Interview mit BSAG-Sprecher zur Maskenpflicht „Wir setzen grundsätzlich auf Deeskalation“

In Oldenburg ist ein Busfahrer attackiert worden, weil er auf die Maskenpflicht hinwies. In Bremen hat es so eine Situation noch nicht gegeben - zum Glück, sagt BSAG-Sprecher Andreas Holling im Interview.
23.07.2020, 05:00
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„Wir setzen grundsätzlich auf Deeskalation“
Von Nina Willborn

In Oldenburg ermittelt die Polizei gegen zwei Männer, die einen Busfahrer angriffen, nachdem er sie auf die Maskenpflicht aufmerksam machte. Im französischen Bayonne ist Anfang Juli ein Busfahrer nach einer ähnlichen Attacke sogar gestorben. Hat es auch in Bremen bereits brenzlige Situationen für Fahrerinnen und Fahrer der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) gegeben?

Andreas Holling: Nein, bei uns hat es derartige Angriffe zum Glück bislang nicht gegeben. Wir handhaben das aber auch etwas anders als zum Beispiel die Kollegen in Oldenburg. Natürlich gilt auch in den Fahrzeugen der BSAG, dass Mund- und Nasenschutz getragen werden müssen. Darauf weisen zum Beispiel Piktogramme hin. Vor allem in den Straßenbahnen kommen die Hinweise, dass Fahrgäste ohne Maske mitfahren, von anderen Fahrgästen. Dann würde die Fahrerin oder der Fahrer eine Durchsage machen. Wenn es Probleme gibt, würde über die Leitstelle Hilfe angefordert. Von dort wird dann ein Funkwagen geschickt oder die Polizei gerufen. Wir setzen aber grundsätzlich auf Deeskalation.

Werden denn die Fahrerinnen und Fahrer der BSAG nun speziell auf Probleme bei der Durchsetzung der Maskenpflicht vorbereitet?

Nein. Teil der Schulungen für unser Fahrpersonal ist aber grundsätzlich der Umgang mit Schwierigkeiten in Bussen und Bahnen. Die Fahrerinnen und Fahrer lernen, die Situation einzuschätzen und dann zu entscheiden, ob sie sie selbst lösen können, oder ob es sinnvoller ist, sich bei der Leitstelle zu melden.

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Inwieweit ist das Ordnungsamt in die Arbeit der BSAG eingebunden?

Grundsätzlich ist das Ordnungsamt nicht für die Sicherheit in Bussen und Bahnen verantwortlich. Die Mitarbeiter gehen im Moment aber zeitweise gemeinsam mit den Kollegen, die die Tickets prüfen, auf Tour. Das ist auch in dieser Woche verstärkt in mehreren Gebieten der Stadt der Fall. Am Montag hatten wir bei einem solchen gemeinsamen Dienst innerhalb von vier Stunden vier Personen, die ohne Maske unterwegs waren. Drei von ihnen haben sie nach Ansprache der Kollegen aufgesetzt. Die vierte Person hatte keine Maske dabei, hat dann aber von uns eine bekommen. Insgesamt muss man sagen, dass Fälle wie in Oldenburg und Frankreich tragisch sind. Aber es sind traurige Einzelfälle, die wir in Bremen glücklicherweise so nicht haben.

Merken Sie denn, dass die Zurückhaltung der Bremerinnen und Bremer bei der Nutzung von Bus und Bahn langsam wieder zurückgeht?

Man spürt, dass wieder mehr Menschen mit unseren Bussen und Bahnen fahren. Aber das kommt auch auf die Linien an, zum Beispiel wird die Linie 6 zwischen Flughafen und Universität immer noch wesentlich weniger genutzt. Auf anderen Strecken sehen wir wieder ein halbwegs normales Level. Insgesamt ist es noch nicht wie vor Corona, aber es nutzen wieder deutlich mehr Bremerinnen und Bremer den öffentlichen Nahverkehr als beispielsweise im März oder April.

Das Gespräch führte Nina Willborn.

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Zur Person

Andreas Holling

ist Pressesprecher der Bremer Straßenbahn AG. Der Journalist wechselte 2015 in das öffentliche Unternehmen.

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