Maßnahmen gegen Corona Reine Stoffsache: Was man über Masken wissen muss

Aufgrund der aktuellen Corona-Lage wird dringendst empfohlen Mundschutzmasken zu tragen. Eine Übersicht soll erklären, welche Masken es überhaupt gibt, wie man sie richtig benutzt und wo man Masken kaufen kann.
17.04.2020, 06:00
Lesedauer: 5 Min
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Von Marc Hagedorn Und Nico Schnurr

Die Maskenpflicht kommt zumindest vorerst nicht. Im Kampf gegen das Coronavirus haben Bund und Länder entschieden, das Tragen von Schutzmasken im öffentlichen Nahverkehr und im Einzelhandel erst mal nur „dringend“ zu empfehlen. Eine Pflicht lehnt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) derzeit ab. „Wir müssen ja das, was wir fordern von den Bürgerinnen und Bürgern, auch wirklich umsetzen können“, sagte Merkel. Was sie damit auch gemeint haben dürfte: Noch gibt es offene Fragen, die einer Pflicht im Weg stehen. Die vielleicht größte: Woher sollen die ganzen Masken kommen, wenn alle eine tragen müssen?

Außer Frage steht inzwischen für die meisten Experten: Eine Maske ist sinnvoll, auch im Alltag von Privatpersonen. Abstandsregel und Handhygiene bleiben entscheidend – darüber sollte auch eine Maske nicht hinwegtäuschen. Sie ist eine Maßnahme unter vielen, die helfen kann, das Virus einzudämmen. Mit den Masken, so viel ist klar, soll der Tragende sich in erster Linie nicht selbst schützen, sondern die anderen. Doch welche Masken reichen dafür aus, welche sollten den Pflegekräften und Ärzten überlassen werden? Wie trägt man die Masken richtig, damit sie wirklich helfen? Wie näht man eine Maske, und welchen Stoff nutzt man dafür? Und wenn man dafür keine Zeit hat, wo kauft man sich dann einen Mundschutz in Bremen? Ein Überblick.

Welche Masken gibt es überhaupt

Vorweg: Maske ist nicht gleich Maske. Es muss grundsätzlich unterschieden werden zwischen den sogenannten FFP-Masken und dem Mund-Nase-Schutz (MNS-Schutz), auch OP-Masken genannt. FFP steht für Filtering Face Piece, also filterndes Stück fürs Gesicht. Es gibt drei Schutzklassen, FFP-1, FFP-2 und FFP-3. Diese Atemschutzmasken, ausgestattet mit Partikelfiltern, dienen dem Schutz des Trägers. Der MNS-Schutz dagegen dient zum Schutz der Umgebung vor Keimen, die der Träger durch Niesen und Atmen verteilen könnte.

FFP-1-Masken filtern mindestens 80 Prozent der in der Luft befindlichen Partikel, sie werden etwa im Bauwesen und in der Nahrungsmittelindustrie eingesetzt. FFP-2-Masken filtern mindestens 94 Prozent und kommen in der Metallindustrie und im Bergbau zum Einsatz. FFP-3-Masken schließlich filtern mindestens 99 Prozent der Partikel. Menschen in der Chemieindustrie tragen diese Masken.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO und das Robert-Koch-Institut empfehlen für den medizinischen Bereich mindestens die Schutzstufe 2. Grundsätzlich gilt: FFP-Masken ohne Ventil lassen keine Viren rein, erschweren aber das Atmen. Mit Ventil fällt das Atmen leichter, aber der Virenschutz ist etwas geringer.

Wie benutzt man die Masken richtig

Eine Atemschutzmaske ist nur dann wirksam, wenn sie korrekt angelegt wird. Vor dem Aufsetzen der Maske sollten die Hände gründlich mit Wasser und Seife oder einem geeigneten Desinfektionsmittel gereinigt werden. Die Maske muss gemäß der ihr beiliegenden Anleitung aufgesetzt werden. Sie muss Mund und Nase vollständig abdecken. Es muss sichergestellt sein, dass keine Lücken zwischen Gesicht und Maske vorhanden sind. Achtung: Für Bartträger ist das schwierig.

Um die Atemschutzmaske abzunehmen, muss sich der Träger der Maske zunächst in einen gefahrfreien Bereich begeben. Wichtig ist, die Maske schräg nach unten, leicht nach vorne gebeugt vom Gesicht abzunehmen. Sie sollte dann sofort in einen geschlossenen Behälter gegeben werden. Anschließend ist eine Reinigung der Hände mit Desinfektionsmittel oder mit Wasser und Seife nötig.

MNS-Masken sind als Einwegmasken gedacht für maximal acht Stunden. Dann müssen sie entsorgt werden, genauso für den Fall, dass sie zwischendurch nass werden. Generell gilt: Das Tragen von Masken entbindet nicht von der Pflicht, alle anderen Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen weiterhin strikt zu befolgen.

Was ist mit selbst genähten Masken

Sie sind neben FFP- und MNS-Masken eine dritte Möglichkeit. Selbst genähte Masken sind nicht so dicht wie MNS-Masken, fangen aber ebenfalls Tröpfchen ab und dienen zum Schutz der Umgebung. Die Universität in Cambridge empfiehlt, Masken aus Baumwoll-T-Shirts oder Kissenbezügen zu nähen. Diese Materialien sind am bequemsten zu tragen und passen sich dem Gesicht gut an.

Der Vorteil selbst genähter Masken: Sie können individuell gestaltet werden und sind wiederverwendbar. Man muss sie nach jedem Tragen ab 60 Grad heiß waschen und bügeln oder für fünf Minuten auskochen oder bei trockener Hitze zwischen 65 und 70 Grad für 30 Minuten dekontaminieren. Es empfiehlt sich, die Masken alle zweieinhalb Stunden zu tauschen und auch früher, wenn der Mundschutz beim Tragen beispielsweise feucht geworden ist. Wichtig: Vor dem ersten Tragen sollten die Masken gewaschen werden.

Im Internet gibt es unzählige Anleitungen zum Nähen von Masken: als Videos etwa bei Youtube, als Schnittmuster zum Herunterladen, aber auch in schriftlicher Form mit bebilderter Anleitung. Benötigt werden für eine Maske in der Regel: Stoffstücke, Vlies, Aludraht, Schrägband, Nadeln und eine Nähmaschine.

Gut für Einsteiger geeignet sind die Seiten

www.einzigartig-selbstgemacht.at

www.stylebook.de

www.naehfrosch.de

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Wer stellt die Masken her

Die Corona-Krise war in Deutschland noch nicht ausgebrochen, da mangelte es schon an Masken. Pharma-Großhändler meldeten bereits im Februar massive Lieferengpässe bei allen Arten von Schutzmasken, auch medizintechnische Unternehmen klagten Wochen vor dem Ausbruch des Coronavirus in Deutschland über Probleme. Ein Grund: Ein Großteil der Schutzausrüstung ist bislang in China produziert worden. Als das Virus dort ausbrach, standen die Fabriken erst still, dann verhängte das Land einen Ausfuhrstopp. Weitere Gründe dürften die geringen Lagerbestände in Deutschland und die weltweit rasant gestiegene Nachfrage sein. „Die ganze Welt kauft gerade Schutzmasken“, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), „ein Cent-Produkt wird gerade Gold wert.“ Der Einkaufspreis von Atemschutzmasken ist laut Recherchen von WDR, NDR und „Süddeutscher Zeitung“ innerhalb weniger Tage um 3000 Prozent gestiegen.

Die Bundesregierung will nun den Ankauf beschleunigen. Sie hat auch die Bundeswehr beauftragt, medizinische Schutzausrüstung zu beschaffen. Neben vielen kleinen Händlern, die selbst Masken nähen, haben nun auch mehrere große deutsche Firmen ihre Produktion umgestellt, um Schutzmasken zu fertigen. Der Autozulieferer ZF aus Friedrichshafen etwa stellt 100.000 Stück pro Woche her, das schwäbische Bekleidungsunternehmen Trigema produziert mehrere Zehntausend Masken am Tag. Auch der niedersächsische Musiker und Unternehmer Fynn Kliemann hat seine Merchandise-Produktion umgestellt und fertigt nun mehrere Zehntausend Masken pro Tag.

Wo kann man Masken kaufen

Auf dem gängigen Weg lässt sich in Bremen aktuell kaum bis gar nicht an die sogenannten OP-Masken kommen. In den Baumärkten, die auf die Anfrage des WESER-KURIER reagiert haben, sind die Masken restlos vergriffen. Schon Anfang Februar seien die Masken erstmals bundesweit in allen Hornbach-Märkten ausverkauft gewesen, sagt Unternehmenssprecher Florian Preuß. Hornbach hoffe auf eine größere Lieferung in den kommenden Tagen, doch davon dürfte kaum etwas in den Läden landen. Viele medizinische Einrichtungen seien an das Unternehmen herangetreten und würden nun zunächst von Hornbach mit Masken versorgt. Auch viele große Firmen, die ihre Produktion umgestellt haben und nun Mundschutz fertigen, verkaufen bevorzugt an Institutionen aus der Pflege- und Medizinbranche.

Wer in Bremer Apotheken OP-Masken kaufen will, braucht ebenfalls Glück. „Wir befinden uns in einer angespannten Situation, denn kaum eine Apotheke in Bremen hat einen Vorrat“, sagt Sebastian Köhler, Vorstandsmitglied der Apothekerkammer Bremen. Manche Apotheken bekämen sporadische Lieferungen, berichtet Köhler. „Eine konstante Lieferung ist derzeit jedoch nicht gewährleistet.“ Ausweichen lässt sich auf selbst genähte Masken, die auch in Bremen viele kleine Händler anbieten. In Schwachhausen stellt etwa Gabrielle Szel in ihrer Maßschneiderei Masken her. Im Steintor verkauft nun unter anderem Ute Kraft im Kurzwarengeschäft Kraft-Stoff Mundschutz, auch Kostümherstellerin Janine Jaeggi von Stelzen-Art produziert welche. Viele Bremer Anbieter verkaufen ihre Masken auch im Internet. Eine kleine Auswahl des Online-Angebots: stylesucks.com, stoffbox-shop.de, tizzandtonic.com.

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