Kathrin Aldenhoff über Geburtshelfer

„Ein Skandal, dass in Deutschland Hebammen ein Glücksfall sind“

Dass wir ein Hebammen-Team haben, das uns so gut betreut, ist ein Glücksfall, das weiß ich inzwischen. In Deutschland gibt es zu wenige Hebammen.
13.08.2017, 11:47
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„Ein Skandal, dass in Deutschland Hebammen ein Glücksfall sind“
Von Kathrin Aldenhoff
„Ein Skandal, dass in Deutschland Hebammen ein Glücksfall sind“

Symbolbild.

dpa

Eines schon mal vorweg: Das ist ein Loblied. Auf Frauen, die in ihrem Beruf ruhig bleiben müssen, trotz der vielen Verantwortung, die sie tragen, die Tag und Nacht erreichbar sein müssen, die ihre Arbeitszeit nicht planen können. Weil Babys sich eben nicht an errechnete Geburtstermine und statistische Durchschnittswerte zur Dauer einer Geburt halten. Das ist ein Loblied auf die Hebammen.

Wir sind so glücklich, dass wir sie haben: unsere Hebammen. Ein kleines Team betreut uns während der Schwangerschaft, bei der Geburt unserer Tochter und im Wochenbett. Wir treffen sie zu Gesprächen und Vorsorgeuntersuchungen, sie beraten uns, bei ihren Besuchen während des Wochenbetts beantworten sie Fragen über Fragen. Freundlich, geduldig und kompetent. Für uns ist ihre Hilfe sehr wertvoll, gerade weil die Großeltern unserer Tochter weit weg wohnen und wir auf deren Erfahrung nicht ständig zurückgreifen können.

Dass wir ein Hebammen-Team haben, das uns so gut betreut, ist ein Glücksfall, das weiß ich inzwischen. In Deutschland gibt es zu wenige Hebammen. Manche Paare suchen lange nach einer, manche umsonst. Denn viele geben ihren Beruf auf: zu hohe Beiträge zur Haftpflichtversicherung, mehr als 7000 Euro im Jahr, zu niedrige Vergütungssätze.

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Ich war froh und glücklich, bei der Geburt meiner Tochter eine Hebamme bei mir zu haben, die mich kennt und die ich kenne. Eine, die ich dreimal anrufen konnte, als ich sicher war, jetzt ist es aber so weit, jetzt geht es bestimmt gleich los. Die dreimal bei uns zu Hause vorbeikam, sich alles anhörte, sich den Zettel ansah, auf dem mein Freund notiert hatte, wie oft die Wehen kommen und wie lange sie dauern. Die mich untersuchte und zweimal sagte: Ein bisschen Geduld müsse ich noch haben, wir seien erst ganz am Anfang. Eine Hebamme, der ich vertraue, die nur für mich da war und nicht zwischendurch zu einer anderen Schwangeren musste.

So eine Hebamme wünsche ich jeder Frau. Und es ist ein Skandal, dass es in einem reichen Land wie Deutschland wegen der schwierigen Arbeitsbedingungen für Hebammen ein Glücksfall ist, eine zu finden.

Kathrin Aldenhoff ist Redakteurin der Lokalredaktion des WESER-KURIER. Im Sommer hat sie ihr erstes Kind bekommen. Jeden Sonntag schreibt sie an dieser Stelle über ihre Erlebnisse als Mutter.

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