die Kinder mehr unterstützen. „Immerhin geht es um ihre Zukunft. Die Schüler müssen mit den Konsequenzen der heutigen Umweltpolitik leben.“ Er hofft, dass sich die Schüler auch weiterhin selbst organisieren und freitags streiken.

Zum ersten Mal haben Bremer Schüler die Schule geschwänzt und für mehr Klimaschutz demonstriert. Sie ahmen damit die Protestaktion der schwedischen Schülerin Greta Thunberg nach "Fridays for Future"

Ein Mädchen steht auf einem Pfosten und hält das Schild "System change, not climate change", übersetzt: "Systemwandel statt Klimawandel".

Foto: Frank Thomas Koch

Am Freitag vor einer Woche, am 4. Januar, fand bereits die erste Protestaktion auf dem Bremer Marktplatz statt. Organisiert wurde die Aktion von einigen Bremer Schülern, die einen Ableger der Gruppe „Fridays for Future“ gegründet haben. Bei der ersten Aktion waren zwanzig Schüler vor Ort. An diesem Freitag sind es rund 200 Schüler. Karo Döhring ist glücklich über den Zuwachs. Auch sie ist Mitglied der Gruppe „Fridays for Future“.

Schüler wollen Politiker wachrütteln

Sie hatte bereits am ersten Streik teilgenommen. Die 17-Jährige besucht das Schulzentrum Rübekamp in Walle. Auch sie hat die Protestaktion von Greta Thunberg mitverfolgt. „Ich finde das toll und mutig", sagt Döhring. Auch sie möchte die Politiker wachrütteln, denn die Erderwärmung könne so nicht weitergehen. "Immer mehr Schüler haben in Deutschland angefangen, freitags zu streiken. Das hat sich auch langsam in Bremen entwickelt", sagt sie.

Zum ersten Mal haben Bremer Schüler die Schule geschwänzt und für mehr Klimaschutz demonstriert. Sie ahmen damit die Protestaktion der schwedischen Schülerin Greta Thunberg nach "Fridays for Future"

Aus ganz Bremen sind die Schüler zum Marktplatz gekommen.

Foto: Frank Thomas Koch

Auch die Grüne Jugend in Bremen unterstützt den Protest der Schüler. Jonas Laur steht mit einem Megafon vor den Schülern und spricht über den Kohleausstieg, über den Klimawandel, der noch immer verharmlost wird und über den Hambacher Forst. Der 21-Jährige studiert in Bremen. Er ist überrascht, wie viele Schüler gekommen sind. "Es ist gut, dass sie zeigen, dass sie politisch sind. Jeder Mensch ist politisch, egal wie alt er ist.“

Für die Schüler gab es auch Gegenwind

Die Schüler sind aus ganz Bremen von unterschiedlichen Schulen zum Marktplatz gekommen. So auch Wendla Schaper. Sie besucht die Waldorfschule Touler Straße und schwänzt heute für den Protest. „Dieser Streik ist eine gute Möglichkeit unsere Stimme zu zeigen und uns politisch einzubringen. Wir haben ja kein Wahlrecht“, sagt die 16-Jährige. Rund zwanzig ihrer Mitschüler sind auf den Marktplatz gekommen. Auch sie haben verschiedene Banner gebastelt. Auf einem steht „There’s no planet B“, übersetzt: „Es gibt keinen Planeten B.“ „Es ist toll, dass wir so viele sind“, sagt Schaper. Sie strahlt. "Bei den meisten Lehrern kommt der Streik gut an. Nur einer war nicht ganz so zufrieden“, sagt Schaper.

Auch andere Schüler berichten, dass einige Lehrer den Streik nicht befürworten. Die Schule schwänzen, um politisch aktiv zu sein - das wird nicht gerne gesehen. „Es gibt nur teilweise Verständnis. Leider verstehen einige Lehrer nicht, dass es wichtig ist, was wir hier machen", sagt Döhring. Eine Ausnahme gibt es jedenfalls: der Mathelehrer.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+