Interview

„Die Kinder machen oft deutliche Fortschritte“

Der pensionierte Lehrer Bernhard Arnold hilft Schülern ehrenamtlich bei den Hausaufgaben. Im Interview spricht er darüber, was sich seiner Meinung nach ändern müsste, damit Kinder lernen, was sie lernen sollten.
22.04.2018, 19:49
Lesedauer: 2 Min
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Von Elke Hoesmann

Aus Ihrer Erfahrung heraus betrachtet: Womit hat es zu tun, dass viele Kinder und Jugendliche in Bremen nicht gut rechnen können?

Bernhard Arnold: Die Probleme, mit denen Schüler zu uns in die Hausaufgabenhilfe kommen, sind ganz verschiedenartig. Wir haben hier beispielsweise Kinder, die nicht wissen, wie man Brüche addiert obwohl sie das schon vor Jahren gelernt haben. Oder sie wissen nicht, welchen Zweck es hat, Funktionen abzuleiten, obwohl sie es dauernd tun. Da gibt es alle möglichen Schwierigkeiten. Häufig passiert es, dass Kinder schon die Aufgabenstellung nicht verstehen.

Wenn Matheaufgaben in viel Text eingekleidet sind, wissen Schüler, die die deutsche Sprache nicht perfekt beherrschen, gar nicht, wo sie anfangen sollen, zu rechnen. Das ist eine große Schwierigkeit in der modernen Schulmathematik: Häufig sind Aufgaben mit Texten verbunden, die erst einmal verstanden werden müssen, und daran scheitern viele Schüler. Man muss das genauso üben wie die eigentliche Mathematik. Das wird sicherlich auch getan, aber die Schwierigkeiten sind beachtlich.

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Was berührt und freut Sie bei Ihrer Arbeit mit den Schülern?

Wir sehen hier oft deutliche Fortschritte der Kinder, die zu uns gekommen sind. Und diese Fortschritte sind manchmal schon im Verlauf einer Nachmittagssitzung deutlich erkennbar. Zu Beginn sprechen viele Kinder über ihre Schwierigkeiten mit den Hausaufgaben, und wenn sie gehen, sagen einige: Das war doch gar nicht so schwierig. Über solche Erfolge im Kleinen freuen wir uns sehr.

Was müsste sich konkret tun, damit sich in dem Bereich, in dem Sie arbeiten, wirklich etwas verbessert und Kinder in der Schule das lernen, was sie lernen sollten?

Es fällt mir schwer, über Misserfolge des Bremer Schulsystems oder des Bremer Mathematikunterrichts global zu urteilen. Das kann ich nicht. Dazu sehen wir hier zu wenig Beispiele, und ich bin ja kein Bildungspolitiker. Es gäbe schon einiges zu verbessern. Man müsste mehr Lehrer haben und kleinere Klassen. Die Lehrer sollten vollständig ausgebildet sein und auch mehr Zeit zur Verfügung haben, also nicht von einer Klausur zur nächsten hetzen müssen. Aber all das scheitert ja zum Großteil an den mangelnden Ressourcen in Bremen.

Die Fragen stellte Elke Hoesmann.

Zur Person

Bernhard Arnold war bis 2005 Lehrer in Huckelriede und am Alten Gymnasium. Der gebürtige Karlsruher (74) lebt seit 1972 in Bremen. Er studierte Mathematik und Physik in Heidelberg und Freiburg. Seit 1991 ist er am Olbers-Planetarium tätig, seit 2008 hilft Bernhard Arnold in der evangelischen Friedensgemeinde im Viertel ehrenamtlich Schülern bei den Hausaufgaben.

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