Corona-Krise 5000 Minijobs in Bremen weggefallen

Die Zahl der 450-Euro-Jobs ist im vergangenen Jahr in Bremen deutlich zurückgegangen. Arbeitnehmervertreter fordern schnelle Reformen.
13.07.2021, 10:11
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5000 Minijobs in Bremen weggefallen
Von Patrick Reichelt

In Bremen sind im vergangenen Jahr rund 5.000 geringfügige Beschäftigungen weggefallen. Das teilte die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) in Bremen mit und beruft sich dabei auf neue Zahlen der Bundesagentur für Arbeit.

„Der Rückgang zeigt, dass Minijobs alles andere als krisenfest sind. In unsicheren Zeiten kürzen Firmen zuerst bei den 450-Euro-Kräften, die allerdings weder Anspruch auf das Kurzarbeiter- noch auf das Arbeitslosengeld haben“, sagte Inge Bogatzki, Bezirksvorsitzende der IG Bau in Bremen. Minijobs müssten besser geschützt werden und sollten ab dem ersten Euro sozialversicherungspflichtig sein.

Besonders in der Gebäudereinigung seien prekäre Arbeitsverhältnisse stark verbreitet und würden für Frauen zum Karriere- und Armutsrisiko. In Bremen gab es laut Arbeitsagentur knapp 3.100 Beschäftigte in der Reinigungsbranche, bei denen der Minijob das alleinige Einkommen ist. Das sind 35 Prozent aller Mitarbeiter in dem Sektor. Die IG Bau rät Betroffenen, die durch die Krise ihren Job verloren haben oder darum fürchten, Hilfe bei der Gewerkschaft zu suchen. 

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Zuvor forderte bereits die Bertelsmann Stiftung eine Reform des Systems. Unter dem Titel „Raus aus der Minijobfalle“ sprechen sich die Experten der Stiftung mit Sitz in Gütersloh für die Abschaffung in der bisherigen Form und für Sozialversicherungsabgaben ab dem ersten verdienten Euro aus. Laut einer im Juni veröffentlichten Studie haben bundesweit knapp 900.000 Minijobber in der Corona-Krise ihren Job verloren. Die Gefahr arbeitslos zu werden, sei für sie rund zwölfmal höher als für sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Anspruch auf Kurzarbeiter- oder Arbeitslosengeld haben sie nicht.

Nach dem Reformvorschlag sollen die Sozialversicherungsabgaben linear von 0 bei keinem Verdienst auf 20,2 Prozent bei einem Bruttoeinkommen von 1800 Euro steigen. Nach Berechnungen der Stiftung könnte die Zahl der Teilzeitstellen auf dem Arbeitsmarkt so bis zum Jahr 2030 um rund 160.000 wachsen.

Die Reform würde besonders Arbeitnehmern mit einem niedrigen Einkommen helfen, für die sich bislang die Arbeit über einen Minijob hinaus nicht auszahlt. Der Grund: Bis 450 Euro werden keine Abgaben und Steuern fällig. Ab dieser Grenze aber steigen die Abgaben sprunghaft auf rund zehn Prozent an. Bei dem neuen Modell würden sich die Abgaben beim Übergang auf 451 Euro von jetzt 45 auf 22,55 Euro halbieren. Bei 1000 Euro Verdienst würden statt 187 nur noch 122,22 Euro Sozialabgaben fällig.

„Die heutigen Minijobs müssen so reformiert werden, dass sich mehr Arbeit auch für alle lohnt“, sagt Stiftungsvorstand Jörg Dräger. Für Schüler, Studierende oder Rentner, die etwas dazuverdienen wollten, solle sich nichts ändern. (mit dpa)

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