Stimmen zu Corona Wie Menschen aus der Region die Pandemie erleben

Vier Menschen mit ganz unterschiedlichen Leben. Doch eine unfreiwillige Gemeinsamkeit prägt ihren Alltag seit einem Jahr - die Pandemie. Nun haben sie erzählt, wie es ihnen ergangen ist.
28.02.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Thorsten Waterkamp, Irene Niehaus, Stefan Lakeband, Jürgen Hinrichs

Die Schülerin: Carla Bergs (15) aus Achim

„Für mich war Corona erst weit entfernt. Als dann aber unser Schuldirektor am 13. März eine Durchsage machte, dass wir unseren Klassenraum nicht mehr verlassen dürften, da an unserer Schule ein Verdacht auf Corona vorläge, habe ich Angst bekommen. Kurz darauf mussten wir die Schule sofort verlassen. In diesem Moment ist mir bewusst geworden, dass das Virus auch uns betreffen wird.

Im Laufe des Jahres habe ich dann auf viele Dinge verzichten müssen, auf die ich mich sehr gefreut habe. Im März 2020 hätte ich zum Beispiel am Schüleraustausch mit unserer Partnerschule in Paris teilgenommen, außerdem hätte ich im November meinen Abtanzball gehabt.

Allerdings hatte ich auch viele schöne Momente. Dazu zählte meine Konfirmation: Ich konnte sie zwar nicht wie geplant im April feiern, aber im August durfte ich mit meiner Familie und meinen Freunden den Tag genießen.

Seit Dezember bin ich nun wieder zu Hause im Homeschooling. Ich würde mich sehr freuen, bald wieder in die Schule gehen zu dürfen und endlich meine Freunde zu treffen.“

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Der Einzelhändler: Stefan Schrader (37), Inhaber von Glückstreter

„Ich verdiene mein Geld damit, dass meine Ladentür geöffnet ist und die Leute schöne Schuhe kaufen. Deswegen hatte ich zu Beginn des ersten Lockdowns auch einige schlaflose Nächte und musste mich neu sortieren. Zum Glück waren viele Lieferanten im Frühjahr sehr kulant: Ich konnte Zahlungen aufschieben und Bestellungen stornieren – sonst wäre mein Lager irgendwann übergelaufen.

Als wir im Sommer wieder öffnen durften, war es der Wahnsinn. Die Kunden haben geduldig vor unserem Laden gewartet und ich habe gespürt, dass vielen Leuten klar geworden ist, wie wichtig Geschäfte, Restaurants und Theater direkt vor ihrer Tür sind. Als im Sommer von der zweiten Welle die Rede war, habe ich beschlossen, vorbereitet zu sein: Ich habe meinen Onlineshop aufgebaut.

Natürlich werde ich nie mit den großen Shops mithalten können, mir war es aber wichtig, auch ein Schaufenster im Internet zu haben. Jetzt können Kunden bei mir telefonisch oder online bestellen. Ich verschicke dann die Schuhe, oder Kunden kommen vorbei und holen sie im Landen ab. Trotzdem hoffe ich, dass wir Händler bald wieder öffnen können. Viele sind in ihrer Existenz bedroht. Ich habe Angst, dass sich das Stadtbild durch die Pandemie verändern wird.“

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Die Rentnerin: Erika Haeseker (66) aus Tarmstedt

„Als es mit Corona losging, habe ich über 400 Masken genäht, weil meine Schwiegertochter, die im Krankenhaus arbeitet, und ihre Kollegen sie dringend brauchten. Da hat ja noch niemand geglaubt, dass die Pandemie so lange dauert. Kurz danach mussten wir unseren Venedig-Urlaub canceln, es hat mir für die Italiener so leidgetan, dass sie so stark von Corona betroffen waren. Schlimm war, dass unsere Kinder und Enkel in den Ferien nicht mehr kommen konnten, sie fehlen mir.

Dann fiel auch unser Sommer-Urlaub auf den Kanaren aus, stattdessen unternahmen wir eine Fahrradtour in Holland. Als wir wieder zu Hause waren, mussten wir uns testen lassen. Es war gar nicht leicht, einen Arzt zu finden.

Schade war, dass ich eine Zeit lang eine Dame, die im Altenheim lebt, nicht mehr besuchen konnte, man konnte nur telefonieren, das war schrecklich für sie.

Weihnachten und Silvester waren mein Mann und ich allein. Für meine Enkel tut es mir sehr leid, dass sie keine richtige Schule haben. Ich möchte, dass die Lehrer schnellstens geimpft werden. Ich kann mit meinen 66 Jahren noch warten, wir sind zufrieden, haben ein Haus, Garten, Hobbys und sind gesund.“

Der Diskjockey: Björn Diederichsen (51)

„Es gab Gerüchte, dass da was kommen könnte, aber so recht glauben wollte ich das nicht. Anfang März war es dann aber soweit: alles abgesagt, keine Aufträge mehr, und das ist bis heute so. Mich hat das damals mitten in der Kohlfahrtsaison erwischt. Hammer, das war hart.

Anfangs dachte ich, okay, das wird schnell wieder. Es kann ja nicht sein, dass die ganze Welt so lange still steht. Als mich im März ein Brautpaar anrief, das mich für Ende Mai engagiert hatte, habe ich den beiden gesagt, dass sie sich keine Sorgen machen sollen. Bis dahin muss das doch wieder möglich sein, habe ich gedacht. Alles andere war außerhalb meiner Vorstellungskraft. Die Dimension des Problems war überhaupt nicht abzusehen.

Ich bin seit 30 Jahren Discjockey, im Hansezelt auf dem Freimarkt zum Beispiel, auf Schützenfesten, bei großen Kohlessen, Hochzeitsfeiern und anderen privaten Festen. Davon kann man leben, gut sogar. Zwischendurch hatte ich deshalb immer auf Lockerungen gehofft. Aber daraus ist bisher leider nichts geworden. Finanziell haut das richtig rein. Es gab aber immerhin Hilfen vom Staat, und jetzt arbeite ich im Callcenter des Impfzentrums, das hilft mir sehr.“

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