90. Todestag des Bremer Flugpioniers Georg Wulf: Seine Leidenschaft kostete ihn das Leben

Der Bremer Flugpionier Georg Wulf war besessen vom Fliegen - und starb letztendlich an seiner Leidenschaft: Vor 90 Jahren stürzte er bei einem Testflug mit seinem Flugzeug ab und kam ums Leben.
30.09.2017, 20:00
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Von Kea Neeland und Christine Leitner

Er war besessen vom Fliegen – und er ist einer der beiden Männer, denen es zu verdanken ist, dass Bremen heute ein wichtiger Standort der Luft- und Raumfahrt ist. Auch 90 Jahre nach seinem Tod ist Georg Wulf, der am 29. September 1927 beim Test eines Prototyps abstürzte, in Bremen präsent. Und auch 90 Jahre danach ist noch immer nicht genau geklärt, wie es zu dem Absturz bei der öffentlichen Vorführung seines Flugzeugs kam. Fest steht aber: Georg Wulf ist bis heute als Flugpionier weltweit eine Legende.

Wulf kommt am 17. Mai 1895 in Bremen als Sohn eines Zollbeamten zur Welt. Entgegen den Wünschen des Vaters, der auch für seinen Sohn eine Beamtenlaufbahn vorsah, schlägt Wulf einen ganz anderen Weg ein. Er wird er Techniker und arbeitet als Maschinenbauvolontär bei der Firma Atlas-Werft in Bremen. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges meldet er sich als Kriegsfreiwilliger.

Focke und Wulf entwickelten ihr erstes Flugzeug gemeinsam

Seine Laufbahn beginnt er in der Flieger-Ersatz-Abteilung 1. Am 14. Juli 1915 wird Wulf vom Deutschen Luftfahrerverband zum Flugzeugführer ernannt. Ein Jahr darauf wird er verwundet, als ihm durch beide Wangen geschossen wird. Trotz der Verletzung am Unterkiefer kann er nach sechs Wochen den Kriegsdienst wieder aufnehmen. 1918 wird er aus der Fliegertruppe entlassen und beginnt ein Studium an der höheren Maschinenbauschule Technikum in Bremen. Anschließend arbeitet er als Ingenieur im technischen Büro bei den Francke Werken.

Seine Leidenschaft für das Fliegen und den Flugzeugentwurf entwickelt Wulf bereits mit 14 Jahren. Damals verfolgt er den einstündigen Flug des damals bekanntesten deutschen Flugpioniers Hans Grade auf der Vahrer Rennbahn. Seine erste Flugerfahrung macht er 1911 mit seinem fünf Jahre älteren Freund Henrich Focke, ohne jemals eine Flugstunde absolviert zu haben. Gemeinsam entwickeln sie ihr erstes Flugzeug – finanziert aus den eigenen Ersparnissen.

Focke-Wulf Flugzeugbau AG entwickelte sich zu renommiertem Hersteller

Nach dem Krieg widersetzen sich Wulf und Focke dem Flugzeugbauverbot des Versailler Vertrages zwischen 1919/1920. Heimlich konstruieren sie im Keller des damaligen Focke Museums ihre Flugzeuge mit dem Ziel, sich irgendwann selbstständig zu machen. 1921 startet Wulf den ersten Flug mit der Maschine Storch. Noch vier Jahre nach seinem Tod lernen 50 Schüler mit der Storch das Fliegen. Dank des großen Erfolges, den die Maschine Wulf und Focke einbringt, können sie am 1. Januar 1924 ihr eigenes Unternehmen gründen. Die Focke-Wulf Flugzeugbau AG entwickelt sich zu einem renommierten Flugzeughersteller. Wulf ist für die Erprobung neuer Flugzeugentwicklungen zuständig.

Am 29. September 1927 startet Wulf die Vorführung des neuen Flugzeugtyps Ente auf dem Neuenlander Feld. Obwohl er das Modell zuvor schon mehrfach getestet hat, stürzt er bei der Vorführung aus ungeklärten Gründen ab. Wulf stirbt im Alter von 32 Jahren.

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