Wagen im Wandel Bremen Classic Motorshow dieses Jahr online

Wagen im Wandel: Die Bremen Classic Motorshow trumpft bei ihrer Veranstaltung im Internet mit einer Idee auf. Ausgestrahlt wird die Sendung am 6. Februar.
31.01.2021, 05:00
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Bremen Classic Motorshow dieses Jahr online
Von Jürgen Hinrichs

Biedermann und Brandstifter. Beide im selben Schoß geboren, und doch so unterschiedlich. Anderes Wesen, andere Ausstattung. Ein Bruderpaar, das Antagonisten vereint – und genau so soll es sein, das ist die Idee der Bremen Classic Motorshow (BCM), die wegen Corona in diesem Jahr nur im Netz stattfindet. Der eine Wagen könnte aus der Garage von Opa kommen, scheckheftgepflegt, strahlend weiß, und schon deshalb die Unschuld vom Lande. Der andere ist böse schwarz, aufgemotzt bis zum geht nicht mehr, mit einem Spoiler am Heck, übergroßen Reifen, einer heruntergezogenen Stoßstange und dicken Kotflügeln. Ein Angeber, der jede Zurückhaltung aufgibt. Nicht aus Selbstzweck, im Gegenteil, es gibt Gründe für diesen Auftritt: Das Auto ist ein Rennwagen.

Da stehen sie jetzt nebeneinander, im Scheinwerferlicht und als Teil einer kleinen Show, die in Halle 4 der Messe an der Bürgerweide mit Kameras aufgenommen wird. Eine Inszenierung mit Moderator und Gast, der zusammen mit seinem Auto den Brandstifter mimt. Ein bisschen Drama, ein bisschen Emotion, damit das keine blutleere Veranstaltung wird, wenn die BCM sozusagen offroad über die Bühne geht. Keine Schrauber, die ihre Köpfe zusammenstecken, kein Geruch nach Fetten und Öl, nirgendwo ein Motor, der aufheult, oder doch, das kriegen sie wohl auch im Internet hin, wenigstens das. Messe in Moll, aber es gibt sie immerhin. Fünf Stunden Unterhaltungsprogramm auf der Homepage der BCM, und Handel wird am 6. Februar zwischen 15 und 20 Uhr auch getrieben.

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Jörg Hatscher ist der Mann mit dem Rennwagen. „Ich war schon als Kind verrückt nach Autos“, erzählt der 59-Jährige. Sein Platz im Leben ist der hinterm Lenkrad, das hat Hatscher schnell gemerkt und als Taxifahrer angefangen. Heute führt er in Oldenburg ein Unternehmen mit 100 Mitarbeitern, das Fahrzeuge mit Sonderausstattungen bestückt. Nebenbei frönt er dem Rennsport, ist sehr erfolgreich dabei, und sammelt solche Autos wie diesen schwarzen Mercedes 190E. „Vor 30 Jahren war das eine Ungeheuerlichkeit, das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen“, sagt Hatscher.

235 PS, die es in der Spitze auf eine Geschwindigkeit von 250 km/h bringen. Dazu das Outfit, ein tiefer gelegter Bolide, der mit möglichst wenig Luftwiderstand unterwegs ist. Ein Ungetüm, irgendwie, sündhaft. Und teuer: Als der Sammler den Wagen vor zehn Jahren kaufte, lag er bei 25.000 bis 30.000 Euro, erzählt Hatscher. Heute liege der Preis bei annähernd 400.000 Euro. „Für mich ist das aber rein hypothetisch, weil ich nicht verkaufen werde, auf keinen Fall.“ Er habe zehn solcher Autos zu Hause stehen, auch zwei Audi 100, „zu jedem einzelnen habe ich eine persönliche Beziehung“.

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Das schwarze Biest ist in dieser Ausführung exakt 502mal gebaut worden, weiß der Sammler. „Mercedes ist damals wieder in den Rennsport eingestiegen. Um an der Deutschen Tourenwagen Meisterschaft teilnehmen zu dürfen, musste von dem Wagen eine Mindestzahl für den normalen Straßengebrauch produziert werden.“ 500 Stück, es sind zwei mehr geworden.

Hatscher pflegt das rare Stück Blech mit Pommestheke, wie der Spoiler bespöttelt wird, mit der Akribie eines wahren Liebhabers. Als der Auftritt in Halle 4 beendet ist, düst er mit dem Wagen nicht über die Autobahn zurück nach Oldenburg, sondern lässt mit aller Vorsicht transportieren. Das gepellte Ei soll nur ja keinen Schaden nehmen. So wenig wie später der Baby-Benz. Auch er steht wie geleckt da. Das Pendant zum PS-Protz. Dieselbe Baureihe mit der Nummer 201, produziert in den Mercedes-Werken von Sindelfingen und Bremen, aber mit der Bravheit einer massentauglichen Kompaktklasse. Der Wagen zeigt klare Kante, ein geradliniges Design, schon fast puristisch. Er ist kleiner als seine Vorgänger, leichter und wirtschaftlicher. Reduktion statt Verschwendung. Biedermann statt Brandstifter.

In der nächsten Generation wird die C-Klasse draus. Aber das ist eine andere Geschichte, hat viel mit Bremen zu tun, und irgendwann sicher auch mit der BCM.

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Zur Sache

Veranstalter wollen Geschichten erzählen

Eine in ihre Einzelteile zerlegte englische Rudge Special 1937/38, deren Besitzer im Zweiten Weltkrieg gefallen ist, oder der Trabant 601, mit dem ein Vater-Tochter-Duo aus Schwanewede eine Rallye durch 20 Länder gefahren ist – es sind Geschichten wie diese, die die Macher der Bremen Classic Motorshow in diesem Jahr über ihre zwei- oder viermotorigen Ausstellungsstücke erzählen wollen.

Coronabedingt wird aber auch diese Veranstaltung am Sonnabend, 6. Februar, in der Zeit von 15 bis 20 Uhr ins Internet verlegt. Oldtimer-Liebhaber können den Live-Stream und den Marktplatz kostenfrei und ohne Registrierung über www.classicmotorshow.de aufrufen und sie können während der Zeit ihre Fragen per Chat, Mail oder unter der Telefonnummer 0421 / 350 55 25 zu den jeweiligen Sendungen stellen.

Die Angebote des Marktplatzes mit mehr als 1000 Inseraten werden auch nach der Veranstaltung noch bis zum 1. Mai online zur Verfügung stehen – es sei denn, die Fahrzeuge und Teile sind bereits verkauft.

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