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Weniger Geld für die Sozialarbeit Evangelischer Kirchen in Bremen

Die Auswirkungen der Pandemie bedeuten für die Bremische Evangelische Kirche weniger Einnahmen durch die Kirchensteuer und auch weniger Spenden. Darüber hinaus sinkt die Mitgliederzahl. Nun wird gespart.
04.03.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Weniger Geld für die Sozialarbeit Evangelischer Kirchen in Bremen
Von Ulrike Troue
Weniger Geld für die Sozialarbeit Evangelischer Kirchen in Bremen

Der Bremer Dom als Wahrzeichen der Stadt gehört zum Pflichtprogramm für Touristen, die wegen Corona aber wegbleiben.

studio b bremen

Der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK) steht in diesem Jahr deutlich weniger Geld zur Verfügung als zuletzt: 2020 ist allein die Kirchensteuer um etwa 5,9 Millionen Euro zurückgegangen. Das teilt BEK-Sprecherin Sabine Hatscher mit. Das sei eine Folge der Pandemie.

Die Kirchensteuer ist abhängig vom Einkommen. Kurzarbeit oder Jobverlust, die mit der Krise einher gegangen sind, haben sich den Angaben zufolge daher auch bei der BEK bemerkbar gemacht. Betrug das Kirchensteuer-Aufkommen 2019 brutto 62,5 Millionen Euro, waren es laut Hatscher im vergangenen Jahr 9,46 Prozent weniger, also 56,6 Millionen Euro.

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„Grundsätzlich stehen die Finanzen der BEK auf einem soliden Fundament“, sagt die Sprecherin. Das fehlende Geld könne allerdings nicht unmittelbar durch Kosteneinsparungen aufgefangen werden, da 70 Prozent der Ausgaben Personalkosten seien. Um das Defizit zu decken, hat das Kirchenparlament in seiner digitalen Sitzung am Mittwoch beschlossen, für die laufenden Kosten 2,7 Millionen Euro aus den Rücklagen zu entnehmen.

Ein geringeres Budget für den Erhalt der Gebäude wäre angesichts historisch bedeutsamer und baulich imposanter Gotteshäuser „wirklich ein Jammer“, kommentiert Henner Flügger die Entwicklung. Aber als „das eigentliche Drama“ empfindet der Primarius der St.-Petri-Domgemeinde, dass sinkende Steuereinnahmen den Bereich der Sozialarbeit der Kirche schwächen. „Kirche soll offen für alle sein. Das meiste Geld fließt in den sozialen Bereich, da fehlt es“, sagt er. Folglich treffe das die Menschen, die sich ohnehin weniger leisten könnten.

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Der Negativtrend bei den Kirchensteuereinnahmen basiert nicht zuletzt auch auf einem Mitgliederrückgang: Am 31. Dezember 2019 zählte die BEK 182.289 Mitglieder, zu Silvester im vergangenen Jahr waren es 176.040 Mitglieder. Laut Mitteilung gab es 2019 insgesamt 320 Neueintritte und 3223 Austritte. Und 3568 evangelische Christen sind in dem Jahr verstorben. Für 2020 liegen die Zahlen den Angaben zufolge noch nicht vor.

Ein Minus steht ebenfalls vor der Entwicklung der Spendeneinnahmen. Weil gerade um Weihnachten herum weniger Menschen die Gottesdienste besuchen konnten, ist das Kollektenaufkommen nach Angaben von Hatscher „signifikant zurückgegangen“. Dieses Geld fließt in der Regel in soziale Projekte weltweit, aber auch in der Gemeinde.

Deutlich weniger Besucher verzeichnet Flügger seit Beginn der Pandemie auch für den St.-Petri-Dom. Nach Ergebnissen einer stichprobenartigen, belastbaren Untersuchung gehen der Prediger und Harald Emigholz aus dem Bauherrenkollegium davon aus, dass in normalen Jahren gut eine halbe Million Touristen und Bremer in das Bauwerk in der Innenstadt kommen. Die beiden Bereiche „Touristische Besucher“, für die der Rundgang durch das Wahrzeichen vielfach zum Pflichtprogramm zählt, und „Veranstaltungen“, zu denen Konzerte oder besondere Gottesdienste zählen, seien „praktisch zum Erliegen gekommen“, sagt Flügger. Und auch die Eintrittsgelder seien komplett weggebrochen, sagt Emigholz. Das habe sich auch in den Spendeneinnahmen gezeigt, die ebenfalls „deutlich zurückgegangen“ seien.

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Damit der St.-Petri-Dom in seiner Substanz erhalten bleibt, sind – anders als zum Beispiel beim Berliner Dom oder dem Hamburger Michel – keine Besucher oder Spenden nötig. In Bremen übernimmt die BEK die Kosten für die Sanierung des überwiegend aus Sandstein und Backstein gestalteten romanischen Gotteshauses aus dem 11. Jahrhundert. Das gilt nicht nur für Renovierungsarbeiten, sondern auch für den Bauunterhalt. Dieser wird mit gut 100.000 Euro pro Jahr als Erfahrungswert beziffert. Beim Dom handelt es sich um die Besonderheit einer denkmalgeschützten Kirche im Innenstadtbereich, sagt BEK-Sprecherin Hatscher.

Der Eigenanteil der Domgemeinde – mit 8000 Mitgliedern Bremens größte Kirchengemeinde – ist nach Auskunft von Harald Emigholz „verschwindend gering“. Emigholz ist der verwaltende und für die Finanzen zuständige Bauherr im Bauherrenkollegium des Bremer Doms. Im Innern des Kirchenbaus gibt es nach seiner Auskunft ein einziges Kollektenbecken, in dem unter der Woche Geld für den Dom-Erhalt gesammelt wird. Doch das seien „keine rauschenden Mengen“, sagt Emigholz, maximal wären das 100 Euro.

Info

Zur Sache

Der St-Petri-Dom ist zum stillen Gebet oder zur persönlichen Einkehr von Montag bis Sonntag in der Zeit zwischen 11.30 und 15 Uhr geöffnet. Zu beachten sind die Zeiten der Sonntagsgottesdienste von 10 bis 11 Uhr sowie die für von Montag bis Sonnabend für das Mittagsgebet bestimmte von 12 bis 12.15 Uhr.

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