Kommentar zur Nutzung von Solarenergie

Das Klimaziel heißt Solarcity Bremen

In dicht besiedelten Stadtstaaten ist die Nutzung von Windkraft als Energiequelle begrenzt. Mehr Zukunft liegt für Bremen in der Solarenergie, meint unser Gastautor Klaus Prietzel.
26.04.2019, 15:38
Lesedauer: 2 Min
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Von Klaus Prietzel
Das Klimaziel heißt Solarcity Bremen

Die Solarsiedlung "Auf dem Kruge" in Bremen-Gröpelingen war 2002 eine der ersten Initiativen der swb Enordia im Bereich der erneuerbaren Energien.

swb Enordia

Eine wesentliche Säule der Energiewende ist die Transformation der fossilen Energieversorgung mit Kohle, Erdöl und Erdgas hin zu erneuerbaren Energien; bei uns sind das vor allem Solar- und Windenergie. Die Windkraftpotenziale sind aber in den dicht besiedelten Stadtstaaten begrenzt und in Bremen bereits weitgehend ausgeschöpft.

Ganz anders stellt es sich bei der schlafenden Riesin Solarenergie dar. Nach einer aktuellen Studie der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) liegt das real nutzbare Solarstrompotenzial der Hauptstadt in einer Größenordnung von rund 5000 Megawatt (MW). In der Konsequenz hat der Berliner Senat im Herbst 2018 den Masterplan Solarcity beschlossen, mit dem ambitionierten Ziel, so schnell wie möglich ein Viertel des Berliner Strombedarfes solar zu erzeugen. Bis zum Sommer soll das Umsetzungsprogramm stehen.

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Bremen sollte jetzt die Chance nutzen und ebenfalls zur Solarcity werden. Überträgt man die Analyse der HTW-Studie auf das Land Bremen, könnten wir in Bremen eine solare Strommenge von rund 1000 Gigawattstunden (GWh) erzeugen und damit ein gutes Viertel des gesamten Bremer Stromverbrauchs (ohne Stahlwerke). Gegenüber dem heutigen Stand von knapp 40 GWh müssten wir das 25fache schaffen. Zudem hat Bremen mit der Solarfläche pro Einwohner noch die Nase vorn vor den anderen Stadtstaaten Berlin und Hamburg. Diesen Vorsprung sollten wir uns nicht abjagen lassen.

Dazu sollten alle geeigneten landeseigenen Dachflächen zügig solar genutzt werden. Schwerpunkte wären dabei die Schulen. Aber auch Krankenhäuser, Hochschulen und natürlich die Dächer der kommunalen Wohnungsbaugesellschaften Gewoba, Brebau und Stäwog böten sich hierfür an. Letztere sollten für ihre Gebäude solare Mieterstrommodelle entwickeln. Bei allen Neubaugebieten muss eine solare Baupflicht gelten, die regulatorisch gut zu verbinden ist mit der zukünftig vorgesehenen Vergabe nach Erbbaurecht. Dazu müsste auch die Wirtschaftsförderung WFB aus ihrem solaren Tiefschlaf erwachen.

Zusätzliche sonnige Spielräume ergäben sich etwa durch die Erweiterung der großen Fotovoltaikanlage auf der Blockland-Deponie. Die hohe solararchitektonische Kunst liegt dann in der Fassadenintegration. Erste spannende Objekte könnten die Libeskind-Türme am Brill oder die Zechbauten am Europahafen werden, bei denen bisher energetische Aspekte noch keine Rolle gespielt haben. Wer Klimaschutz ernst nimmt, muss die Solarcity Bremen vorantreiben.

Info

Zur Person

Unser Gastautor ist Vorsitzender des BUND, Landesverband Bremen. Der 62-Jährige Diplombiologe befasst sich seit 1990 mit Erneuerbaren Energien, Bürgerenergie und Elektromobilität.

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