Falsche Polizisten

Fast zwei Millionen Euro Beute in einem halben Jahr

Auch wenn zahlreiche Versuche scheitern, bleiben die falschen Polizisten am Telefon erfolgreich. Ein Prozess am Bremer Landgericht offenbart, welche unglaublichen Summen sie dabei erbeuten.
21.03.2019, 18:30
Lesedauer: 2 Min
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Fast zwei Millionen Euro Beute in einem halben Jahr
Von Ralf Michel
Fast zwei Millionen Euro Beute in einem halben Jahr

Die Polizei intensiviert ihre Präventionsmaßnahmen, um ältere Menschen vor den Tätern zu warnen und über deren Methoden aufzuklären.

Martin Gerten/DPA

Die Betrugsmasche „falsche Polizisten“ ist seit Monaten Dauerthema in den Medien. Zugleich intensiviert die Polizei ihre Präventionsmaßnahmen, um ältere Menschen vor den Tätern zu warnen und über ihre Methoden aufzuklären. Trotzdem bleiben die Betrüger erfolgreich. Insgesamt 1.946.000 Euro sollen die vier Männer, die seit Donnerstag vor dem Landgericht stehen, innerhalb von nur sechs Monaten erbeutet haben, bevor sie der Polizei ins Netz gingen. 14 erfolgreiche Betrügereien listet die Staatsanwaltschaft auf, darunter folgende Fälle:

Am 17. April 2018 verschrecken die falschen Polizisten eine 91-Jährige aus Hamburg am Telefon mit einer Geschichte von einem geplanten Überfall auf ihre Bank so sehr, dass sie 25 Goldbarren, zehn Krügerrand-Goldmünzen, 8000 Euro Bargeld und 8770 Schweizer Franken aus ihrem Schließfach holt, alles in eine Tasche packt und diese einem der Täter übergibt. Gesamtwert: 475 000 Euro.

Am 5. Juli 2018 ist ein 83-jähriger Bremer das Opfer. Er deponiert 30 000 Euro auf dem Reifen eines parkenden Pkw. Anschließend lotsen die Täter ihn in die Vahr zum Polizeipräsidium. Dort soll er dreimal hupen. Als er auch das tut, wird er am Telefon gefragt, ob er die Sendung „Verstehen Sie Spaß?“ kenne. Dann legen die Täter auf.

Am 31. Juli 2018 überzeugen die Täter ein Ehepaar aus Hamburg, 76 und 74 Jahre alt, davon, dass ihr Name auf einer Liste einer flüchtigen rumänischen Diebesbande gefunden wurde. Die Eheleute fahren um Mitternacht zu einer Autobahnraststelle und deponieren dort einen Beutel mit 75 Krügerrand-Goldmünzen im Wert von etwa 80 000 Euro auf einer Toilette.

Am 1. August 2018 wird ein 79-Jähriger aus Alsterdorf vor einer rumänischen Diebesbande und ihrem Komplizen bei der Bank des Mannes gewarnt. Er holt vier Goldbarren aus seinem Schließfach, packt sie in eine Tasche und legt diese auf den Beifahrersitz seines Wagens. Den Pkw stellt er unverschlossen auf einem Lidl-Parkplatz ab. Beute: 136 120 Euro.

Zwischen dem 1. und 20. August 2018 melden sich die Täter mehrfach bei einer 77-Jährigen in Braunschweig. Wieder ist von der Bedrohung durch rumänische Straftäter und einem Bankmitarbeiter die Rede, der mit ihnen unter einer Decke steckt. Die Täter überreden die Frau, mehrere Bankdepots aufzulösen, sich das Geld auszahlen zu lassen und es hinter einem Altglascontainer zu deponieren. Dreimal folgt die Frau den Anweisungen der Täter. Beim ersten Mal legt sie 202 000 Euro hinter den Glascontainer, dann 470 000 und beim dritten Mal 274 000 Euro.

Auch bei einen 87-Jährigen aus Hamburg melden sich die falschen Polizisten im August 2018 zweimal. Nach dem ersten Anruf deponiert er tatsächlich 210 000 Euro in einer Mülltonne gegenüber seinem Haus. Als das Geld verschwunden ist, wird er misstrauisch und meldet sich bei der Polizei. So kann die beim nächsten Anruf mithören. Diesmal soll der 87-Jährige 225 000 Euro per Taxi von Hamburg nach Bremen bringen. Doch die Täter merken am Verhalten des Mannes, dass die Polizei ihnen auf den Fersen ist und brechen den Betrug ab. Nicht ohne ihrem Opfer zuvor damit zu drohen, eine Handgranate in sein Haus zu werfen. Die mithörenden Polizisten werden verhöhnt. „210 000 Euro – für euch bedeutet das ein ganzes Leben Arbeit, ihr Hurensöhne. Wir kaufen uns davon Autos.“

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