Deutlich mehr Teilnehmer als erwartet

Demonstranten fordern in Bremen "Gerechtigkeit für George Floyd"

Rund 2500 Bremer demonstrierten gegen Rassismus. Anlass war der Tod des schwarzen US-Amerikaners George Floyd, der weltweit Aufsehen erregt. Am Dienstag kaperte zudem ein Hashtag die sozialen Netzwerke.
02.06.2020, 20:50
Lesedauer: 3 Min
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Von Michael Rabba Kim Torster
Demonstranten fordern in Bremen "Gerechtigkeit für George Floyd"

Rund 2500 Menschen nehmen nach Polizeiangaben an der Demonstration teil.

Anna Zacharias

„Gerechtigkeit für George Floyd, ein solidarisches Zeichen setzen im Gedenken an alle Opfer rassistischer Gewalt“ - unter diesem Motto stand ein Demonstrationszug, der am Dienstagabend aus dem Bremer Ostertorviertel Richtung Neustadt gezogen ist. Anlass war der Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota am Montag vergangener Woche.

Die Teilnehmer zogen aus dem Ostertorviertel über die Martinistraße Richtung Neustadt.

Die Teilnehmer zogen aus dem Ostertorviertel über die Martinistraße Richtung Neustadt.

Foto: Anna Zacharias

Rund 2500 Menschen nahmen nach Polizeiangaben an der Demonstration teil - deutlich mehr, als ursprünglich erwartet wurden. Versammlungsort war ab 19 Uhr am Theater am Goetheplatz. Von dort zogen dei Teilnehmer über die Domsheide in die Neustadt. Aufgrund der hohen Teilnehmerzahl wurden sowohl die Laufstrecke als auch der Ort der Abschlusskundgebung in Absprache mit der Versammlungsleitung kurzfristig geändert, teilte die Polizei mit.

Von der Domsheide ging es entlang der Martinistraße über die Bürgermeister-Smidt-Brücke in die Langemarckstraße zur Abschlusskundgebung in Höhe der Westerstraße. "Zur Sicherheit aller Demonstrationsteilnehmer" hatten Einsatzkräfte die Straßen in diesem Bereich für den Individualverkehr vorübergehend gesperrt. Die Demonstration und Kundgebung verliefen friedlich, so die Polizei.

Um 21.30 Uhr wurde die Demonstration beendet - "durch die kooperative Versammlungsleiterin", wie Polizeisprecher Nils Matthiesen betont. Organisiert wurde die Demonstration von dem Bündnis "Together we are Bremen".

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Bremen ist nur eine von vielen Städten weltweit, in denen in den vergangenen Tagen Demonstrationen anlässlich des Todes des schwarzen US-Amerikaners George Floyds stattgefunden haben. Floyd war am 25. Mai 2020 gestorben, nachdem ein weißer Polizist bei einem Einsatz in der Stadt Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota mehrere Minuten lang sein Knie auf Floyds Hals gedrückt hatte, bis dieser erstickte. In Berlin demonstrierten bereits am Samstag und Sonntag rund 2000 (Samstag) und 1500 Teilnehmer (Sonntag) vor der US-Botschaft und in Kreuzberg. In München beteiligten sich am Samstagabend bis zu 350 Menschen an einem spontanen Demonstrationszug, wie die Polizei am Montag mitteilte.

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Am Dienstag dominierten zudem schwarze Kacheln und der Hashtag #blackouttuesday die sozialen Netzwerke. Die Aktion wurde von der US-Musikindustrie ausgerufen. Unzählige Menschen reagierten vor allem bei Instagram, veröffentlichten komplett schwarze Bilder und kommentierten sie mit #BlackoutTuesday und #theshowmustbepaused (auf Deutsch etwa: Die Show muss eine Pause einlegen). Auch zahlreiche Stars, wie etwa Sarah Jessica Parker, Ariana Grande, Cardi B sowie der deutsche Sänger Mark Forster und die Fußballspieler Mario Götze und Jerome Boateng machten mit. Unter dem Hashtag finden sich auf Instagram aktuell über 28 Millionen Beiträge.

In den USA kommt es schon seit einigen Tagen zu gewaltvollen Unruhen. Unter den Mottos "Black Lives Matter" (Schwarze Leben zählen) und "Justice for George Floyd" (Gerechtigkeit für George Floyd), beziehungsweise "No Justice, No Peace" (Keine Gerechtigkeit, kein Frieden) demonstrieren Menschen landesweit gegen rassistische Gesellschaftsstrukturen, insbesondere gegen Schwarze. In einer öffentlichen Rede hat sich unter anderem George Floyds Bruder Terence Floyd für friedliche Protesten ausgesprochen und seine Zuhörer dazu aufgefordert, zur US-Wahl kommenden November wählen zu gehen. "So werden wir sie schlagen, wir sind viele", sagte Floyd unter Applaus.

US-Präsident Donald Trump hat jüngst damit gedroht, Militär gegen die Demonstrierenden einzusetzen. Auf der ganzen Welt zeigt man sich derweil besorgt ob der aktuellen Lage in den USA. Auch der Papst hat sich am Mittwoch geäußert. In seiner wöchentlichen Videoansprache sagte er unter anderem: "Wir dürfen Rassismus weder tolerieren noch dürfen wir die Augen davor verschließen." Zugleich betonte Franziskus, dass "die Gewalt der vergangenen Nächte selbstzerstörerisch und kontraproduktiv" sei. "Durch Gewalt wird nichts gewonnen, aber so vieles verloren", so das Kirchenoberhaupt. Er bete gemeinsam mit der Kirche in den USA für Floyd und alle Opfer der "Sünde des Rassismus".

++ Dieser Artikel wurde um 12.35 Uhr aktualisiert ++

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