Corona-Strategie der Bremer Bildungssenatorin Bogedan: "Großartig, wie sich Schulen an Lösungen beteiligen"

Nach den Ferien sollen alle Bremer Schüler und Lehrer getestet werden. Dafür habe ihr Ressort alle Vorbereitungen getroffen, sagt Bildungssenatorin Claudia Bogedan im Interview.
15.12.2020, 19:00
Lesedauer: 4 Min
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Bogedan:
Von Patricia Brandt

Frau Bogedan, die Bildungsminister haben sich nur noch in Videokonferenzen getroffen, die Forderung von Schülern und Eltern nach kleinen Lerngruppen hingegen wurde in Bremen ignoriert. Ein Fehler aus heutiger Sicht, da die Schulen angesichts der gestiegenen Infektionszahlen erneut geschlossen werden müssen?

Claudia Bogedan: Also erstens wird nur die Präsenzpflicht aufgehoben. Die Schulen werden nicht geschlossen. Es gibt keine vorgezogenen Ferien, die Schüler müssen zu Hause lernen, und wir stellen sicher, dass Klausuren geschrieben werden können, wo sie Abschlussrelevanz haben. Zweitens gibt es einen Appell der Kanzlerin, sich nach Möglichkeit einzuschränken und dafür Sorge zu tragen, dass weniger Schüler im ÖPNV unterwegs sind.

Das beantwortet die Frage nicht.

Ich habe die Frage beantwortet. Der Präsenzunterricht wird insbesondere in den Klassen mit Abschlussrelevanz weiter so weit wie möglich stattfinden, um Abschlüsse nicht zu gefährden.

Dann suchen Sie derzeit also nicht nach kreativen Lösungen für kleinere Lerngruppen - im Januar geht es weiter wie bisher?

Wir haben schon Wechselunterricht in Schulen, der wird jeweils nach schulscharfen Kriterien genehmigt. Wir schlagen dem Senat morgen vor, dass beim Überschreiten der 7-Tages-Inzidenz von 200, Halbgruppenunterricht für alle ab Klasse 9 stattfinden wird.

Wird es künftig Reihentests an Schulen geben?

Wir tun alles dafür, um nach den Ferien noch mehr Tests anzubieten. Wir haben organisatorisch alles vorbereitet und könnten alle Schüler und alle Lehrer in der Stadt Bremen auf Covid-19 testen. Wir planen dies als Schulträger, das Ganze ist aber vorbehaltlich eines Senatsbeschlusses zu sehen, denn die Testungen werden auch einiges kosten.

Wie hoch wären die Kosten?

2,5 Millionen Euro, wenn alle hingehen und sich testen lassen.

Was erhoffen Sie sich davon?

Die Sorge ist, dass einige Schüler und Lehrkräfte die Infektion anschleppen und diese sich dann in der Schule verbreitet. Wenn nach drei Wochen alle, die in die Schulen zurückkehren, getestet werden, wären wir quasi bei einem Null-Punkt, mit null Infektionen. Das wäre auch gut für das Sicherheitsgefühl.

Bremen hat in den vergangenen Monaten zahlreiche iPads an Schulen ausgegeben. Wie viele Nordbremer Schüler werden die Tablets während dieses aktuellen Lockdowns nutzen können?

Ob alle Schulen bereits Konzepte zur Nutzung der Tablets haben, dafür würde ich nicht meine Hand ins Feuer legen. Ich denke, an den weiterführenden Schulen werden die iPads genutzt. Unter den Grundschulen gibt es aber noch einige, die eher mit Papier arbeiten. Es gibt zwar einheitliche Vorgaben, aber keine einheitliche Vorgehensweise der Schulen.

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Ich weiß, dass manche Schulen den Schülern die iPads lieber nicht mit nach Hause geben würden. Die Befürchtung ist, dass Eltern die teuren Geräte weiterverkaufen oder selbst zur Zerstreuung nutzen. Wie gehen Sie mit diesem Problem um?

Da ich so einen Humbug immer wieder höre, heißt das, dass sich bestimmte Menschen noch nicht mit den Geräten auseinandergesetzt haben. Seit August befinden sich die Geräte für die Lehrkräfte an den Schulen. Und alle wurden informiert, dass nicht alle Inhalte freigeschaltet sind und die registrierten Geräte bei Missbrauch per Fernwarte abgeschaltet werden können. Diebstahl sich also nicht lohnt. Alle Kollegen, die an der Ausgabe der Geräte beteiligt sind, machen darauf aufmerksam. Es ist nur schade, wenn dort die Geräte nicht genutzt werden, wo es die Schüler trifft, die wir mit den digitalen Geräten beim Lernen besonders unterstützen wollen.

Einige Schüler haben zu Hause auch keinen oder nur eingeschränkten Zugang zum Internet. Bremerhaven hat bereits seit dem Frühling 300 LTE-Router verteilt, Bremen hat solche mobilen Internet-Zugänge noch nicht ausgegeben. Wann ist damit in Bremen-Nord zu rechnen?

Wir haben bereits rund 65 000 iPads ausgeliefert. Unser Ziel ist, dass alle Schulen flächendeckend mit WLAN ausgestattet werden und wir im Januar auch eine Lösung für Router haben werden. Wir haben aber auch dafür gesorgt, dass die Schulen offen bleiben, damit Schüler, die zu Hause keine Möglichkeit haben, mit den iPads in der Schule arbeiten können. Anders als im März werden die Schüler diesmal auch das kostenfreie WLAN in Bibliotheken fürs Lernen nutzen.

In einigen Nordbremer Schulen wie dem Vegesacker Gymnasium und dem Schulzentrum gibt es ein Lüftungsproblem. Ein ehemaliger Vegesacker Berufsschullehrer hat eine Lichtdesinfektionsanlage gebaut, die sogenannte Conny-Gun, die Corona-Viren abtöten soll. Was halten Sie davon?

Die Conny-Gun wird zurzeit wohlwollend geprüft. Ich finde es großartig, wie sich Schulen an Lösungen beteiligen. Tatsächlich haben wir noch weitere Pilotprojekte in der Prüfung. Auch das Max-Planck-Baumarktprojekt wird geprüft, obwohl wir das Modell nicht überall werden anbringen können, da viele Decken abgehängt sind.

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Immobilien Bremen hat angekündigt, dass einige Schulen wie das Vegesacker Gymnasium wegen der schlechten Lüftungsmöglichkeiten umgebaut werden müssen. Wie wollen Sie das angesichts der allgemeinen Raumknappheit in Corona-Zeiten organisieren?

Umbauten werden uns kurzfristig bei Corona nicht helfen. Wir müssen hier weiterhin auf die mehrere Tausend Euro teuren Luftfilteranlagen setzen und – wo es möglich ist – auf regelmäßiges Lüften. Wir haben inzwischen fast 300 C02-Ampeln ausgegeben, die an den Schulen von Klasse zu Klasse gegeben werden. Es können auch noch Weitere bestellt werden. Diese müssen nicht vom Schulbudget, sondern können über die einzelnen Schulen aus dem Hygienetopf finanziert werden.

Hat Corona andersherum dafür gesorgt, dass Umbauten verschoben werden mussten?

An bestimmten Standorten wie beispielsweise der Oberschule Helsinkistraße ist es zu Verzögerungen von mehreren Monaten gekommen. Dort sollten Mobilbauten aufgestellt werden. Allerdings gab es beim Zulieferer wegen Corona Lieferengpässe.

Welche Aufgaben sehen Sie im Bereich Schule im Bremer Norden für 2021 als Ihre vordringlichsten an?

Für uns ist das Allerwichtigste, dass Schulen ihre Schüler zu guten Abschlüssen führen können. Gerade im Bremer Norden ist das ganz wichtig, da der Schulabschluss die Einstiegsqualifikation für alles ist. Gerade in einer wirtschaftlich verschärften Lage, in der es bereits in diesem Jahr weniger Ausbildungsplätze gab. Wir haben reihenhaft Jugendliche, die nicht in ein Ausbildungsverhältnis vermittelt worden sind.

Das Gespräch führte Patricia Brandt.

Info

Zur Person

Claudia Bogedan

ist seit 2015 Senatorin für Kinder und Bildung. Zuvor war die Sozialdemokratin als Abteilungsleiterin am Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der Hans-Böckler-Stiftung tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in Blumenthal.

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