Kommentar zum Bremer Inklusionsurteil Der Konflikt ist nicht vorbei

Die schlechten Bedingungen für die Umsetzung von Inklusion haben sich mit Abweisung der Klage des Gymnasiums Horn am Verwaltungsgericht in Bremen nicht automatisch verbessert, meint Kristin Hermann.
09.07.2018, 20:11
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Der Konflikt ist nicht vorbei
Von Kristin Hermann

Die Reaktion war zu erwarten: Nachdem das Verwaltungsgerichts die Klage einer Schulleiterin gegen die Einrichtung von Inklusionsklassen am Gymnasium Horn abgewiesen hat, fühlen sich die Befürworter der Inklusion in ihrer Haltung bestätigt. Daraus jedoch zu schlussfolgern, dass alles weiterlaufen kann wie bisher, wäre fatal. Die breite Diskussion um die Klage hat gezeigt, dass der Inklusionsgedanke zwar vielen Schulen und Eltern enorm wichtig ist, jedoch auch Jahre nach den entsprechenden Änderungen im Schulgesetz noch längst nicht überall im Unterrichtsalltag angekommen ist. Die juristische Einschätzung besagt zwar, dass es rechtlich nichts daran zu beanstanden gibt, dass die Bildungsbehörde vorschreibt, wie der Unterricht auszusehen hat. Das bedeutet aber nicht, dass die derzeitige Umsetzung für alle Schüler der beste Weg ist.

Der Fall in Horn hat gezeigt, dass hinter der Inklusion noch immer viel Idealismus steckt. Es geht nicht nur um den gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht behinderten Kindern, sondern auch um die Teilhabe und das Miteinander. Für viele Kinder macht es sehr wohl einen Unterschied, ob sie zusammen in eine Klasse gehen oder von Anfang an getrennt lernen müssen. Schule sollte nicht mehr nur auf den Fachunterricht reduziert werden, soziale Kompetenzen sind ebenso wichtig.

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So richtig dieser Grundgedanke ist – an vielen Stellen hakt er. Es gibt Lehrkräfte, die sich damit überfordert fühlen, denen ausreichend Schulungen verwehrt bleiben und denen die entsprechenden Räumlichkeiten fehlen. Diese Bedingungen haben sich mit der Abweisung der Klage nicht automatisch verbessert. Das Aufbegehren der Schulleiterin ist deshalb als Warnschuss zu verstehen und zeigt, was passieren kann, wenn man vorprescht, ohne dass erforderliche Ressourcen geschaffen wurden.

Im Sinne der Schüler müssen das Gymnasium und die Bildungsbehörde nun einen gemeinsamen Weg finden, wie sie mit der gerichtlichen Entscheidung umgehen. Und auch unabhängig davon wird die Politik Konsequenzen ziehen müssen. Sonst wird das Horner Gymnasium wahrscheinlich nicht die letzte Bremer Schule gewesen sein, die bei der Umsetzung der Inklusion an ihre Grenzen stößt.

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