Schutz aus fünf Lagen

Was Sie über die FFP2-Masken wissen müssen

In Bremen wurden sie bereits kostenlos an Seniorinnen und Senioren verteilt: Die Diskussion um FFP2-Masken ist derzeit weit verbreitet. Doch wozu sind die Stoffstücke gut?
19.01.2021, 12:43
Lesedauer: 6 Min
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Was Sie über die FFP2-Masken wissen müssen
Von Mario Nagel
Was Sie über die FFP2-Masken wissen müssen

FFP2-Masken filtern mindestens 95 Prozent der Partikel aus der Luft, die größer als 0,6 Mikrometer (μm) sind.

Frank Rumpenhorst

Wie funktioniert die FFP2-Maske, was unterscheidet sie von anderen Schutzmasken, und gibt es überhaupt genug für alle? Und warum werden sie in Bremen nun über Apotheken verschenkt, obwohl die Bundesregierung noch im Frühjahr dringend darum gebeten hatte, zugunsten der Mitarbeiter im Gesundheitswesen auf den Gebrauch von FFP2-Masken zu verzichten? Antworten auf die wichtigsten Fragen.


Wie funktionieren FFP-Masken – und wie hoch ist der Schutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus?

FFP-Masken bestehen aus dem Kunststoff Polypropylen, ei­nem stabilen Material, welches die Partikel aus der Luft filtert. Dabei wird zwischen verschiedenen Schutzklassen unterschieden: FFP1 filtert bis zu 80 Prozent, FFP2 ­mindestens 95 Prozent und FFP3-­Masken mindestens 99 Prozent der Partikel aus der Luft, die größer als 0,6 Mikrometer (μm) sind. Die Masken der Klasse FFP2 oder FFP3 schützen laut dem Robert Koch-Institut (RKI) vor einer Infektion mit dem Coronavirus. Wichtig ist das aufgedruckte CE-Zertifikat mit der vierstelligen Kennnummer auf der Maske, das auf die Prüfvorgaben der Europäischen Norm EN 149 hinweist.

Bayern setzt auf eine FFP2-Maskenpflicht in Bussen, Bahnen und Geschäften - was macht Bremen?

Aufgrund hoher Inzidenzwerte gilt seit dem 18. Januar in Bayern die Pflicht zum Tragen einer FFP2-Maske in Bussen, Bahnen und Geschäften - eine Idee, die in Bremen ebenfalls Gefallen findet. „Das liegt ganz auf unserer Linie“, sagt Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD). FFP2-Masken seien nicht nur ein wirksamer Fremdschutz, sondern auch ein effektiver Eigenschutz – und damit ein wichtiger Beitrag zur Eindämmung der Pandemie. Ob eine entsprechende Regelung auch bundesweit zu realisieren ist, darüber entscheiden am Dienstag Bund und Länder. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sieht die eigene Regelung jedoch als mögliche Blaupause für eine bundesweite Vereinbarung.

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Was unterscheidet FFP2-Masken von anderen Masken?

Die Masken unterscheiden sich laut Andreas Dotzauer, Virologe der Universität Bremen, durch das Material, verschieden starke Lagen und die Füllmaterialien. FFP2-Masken haben zum Beispiel eine elektrostatisch aufgeladene Schicht. „Diese dient dazu, Viren zu binden, und bietet somit eine bessere Filterleistung.“ Die FFP2-Maske liegt zudem enger am Gesicht an und bietet dadurch einen noch höheren Schutz. „Den Unterschied zwischen einer OP- und einer FFP2-Maske merken vor allem Brillenträger. Bei einer FFP2-Maske beschlägt die Brille nämlich kaum“, sagt Dotzauer.

Sind die FFP2-Masken nur in Apotheken erhältlich?

Nein, die FFP2-Masken gibt es unter an­derem auch in normalen Supermärkten, aber auch in Baumärkten. Sie werden auch als Schutz vor Feinstaub von Handwerkern verwendet. Zu kaufen gibt es sie in kleinen Mengen, aber auch in Packungsgrößen mit 20 Masken – der Preis für ein solches Paket kann dann bei 50 Euro liegen, also bei 2,50 Euro pro Maske.

Bieten die Masken aus den Baumärkten den gleichen Schutz wie die aus Apotheken?

Masken mit der Kennzeichnung FFP2 oder KN95 haben eine identische Schutzklasse, sagt Lukas Fuhrmann, Sprecher des Bremer Gesundheitsressorts. Es gebe jedoch unterschiedliche Formen oder Bau­muster, ­weshalb immer die genannten Hinweise gelten.

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Worauf muss man beim Gebrauch der FFP2-Maske achten?

Die Masken müssen perfekt sitzen und rundherum mit der Haut abschließen. Dafür sind folgende Schritte wichtig:

– Die Hände vor dem Aufsetzen und Abnehmen der Maske gründlich waschen.

– Die Maske öffnen und den Nasenclip mit einem Finger vorformen.

– Mit dem Kinn in die Maske einsteigen und sie danach über die Nase ziehen.

– Die Schlaufen hinter den Ohren platzieren und die Maske dabei nicht anfassen.

– Den Nasenclip mit beiden Zeigefingern anpassen.

Bei einem erneuten Aufsetzen muss eine Kontamination des Gesichts, also vor allem der Nase, des Mundes sowie der Augen, vermieden werden.

Wie lange darf die FFP2-Maske getragen werden?

Bei der Maske handelt es sich um ein Einwegprodukt. Sie ist daher spätestens dann zu entsorgen, wenn der Stoff durchfeuchtet ist oder die Innenseite der Maske verschmutzt ist, sagt Lukas Fuhrmann. Darüber hinaus sollte die FFP2-Maske maximal 75 Minuten ohne Pause getragen werden, da aufgrund der Dichtheit ein erhöhter Atemwiderstand zu überwinden ist.

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Wie kann ich die FFP2-Maske reinigen?

Ob die Maske nach dem Tragen erneut genutzt werden kann, darüber gibt es unterschiedliche Ansichten. Andreas Dotzauer mahnt, dass die Maske nicht gereinigt oder ge­waschen werden sollte, da sie dann ihre Filter­wirkung verliere. Er rät sowohl vom Desinfizieren, vom ­Waschen und auch vom Aufbereiten der FFP2-Masken ab, da sich nicht nur das ­Material verziehe, sondern auch die elek­trostatische Ladung der Maske verloren gehe. Auch eine Aufbereitung bei Hitze zum Beispiel in der Mi­krowelle oder im Backofen sei nicht empfehlenswert, da das Material darunter leide und die Schutzwirkung deutlich sinke.

Auch FFP2-Masken sind Einwegprodukte, ausgelegt als Arbeitsschutz für eine Acht-Stunden-Schicht. „Für den privaten Bereich im Alltag kann die Maske allerdings auch öfter benutzt werden, etwa für den Einkauf oder die Fahrt zur Arbeit mit dem öffentlichen Nahverkehr“, heißt es vom TÜV-Verband (VdTÜV). Um das hygienisch perfekt zu machen, braucht es den Angaben nach sieben FFP2-Masken, für jeden Wochentag eine. Denn eine Maske sollte eine Woche trocknen – dann sei die mögliche Viruslast auf ein vertretbares Maß minimiert.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte verweist in einer Studie mit der Fachhochschule Münster und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster neben der einwöchigen Trocknung an der Luft auf ein von ihm gefördertes Forschungsprojekt der Fachhochschule Münster und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, in dem Verfahren untersucht wurden, durch die sich das Infektionsrisiko bei einer erneuten Nutzung der Masken deutlich reduzieren lasse. Zwei Vorgehensweisen werden dabei als geeignet beschrieben: das Wiederaufbereiten im Ofen und das Lufttrocknen. (Die Studien-Empfehlung zur Reinigung der FFP2-Masken können Sie hier sehen)

Bei der Ofenvariante, die nicht für formstabile Modelle mit Körbchen oder Masken mit Ventil taugt, kommen die Masken für eine Stunde auf einem Rost bei 80 Grad Ober- und Unterhitze in die Röhre. Anhaftende Sars-CoV-2-Viren können dadurch den Forschern zufolge vollständig „inaktiviert“ werden – allerdings muss man es bei der Temperatur genau nehmen. Ist es zu heiß, kann das Material Schaden nehmen. Ist es zu kalt, überleben anhaftende Viren womöglich.

Wie wird die FFP2-Maske entsorgt?

Die Maske gehört in den Restmüll.

Wie sinnvoll ist das Tragen einer FFP2-Maske im Alltag?

Für Andreas Dotzauer macht es absolut Sinn, dass die gesamte Bevölkerung auf diese Masken zurückgreift. Aufgrund der hohen Infektionszahlen sei es wichtig, auf die Masken mit der größtmög­lichen Schutzwirkung zurückzugreifen. „Vor allem, weil viele Menschen gar nicht wissen, dass sie infiziert sind“, sagt der Virologe der Universität Bremen. Durch das Tragen der Maske würden zudem weniger Aerosole abgegeben und eingeatmet.

Sollten jetzt nur noch FFP2-Masken getragen werden?

„Nein“, sagt Andreas Dotzauer. Man solle sich stattdessen genau überlegen, in welchen Situationen die FFP2-Maske benutzt werden muss. Dort, wo zwar eine Mas­kenpflicht herrscht, aber nur wenige Menschen auf engem Raum sind, sei keine FFP2-Maske nötig. „Ich muss also nicht immer stur die FFP2-Maske aufziehen. Andere Masken können auch ausreichend sein, wenn es die Situation hergibt“, sagt Dotz­auer.

Im Frühjahr noch wurde die Bevölkerung gebeten, die FFP2- und FFP3-­Masken den Mitarbeitern im Gesundheitswesen zu überlassen, da sie Mangelware waren. Wie ist die Situation jetzt?

Zurzeit besteht keine Knappheit an FFP2-Masken, sagt Andreas Dotzauer. Die Masken würden derzeit in ausreichendem Maße in Europa und China produziert. „Ich habe auch keine Informationen, dass der Nachschub nicht gesichert ist“, sagt der ­Bremer Virologe. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums werden in Deutschland zurzeit gut 1,2 Milliarden Schutzmasken gelagert. In diesem und im kommenden Jahr wurden und werden laut dem Ministerium OP- und FFP2-Masken im Gesamtwert von 5,9 Milliarden Euro beschafft.

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