Förderung des Festivals auf dem Prüfstand Breminale: Wer verdient wie viel Geld?

Der Druck auf die Organisatoren der Breminale steigt: Politiker und Vertreter der Wirtschaftsförderung Bremen fordern, dass die Einnahmen der GmbH offengelegt werden.
14.02.2018, 20:59
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Breminale: Wer verdient wie viel Geld?
Von Pascal Faltermann

Streitereien, ein Wechsel des Veranstalters, ein neues Konzept oder nicht gesicherte Fördergelder – rund um die Breminale kehrt keine Ruhe ein. Alle Beteiligten versichern, dass das Kulturfestival am Osterdeich 2018 auf jeden Fall stattfinden und weiter bestehen soll. Da sind sich die Macher, die Behördenvertreter und Politiker in der Stadt einig. Dennoch schlagen die Wellen hoch. In der Sitzung der Kulturdeputation am Dienstag gab es hitzige Diskussionen: Abgeordnete der CDU, der Grünen und Linken hinterfragten kritisch die Förderung und das neue Konzept, das in einem nicht öffentlichen Teil den Deputierten vorgestellt wurde. Zudem wird immer lauter die Frage gestellt, wer an der Breminale eigentlich wie viel Geld verdient. Politiker wie auch die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) fordern von der Breminale GmbH, die die Namensrechte besitzt, die Einnahmen offenzulegen. Einsicht in die Umsätze und Gewinne der GmbH habe bislang niemand gehabt, heißt es von der WFB. Unklar ist, ob die private Gesellschaft die Bilanzen veröffentlichen muss.

Das gesamte Konstrukt, das hinter der Breminale steht, ist verworren. Bislang war es so, dass der Veranstalter von der GmbH die Lizenz erhielt, den Namen Breminale zu nutzen. Das war von 2012 bis 2017 die Unternehmensgesellschaft (UG) Sternkultur, die bis zu einem Bruch zwischen den Gesellschaftern das Fest organisierte. Für 2018 ist es nun die neu gegründete Veranstaltungsagentur Concept Bureau UG, die lizenziert wird. Die Veranstalter beauftragen wiederum die Breminale GmbH um Geschäftsführer Harald Siegel mit der Gastronomie. Das war stets Teil des Deals, um die Namensrechte zu bekommen. Und es bedeutete, dass die GmbH die Standgebühren für die Budenbetreiber festlegte und die fälligen Beträge einzog. Dies soll gegen eine Provision von 13 Prozent der Einnahmen geschehen sein. Zudem trat die Breminale GmbH selbst als Standmieter auf und stellte zwölf Bierstände bei der fünftägigen Veranstaltung. Damit betrieb die GmbH die meisten Getränkebuden auf dem Festival und verdiente bei 200 000 Besuchern wohl nicht schlecht.

WFB will prüfen, ob Breminale förderungswürdig ist

Als Veranstalter stellte erstmals Concept Bureau (vorher Sternkultur) die Förder-Anträge bei der WFB und der Kulturbehörde. Demnach entscheidet aber nicht die Behörde oder die WFB, wer das Festival organisiert, sondern die Breminale GmbH, die sich des Veranstalterrisikos entledigt. Wie berichtet, will unterdessen die WFB prüfen, ob das Traditionsfestival förderungswürdig ist. Aus einem Projektmitteltopf der WFB waren für 2018 eigentlich 60.000 Euro bewilligt. Die Kalkulation der Veranstalter solle sich an bestimmten Punkten klar unterscheiden zu den vorherigen.

Aufgrund der neu vorgelegten Zahlen sei nicht ersichtlich, ob und wie ein Fehlbedarf zu erwarten ist und sich die Betriebssituation gestaltet hat, sagte Jens Joost-Krüger, WFB-Projektleiter. Was das genau bedeutet, kann und darf er nicht sagen. Nach WESER-KURIER-Informationen soll mehr Geld von der GmbH an den Veranstalter für das Personal dazugekommen sein. Was die Frage aufwirft, ob ein Fehlbetrag überhaupt existiert. Die WFB fördere Kultur, wenn ein Fehlbedarf plausibel dargelegt werde. Dafür wolle man aber die Zahlen und die maximale Transparenz, so Joost-Krüger. In zehn Tagen entscheide der Vergabeausschuss, der aus Staatsrätin Carmen Emigholz, Staatsrat Ekkehart Siering und WFB-Geschäftsführer Michael Göbel besteht.

CDU: "Wollen ein Kulturfestival und kein Volksfest fördern"

„Das im nicht-öffentlichen Teil der Kulturdeputation vorgestellte künstlerische Konzept für die Breminale 2018 ist eine interessante Weiterentwicklung des Angebotes. Wie das dann konkret umgesetzt wird, schauen wir uns genau an“, sagte Kulturstaatsrätin Emigholz. Über die Kulturförderung (65.000 Euro) muss nur die Behörde entschieden, weil ein Haushaltstitel eingerichtet ist.

„Wir wollen alle, dass die Breminale stattfindet“, sagte Kai Wargalla (Grüne). Dennoch sei es wichtig, das Konzept und die Förderungsbedürftigkeit kritisch zu hinterfragen. Um die Notwendigkeit zu beurteilen, brauche man die Zahlen. Miriam Strunge (Linke) sagte: „Ich bin für eine offene Ausschreibung 2019 für das kulturelle Konzept der Breminale, damit es mehrere Konzepte gibt.“ Sie wolle ein Kulturfestival an der Weser, da spiele der Namen nicht die entscheidende Rolle. Emigholz sagte dazu: „Wenn die Kulturbehörde es für sinnvoll hält, dass auch andere Agenturen für die Veranstaltung 2019 künstlerische Konzepte einreichen sollten, werden wir das den Deputierten vorschlagen.“ Auch der CDU-Deputierte Claas Rohmeyer fragte, ob es angesichts der Verstrickungen nicht ein alternatives Festival an der Weser geben könne. „Wir wollen ein Kulturfestival und kein Volksfest fördern“, so Rohmeyer.

Es wollte zwar niemand öffentlich sagen, aber dem Vernehmen nach soll eine Weitergabe der Namensrechte der Breminale GmbH im Raum stehen. Zu welchen Konditionen und an wen weitergegeben werden soll, war nicht herauszubekommen. Harald Siegel äußerte sich am Mittwoch nicht.

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