Hartmannstift in Vegesack Das ewige Bauprojekt

Seit sieben Jahren versuchen Planer, aus dem einstigen Nordbremer Krankenhaus und Bauamt an der Gerhard-Rohlfs-Straße einen Ort für Wohnen und Gewerbe zu machen. Eine Zwischenbilanz.
21.09.2017, 21:43
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Das ewige Bauprojekt
Von Christian Weth

Vegesack. Wann wird beim Hartmannstift denn nun gebaut? Die Frage stellen Vegesacker Fraktionen regelmäßig. Jetzt wieder: Das Gelände des früheren Krankenhauses rangiert auf der Themenliste für die September-Sitzung des Beirats an dritter Stelle. Und einmal mehr soll Immobilien Bremen sagen, in welchem Monat oder Jahr der Investor endlich loslegt. Und wie dieser Projektentwickler überhaupt heißt – wenn denn der städtische Verwalter Bremer Gebäude und Grundstücke diesmal so weit ist, das endgültig zu beantworten.

Peter Schulz muss das vorerst offen lassen. Der Sprecher von Immobilien Bremen nennt dafür einen simplen Grund: Drei Tage bevor der Beirat tagt, gibt es ein Treffen mit dem Investor, der voraussichtlich den Zuschlag erhalten soll. Das Bauamt ist ebenso dabei wie der städtische Verwalter. Worum es geht, sagt Schulz nur so ungefähr: „Um Details der Planung.“ Das sagt der Sprecher nicht das erste Mal. „Auf der Zielgeraden“ sah er die Verhandlungen mit dem Projektentwickler schon öfter. Zuletzt Ende 2015.

Ein Großprojekt, das kommen sollte, aber bisher nicht kam, ist das Hartmannstift weitaus länger. Die Ideensuche begann, bevor das Bauamt dort auszog. Das war 2010. Ein Jahr zuvor stellten Architekten erste Vorschläge fürs Wohnen auf dem rund ein Hektar großen Grundstück Ecke Gerhard-Rohlfs- und Schulkenstraße vor. Damals lautete die Prognose, dass sich ein vorübergehender Leerstand wohl nicht vermeiden lassen wird. Wer sich alles mal in das Vorhaben eingeschaltet hat, welche Gremien sich mit ihm beschäftigten – und warum es so lange dauert.

Frühjahr 2009: Stiftsgebäude und -grundstück tauchen zum ersten Mal in einer Verkaufsbroschüre von Immobilien Bremen auf. Zugleich wird das Bremer Planungsbüro Archidea beauftragt, Ideen für ein städtebauliches Konzept zu entwickeln. Die Architekten denken weniger an Gewerbe auf dem Gelände, sondern mehr an Wohnungen. Später kommen sie zu dem Schluss, dass es zu schwierig und zu teuer werden könnte, den Backsteinbau komplett zu erhalten. Weil Immobilien Bremen seinen Wert samt Grundstück auf mehrere Millionen Euro schätzt, soll das Hartmannstift europaweit zum Kauf angeboten werden.

Sommer 2010: Das Bauamt zieht aus und ins Stadthaus ein. Weil das Sozialzentrum am Sedanplatz saniert wird, kommt ein Teil des Personals vorübergehend im Hartmannstift unter. Es ist die erste Zwischennutzung des Gebäudes. Sie dauert mehr als ein Jahr. Währenddessen stellen die Planer von Archidea ihre Vorschläge vor, inklusive eines Teilabrisses des Stiftsgebäudes. Umgesetzt werden sie jedoch nicht, weil die Landesdenkmalpflege in der Debatte mitmischt. Sie will den Bau erhalten. Deshalb werden weitere Architekten beauftragt, Pläne für Grundstück und Gebäude zu entwerfen.

Spätsommer 2011: Die Planer stellen ihre Entwürfe dem Beirat vor. Statt ausschließlich um Wohnungen geht es jetzt auch um Firmenbüros auf dem Gelände. Eine Jury hält die Idee eines Stiftungshofs für die beste. Immobilien Bremen kündigt an, Investoren zu suchen. Mit dem Vermarkten des Geländes will der städtische Gebäude- und Grundstücksverwalter „zeitnah“ beginnen. Nicht nur das Stadtteilparlament ist involviert, auch die Baudeputation beschäftigt sich inzwischen mit dem Millionenprojekt. Es wird Teil eines Konzepts für die Wohnungsentwicklung in Vegesack.

Ende 2012: Immobilien Bremen schreibt Grundstück und Gebäude öffentlich aus. Gesucht wird ein Investor, der beides kauft. Das Mindestgebot liegt bei rund 1,8 Millionen Euro. Der künftige Investor soll sich streng an die Pläne für den Stiftungshof halten. Die Vorgaben sind zahlreich: Das Gebäude muss in den Urzustand versetzt und optisch freigestellt werden. Links und rechts vom Backsteinbau sollen mehrere Wohnhäuser mit zwei beziehungsweise drei Geschossen entstehen. Eine enge Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege wird vorgeschrieben.

2013 bis 2014: Vier Firmen geben Angebote ab. Immobilien Bremen verhandelt als Erstes mit dem Meistbietenden – und stellt sich auf schwierige Verhandlungen ein: wegen der zahlreichen Vorgaben. Die Gespräche dauern fast ein Jahr. Bis schließlich auch der letzte potenzielle Projektentwickler abspringt. Das Unternehmen Convivo aus Achim wollte 55 Wohnungen und eine Pflegeeinrichtung bauen. Zehn Millionen Euro sollten investiert werden. Immobilien Bremen kündigt eine neue Ausschreibung an, diesmal mit weniger Vorgaben. Bürgermeister Jens Böhrnsen schaltet sich ein. Er fordert Resultate.

Frühjahr bis Herbst 2015: Der Gebäude- und Grundstücksverwalter bereitet die zweite Ausschreibung vor. Diesmal soll allerdings nur noch die Fassade des Hartmannstifts stehen bleiben. Das Mindestgebot von 1,8 Millionen Euro gilt ebenfalls nicht mehr. Die Stadt ist auch mit 300 000 Euro weniger zufrieden. Projektentwickler aus dem Bremer Norden und Hamburg kündigen Interesse an. Zugleich wird das Gebäude zur Notunterkunft für Flüchtlinge umgebaut: Im Herbst nimmt die Sozialbehörde dort die ersten Menschen aus Krisenregionen auf. Zu diesem Zeitpunkt steht das Gebäude seit fast fünf Jahre leer.

Frühjahr bis Ende 2016: Das Hartmannstift steht erneut auf der Themenliste der Vegesacker Fraktionen. Immobilien Bremen bedauert, dass sich die Verhandlungen verzögert haben – und erklärt das damit, dass jede Menge Feinheiten zu berücksichtigen sind, wenn das Konzept für das Gelände gut werden soll. Verhandelt wird mittlerweile nur noch mit einem Bieter, der einen Mix aus Wohnen und Gewerbe plant. Im Herbst bittet die Sozialbehörde, die Zwischennutzung des Gebäudes als Notunterkunft verlängern zu dürfen. Der Beirat lehnt ab. Es will, dass der Investor so schnell wie möglich beginnen kann. Im Dezember steht der Bau wieder leer.

Frühjahr bis Spätsommer 2017: Im April will der Beirat wieder wissen, wie es mit dem Gelände weitergehen soll. Wieder erklärt Immobilien Bremen, dass die Gespräche nach wie vor andauern. Mit einem Unterschied: Der Gebäude- und Grundstücksverwalter spricht mittlerweile von einem sogenannten Meilenstein-Treffen mit dem potenziellen Investor. Dass der jetzt noch abspringen könnte, wird schon deshalb ausgeschlossen, weil er viele Vorarbeiten bezahlt haben soll. Am 14. September steht nun der x-te Bericht im Beirat an. Das Hartmannstift stand inzwischen so oft auf der Tagesordnung der Vegesacker Fraktionen, dass man im Ortsamt auf Anhieb gar nicht genau sagen kann, wie oft.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+