Interview zur Sporthalle Föhrenbrok „Ein Versagen der Stadt“

Heiko Strohmann, der Vorsitzende der Sportgemeinschaft Grambke-Oslebshausen, wirft der Sportsenatorin Versäumnisse im Umgang mit der maroden Turnhalle Föhrenbrok vor.
11.04.2018, 17:33
Lesedauer: 3 Min
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Von Klaus Grunewald
Herr Strohmann, Grambker Bürger schlagen vor, die Föhrenbrok-Halle auch mit ehrenamtlicher Hilfe so weit zu sanieren, dass sie noch einige Jahre genutzt werden kann. Ist das realistisch?

Heiko Strohmann: Ich glaube nicht, aber das ist auch nicht die entscheidende Frage. Der SV Grambke-Oslebshausen wurde im Stich gelassen. Wir haben als Vorstand 2013 ein Konzept mit Kostenplan vorgelegt. Die damalige Summe von 268 000 Euro wurde von der Stadt genehmigt, aber nicht ausgezahlt. Aufgrund von Kostensteigerung seit 2013 ist die damals genehmigte Summe auch nicht mehr realistisch.

Besagte Bürger argumentieren, die Halle sollte so lange für den Sport zur Verfügung stehen, bis eine neue Halle bei der Grundschule Grambke gebaut worden ist. Könnte der SV Grambke-Oslebshausen sich für diesen Plan erwärmen, wenn das Sportressort mitzieht, also Geld lockermacht?

Noch mal, wenn das Geld ausgezahlt worden wäre, würden wir das Problem nicht haben. Der Zustand der Föhrenbrok-Halle ist ausschließlich ein Versagen der Stadt. Der SVGO ist unverschuldet in diese Misere geraten.

Haben sich eigentlich die Eigentumsverhältnisse geändert, nachdem das Sportamt beschlossen hat, in den nächsten fünf Jahren die Schuldentilgung für die Halle zu übernehmen?

Nein, der Sportnutzungsvertrag wird beendet.

Wenn Bremen jährlich 21 000 Euro an Schulden tilgt, sind das in fünf Jahren 105 000 Euro. Bleibt eine Restsumme von gut 200 000 Euro. Muss die vom SVGO bei den Banken beglichen werden, und welche Perspektive hat dann der Verein?

Wir haben einen klaren Beschluss der Mitglieder: Wir zahlen nicht für das Unvermögen der Stadt. Wir wollen als Verein integrative und sportliche Angebote insbesondere für Kinder und Jugendliche machen. Sollte die Sportsenatorin den Verein weiter am langen Arm verhungern lassen, ist das perspektivisch unmöglich. Das ist nicht nur für unsere Ortsteile traurig, sondern auch für meine Mitglieder, die mit viel Engagement dabei sind.

Die Föhrenbrok-Halle wird angeblich seit rund vier Jahren nicht mehr beheizt, was für die Substanzerhaltung des Gebäudes sicherlich nicht förderlich gewesen ist. Der SV Grambke-Oslebshausen hat laut ­Sportressort 15 000 Euro für die Erneuerung des maroden Öltanks erhalten, davon aber keinen Gebrauch gemacht. Wo ist der Geldbetrag geblieben, der jetzt in Raten zurückgezahlt werden soll?

Der Heizöltank war ein Teil des Sanierungskonzeptes. Soweit ist die Aussage des Sportressorts nicht richtig, denn diese Summe sollte mit den zusätzlichen Architektenkosten verrechnet werden. Ansonsten werde ich mich über den Wahrheitsgehalt von Aussagen des Sportressorts nicht äußern. Es wurde schon viel behauptet. Nur eine kleine Anmerkung am Rande: Wir haben die Sporthalle durchaus in den letzten Jahren mit einer mobilen Heizanlage ausreichend beheizt.

Obwohl sie angeblich auch wegen Gesundheitsgefahren, besonders Schimmelbildung geschlossen worden ist, wird die Föhrenbrok-Halle immer noch von Tennis-und Handballspielern sowie Jugendkickern selbst aus einem anderen Verein genutzt? Wie ist das zu erklären? Verfügt der SVGO nicht mehr über die Schlüsselgewalt?

In einem Verein spielt Vertrauen und Selbstorganisation eine große Rolle. Dass langjährige Mitglieder dieses Vertrauen missbrauchen, ist sehr traurig. Ansonsten wurde die Halle in bestimmten Situationen von unseren Mitgliedern genutzt. Dass fremde Vereine die Halle nutzen, ist versicherungstechnisch ein Problem. Wir mussten reagieren und haben es getan. Auch hier eine kleine Anmerkung von mir: Die Halle ist nicht wegen Gesundheitsgefährdung geschlossen. Doch fast alle Mannschaften haben die von uns zur Verfügung gestellten Ersatzzeiten angenommen und insofern ist die Frequentierung der Halle eigentlich nur noch sehr gering. Das bedeutet aber nicht, dass wir für alle Mannschaften eine zufriedenstellende Lösung bezüglich der Trainingszeiten gefunden haben.

Die Hallenmisere in Grambke und Oslebshausen ist groß. Sanierungsmaßnahmen und Neubauten lassen auf sich warten. Welche Auswirkungen hat das für den SV Grambke-Oslebshausen und was muss aus Ihrer Sicht geschehen?

Der Schaden ist immens. Indem die rot-grüne Regierung ihr Versprechen gebrochen und die 268 000 Euro für die Sanierung nicht zur Verfügung gestellt hat, drohen der Schul- und Vereinssport zusammenzubrechen. Aber auch finanziell ist es ein Desaster, nicht nur für uns als Verein. So wie es jetzt aussieht, wird die Stadt die Kreditzahlungen über Jahre hinaus leisten müssen. Und was dann im Endeffekt mit der Halle passiert, Abriss und vielleicht auch ein Neubau, kann schnell Millionen kosten. Vernünftig ist das nicht, wenn man bedenkt, dass Alternativen vorhanden waren.

Das Gespräch führte Klaus Grunewald.

Info

Zur Person

Heiko Strohmann

ist 50 Jahre alt und Vorsitzender des SV Grambke- Oslebshausen. Der gebürtige Rostocker gehört der CDU-Bürgerschaftsfraktion an und ist Sprecher für Verkehr, Energie, Senioren und Aussiedler.

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