Impfzentren in Bremen und Niedersachsen Massenimpfung auf der Bremer Bürgerweide

Bei Politikern wächst die Hoffnung, dass in absehbarer Zeit wirksame Impfstoffe gegen das Corona-Virus zur Verfügung stehen. Große Impfzentren entstehen, aber es gibt logistische Probleme.
20.11.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Peter Mlodoch und Joerg Helge Wagner

Die Halle 7 auf dem Messegelände wird Bremens Impfzentrum in der Corona-Pandemie. Am Montag wird die Bremische Bürgerschaft ihren provisorischen Plenarsaal dort räumen. Das bestätigte Präsident Frank Imhoff (CDU) am Donnerstag. „Für Bremerhaven steht der Standort noch nicht abschließend fest“, ergänzte Lukas Fuhrmann, Sprecher der Gesundheitsbehörde. Damit machte er klar, dass es für das ganze Land Bremen nicht nur ein einziges Impfzentrum geben wird. Niedersachsen wird bis zu 60 feste Impfzentren einrichten, teilte die Landesregierung in Hannover mit.

Ärzte, Pflegekräfte und Senioren in Pflegeheimen werden zuerst geimpft, danach folgen Risikopatienten und später die breite Bevölkerung. Größere Kliniken könnten ihr Personal im eigenen Haus impfen lassen, betonte Fuhrmann. Niedersachsen wappnet sich auch mit mobilen Teams für die Massenimpfungen. „Wir wollen und wir werden vorbereitet sein“, versicherte Sozialministern Carola Reimann (SPD) mit Blick auf positive Nachrichten verschiedener Pharmafirmen. „Sie machen uns Hoffnung, dass schon in absehbarer Zeit mehrere wirksame Impfstoffe zur Verfügung stehen könnten.“

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Allerdings werde es anfangs nur eine begrenzte Anzahl von Dosen geben. Die geplanten Zentren übernähmen hier eine „Brückenfunktion“ – auch um Erfahrungen mit möglichen Nebenwirkungen zu sammeln. Wann genau sie in Betrieb gingen, mochte die Ministerin noch nicht vorhersagen. Später sollen Hausarztpraxen die Impfungen übernehmen. „Wir wollen das so schnell wie möglich ins ambulante System überführen.“

„Wir rechnen damit, dass wir die zugeteilten Impfdosen nach dem Königsteiner Schlüssel erhalten werden“, sagt Fuhrmann. Für Bremen wäre das rund ein Prozent der bundesweiten Gesamtmenge. Wie viele Einzeldosen das konkret sein werden, stehe noch nicht fest.

Zentrales Impfstofflager für Bremen

Vor allem die Tiefkühlung der Impfdosen bringt große logistische Herausforderungen mit sich. Die bisher erfolgversprechenden RNA-Impfstoffe müssen bei minus 70 Grad gekühlt werden. „Wenn es andere Impfstoffe gibt, die eben diese Tiefkühlung nicht mehr benötigen, ist sicherlich auch die Einbindung der niedergelassenen Ärzte richtig und wichtig“, betont Fuhrmann. Auch für das Impfzentrum auf dem Messegelände müssten Tiefkühlschränke beschafft werden. Zudem werde es ein zentrales Impfstofflager für das Bundesland Bremen geben, allerdings nicht auf dem Messegelände.

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In Niedersachsen sollen die Impfzentren flächendeckend in den Kreisen und größeren Städten entstehen und jeweils etwa für 150.000 Einwohner zuständig sein. Genaue Standorte stehen noch nicht fest, sie müssen gewisse Voraussetzungen wie eine gute Erreichbarkeit erfüllen. Ausreichende sanitäre Anlagen, Umkleideräume und Parkplätze gehören ebenfalls dazu. „Kleine Turnhallen oder Kirchen sind nur bedingt geeignet“, stellte der Hauptgeschäftsführer des niedersächsischen Landkreistages, Hubert Meyer, klar. Es laufe eher auf Veranstaltungszentren oder Stadthallen hinaus.

„Sie müssen aber auch eine stabile Internet-Verbindung haben“, betonte Reimann. Nur damit ließen sich Impftermine genau vergeben und die Kapazitäten optimal ausnutzen. Die Terminvergabe für die Impfkandidaten soll zentral mittels Online-Buchung oder über ein Bürgertelefon organisiert werden. Je nach Impfstoff ist nach 14 oder 21 Tagen eine zweite Injektion erforderlich. Die ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts wird eine genaue Reihenfolge der Prioritäten nach Alter und/oder Vorerkrankungen ausarbeiten. Offen ist noch, wie Anrufer nachweisen, dass sie tatsächlich einer Risikogruppe angehören.

Bürgerschaft in Halle 1

Bezahlt werden die Impfungen von den Krankenkassen. Die Kosten für Aufbau und Steuerung der Impfzentren übernimmt jeweils das Land. Die Rekrutierung des Impfpersonals soll in Niedersachsen gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung erfolgen. Vor jeder Impfung ist ein Arztgespräch erforderlich. Die Kommunen sind für Auswahl und Betrieb ihrer jeweiligen Standorte verantwortlich. Innenminister Boris Pistorius (SPD) will auch Personal und Ausrüstung des Katastrophenschutzes und der Polizei einsetzen sowie die gemeinnützigen Hilfsorganisationen einbinden.

Die Bremische Bürgerschaft tagt künftig in Halle 1. Im Haus der Bürgerschaft am Marktplatz, das saniert wird, soll im Januar wieder eine erste reguläre Plenarsitzung stattfinden. „Beim Umbau liegen wir im Zeitplan“, sagt Parlamentssprecherin Dorothee Krumpipe. Im Plenarsaal werden zum Schutz vor Ansteckung zwischen den Plätzen der Abgeordneten Plexiglasscheiben installiert. Ob das für einen geregelten Parlamentsbetrieb ausreicht, hängt von der weiteren Entwicklung des Infektionsgeschehens ab. „Wenn die Inzidenzzahlen auf diesem Niveau bleiben, kann ich mir vorstellen, dass wir erst einmal noch in den Messehallen bleiben“, so Bürgerschaftspräsident Imhoff.

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