Bremer Flughafen: Zoll kämpft gegen Gras Drogenspürhund Rocky: Im Einsatz gegen Cannabis

Rund vier Mal am Tag muss der Zoll am Bremer Flughafen eingreifen - der häufigste Grund: Cannabis. Der Drogenspürhund Rocky trägt seinen Teil dazu bei, Schmugglern das Geschäft zu verderben.
24.03.2016, 00:00
Lesedauer: 6 Min
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Drogenspürhund Rocky: Im Einsatz gegen Cannabis
Von Klaas Mucke

Rund vier Mal am Tag muss der Zoll am Bremer Flughafen eingreifen - der häufigste Grund: Cannabis. Der Drogenspürhund Rocky trägt seinen Teil dazu bei, Schmugglern das Geschäft zu verderben.

Ein Leben ohne Rauschmittel? Es wäre ein deutlich langweiligeres Leben für Rocky. Rocky liebt Cannabis, er liebt Betäubungsmittel in all seinen Varianten. Und sie alle haben die gleiche Wirkung bei ihm. Dringt der Duft von Cannabis und Co in seine Nase, ist Rocky nur noch schwer zu halten. So wie jetzt, als er Schwanz wedelnd immer wieder zu seinem Herrchen schaut und gleichzeitig beginnt, mit den Krallen seiner Pfoten an dem Koffer zu kratzen, in dem er Haschisch wittert.

Rocky ist Drogenspürhund bei der Kontrolleinheit Flughafen Reiseverkehr des Hauptzollamtes (HZA) Bremen. Innerhalb von nicht einmal drei Minuten schnuppert sich der schwarze Labrador-Rüde an Koffern und Taschen von gut 100 Fluggästen vorbei und sucht nach Betäubungsmitteln.

Denn irgendwo müssen die Drogen ja herkommen, die zwischen Sielwalleck oder dem Kiosk an der Piepe vertickt werden. Und alles, was ins Land hinein- oder herausgeschmuggelt wird, fällt in den Aufgabenbereich des Zolls. Die Organisation des Zolls und seiner Fahnder allerdings ist komplex. Ob es die Fahnder des Zollfahndungsamtes (ZFA) Hamburg an den Bremerhavener Container-Terminals sind, die Kollegen des ZFA Essen im deutsch-niederländischen Grenzbereich, die Beamten des ZFA Hannover auf den Straßen und Wegen in und um Bremen herum – sie alle verfolgen das Ziel, die Wege der Drogen nach Bremen, durch Bremen hindurch oder an Bremen vorbei zu unterbinden.

Zwar wächst laut der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA) die Anzahl illegaler Indoor-Plantagen in allen europäischen Ländern kontinuierlich – und auch in Deutschland wird Cannabis für den Verkauf im Land angebaut. Der Zoll hat mit seiner Aufgabe, die Ein- und Ausfuhr zu kontrollieren, trotzdem nicht weniger zu tun. „Cannabis beschäftigt uns in Bremen am meisten“, sagt Jörg Klook, Zollfahnder in Bremen.

Deswegen benötigt der Zoll auch Hunde wie Rocky. Gemeinsam mit seinen tierischen Kollegen Ferro und Bossi ist er am Flughafen stationiert. Selbst wenn dies das Einsatzgebiet des Hauptzollamtes Bremen ist, helfen Rocky und Co auch den Fahndern des ZFA Hamburg oder Hannover, um sich durch Lkw-Laderäume auf der A1, A2 und A7 oder durch Schiffscontainer zu schnüffeln. Laut der EMCDDA gelten Belgien und die Niederlande als Hauptumschlagplätze für Cannabisprodukte in Europa, neben den Ländern des westlichen Balkans. Die meisten Abnehmer finden sich im Vereinigten Königreich – und in Deutschland. „Kriminalität macht vor den Grenzen keinen Halt“, heißt es im ZFA Hannover. Auch die Drogenkriminalität nicht. Und es ist das Ziel der Zollarbeit, diese grenzüberschreitenden Aktivitäten möglichst erfolgreich zu überwachen. Und deshalb ist es gut, dass es Rocky gibt.

Rocky: so schnell wie zehn Beamte

Rocky findet schneller und effektiver als ein Zollbeamter heraus, ob jemand versucht, Drogen ins Land hinein oder aus dem Land herauszuschmuggeln. In der täglichen Arbeit ersetzt er zehn Beamte, schätzt sein Chef Volker Droste, der Leiter der Kontrolleinheit Flughafen.

Der Flughafen-Zoll in Bremen ist die letzte Kontrollinstanz für Flugreisende. Denn viele Passagiere sind schon an den großen internationalen Drehkreuzen in London und Paris oder Amsterdam, Frankfurt und München umgestiegen und sind dort kontrolliert worden. Reisende von Übersee haben an diesen Umstiegsflughäfen schon einige Zollkontrollen hinter sich gebracht. Und anders als in Bremen gibt es dort nicht nur eine, sondern in der Regel drei Kontrolleinheiten: eine am Rollfeld, eine in Zivil und eine am Ausgang.

Viel ist es deshalb nicht, was Rocky und die 22 Beamten des Flughafen-Zolls an Drogen in den Koffern der 8000 Reisenden, die im Durchschnitt täglich den Bremer Flughafen nutzen, aufspüren. Insgesamt machen sie pro Jahr 1600 Aufgriffe. Die reichen von Verstößen gegen das Artenschutzabkommen bei Einfuhr seltener oder geschützter Pflanzen und Tiere bis hin zu Zigarettenschmuggel. Und immer mal wieder entdecken die Drogenspürhunde um Rocky auch Marihuana, Haschisch oder fertig gerollte Joints. Während die Beamten nur stichprobenartig in die Koffer der Reisenden schauen können, beschnuppert ein Drogenspürhund das gesamte Gepäck.

Maximal fünf Mal schnüffeln am Tag

In einer Halle direkt am Rollfeld des Flughafens Bremen stehen die Koffer und Taschen aus der Amsterdam-Maschine, die soeben in Bremen gelandet ist. Und tatsächlich wird Rocky fündig. Rockys Herrchen ist der Zollbeamte Sebastian Schröter. Er heißt eigentlich aber, seinen echten Namen will der Zoll nicht in der Zeitung lesen. Schröter bringt den Hund in den Platz, und öffnet einen kleinen, schwarzen Reise-Trolley, dessen Stoffbezug allerlei Macken aufweist – als hätte er schon viele Reisen hinter sich. Innen drin eine kleine Stoffrolle, in die eine kleine Fotodose eingewickelt ist. Darin: 20 Gramm Haschisch.

Doch der einzige, der sich über diesen Fund freut, ist Rocky. Schröter hält ihm die Stoffrolle hin, wirft sie durch die Halle, lässt sie sich von Rocky zurückbringen. Jetzt ist Zeit zu spielen. Das Haschisch gehört dem Zoll, wie auch der Koffer. Es ist eine Probe, die Rockys Suchtrieb befriedigt. Das Spiel ist die Belohnung für Rockys Nasenarbeit.

Was schnell geht und spielend leicht aussieht, ist für Rocky höchste Anstrengung. Seine Nase vollbringt in der kurzen Zeit eine Höchstleistung. Bevor Schröter ihn nun an dem Gepäck einer weiteren Maschine vorbeischickt, ist erst einmal eine satte Pause nötig. Häufiger als fünf Mal kann der Labrador in Schröters Acht-Stunden-Schicht nicht an die Koffer geschickt werden. Deswegen hat er mit Bossi und Ferro auch noch zwei Kollegen, mit denen er sich die Drogensuche teilt. Die stehen auch mal schon an der Schleuse zwischen Rollfeld und Gepäckabholung – falls ein Reisender etwas im Handgepäck oder den Hosentaschen verstaut hat. Rührt sich ein Hund, ist den Beamten klar, da muss noch einmal genauer nachgeschaut werden.

"Alles kann man nicht entdecken"

Jeder der drei Hunde wird in der Familie eines Zollbeamten gehalten. Für die Anschaffung, den Unterhalt und die Ausbildung der Hunde kommt allerdings der Zoll auf. Viel Geld, das investiert wird. Lohnt sich das Halten der Hunde bei den geringen Mengen, die am Flughafen gefunden werden? Na klar, sagt Volker von Maurich, Pressesprecher des Hauptzollamtes Bremen. An einem kleinen Flughafen wie Bremen sei die Wahrscheinlichkeit, Drogen zu entdecken, größer als an den Drehkreuzen. Schließlich gebe es weniger Passagiere. Und letztlich werden potenzielle Schmuggler abgeschreckt, wenn sie wissen, ein Hund checkt ihre Taschen. Rocky bekämpft den Drogenschmuggel also schon durch seine bloße Präsenz.

Mit dem Erfolg des Zolls bei Drogenaufgriffen ist das allerdings so eine Sache. Zwar listet die Presseabteilung alljährlich auf, welche Drogen und wie viel von ihnen sichergestellt wurden. Im Zoll-Terminus gesprochen liegen diese Zahlen im kriminalistischen Hellfeld. Das Problem ist aber der böse Bruder des kriminalistischen Hellfelds: das kriminalistische Dunkelfeld. Man könne von den bekannten Zahlen eben nicht darauf schließen, welche Mengen an Drogen in der Welt und vor allem in und um Bremen sonst noch unterwegs seien. Die Zollbeamten sind sich bewusst: „Alles kann man nicht entdecken“ Wenn sie also über Erfolge sprechen, fällt gern das Wort „Nadelstich“. Der Chef des Flughafen-Zolls, Volker Droste, formuliert es so: „Die Arbeit ist nicht sinnlos.“

Denn die Beamten haben einen klaren Auftrag, den sie auf Anfrage abspulen: „Schutz der Bevölkerung, Schutz der heimischen Wirtschaft.“ Es ist ihr Job, geltendes Recht durchzusetzen. Und so sind sie sich sicher: „Jedes Kilo entscheidet, das wir vom Markt nehmen und das nicht zum Verbraucher kommt“, sagt ein Pressesprecher des ZFA Hannover.

Zoll: Jugendliche müssen geschützt werden

Doch immer wieder monieren Befürworter einer Cannabis-Legalisierung, der bürokratische Aufwand sei hoch, binde viele Ressourcen. Allein daher sei eine Entkriminalisierung von Cannabis-Konsum sinnvoll. Eine Zahl, die die These zu stützen scheint: 80 Prozent aller Drogen, die in Europa sichergestellt werden – Polizei und Zoll zusammengefasst, sind laut EMCDDA Cannabis-Produkte.

Aber nicht nur offiziell, sondern auch intern ist die Haltung des Zolls weitestgehend eindeutig: Sobald eine sichergestellte Menge Cannabis den Eigenbedarf deutlich überschreite, sei jegliches Verständnis für den Besitzer der Drogen erloschen, erzählt ein Zollfahnder, der ungenannt bleiben möchte. Erwachsenen traut der Fahnder in diesem Rahmen zwar einen verantwortungsbewussten Konsum zu, doch die Arbeit in der Fahndung bringe immer wieder auch Fälle ans Licht, in denen Jugendliche unter den Folgen des Konsums litten. Deswegen sei es sinnvoll, sie zu schützen. Auch dadurch, dass eine kontrollierte Abgabe, wie sie die rot-grüne Koalition ins Spiel gebracht hat, unterbunden wird. „Ist das Zeug erst mal auf dem Markt, sind die Wege zu den Jugendlichen kurz“, erklärt der Fahnder. Überhaupt sei die Diskussion um die Abgabe für die Arbeit des Zolls unerheblich. Der Schmuggel bliebe schließlich weiterhin verboten.

Dass die Bremer trotzdem Cannabis konsumieren, daran ändert das allerdings nichts. Das bekommt auch Rocky mit. Wenn Sebastian Schröter ihn in den Grünanlagen vor dem Flughafen spazieren führt, dann beginnt Rocky regelmäßig, die Rasenfläche aufzukratzen und aufgeregt mit dem Schwanz zu wedeln. Manch ein Fluggast, ist sich Schröter sicher, raucht vor einem Flug im Schutz der Bäume und Sträucher noch schnell einen Joint und wirft ihn dort hastig auf den Boden.

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