Kommentar zu den Libeskind-Türmen für Bremen

Großartig oder gar nicht

Vier grüne Türme für Bremen: Die Pläne, die Stararchitekt Daniel Libeskind für das Sparkassen-Areal vorstellte, sind kühn, spektakulär und atemberaubend, meint Markus Peters.
05.04.2019, 18:29
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Großartig oder gar nicht
Von Markus Peters

Als in Hamburg im Jahre 2010 Richtfest für die neue Elbphilharmonie gefeiert wurde, waren längst nicht alle begeistert: „Ein Schandmal, ein Schandmal für die Reichen, ein Schandmal für die Stadt“, skandierten damals die Demonstranten. Heute gilt das aufsehenerregende Konzerthaus der Schweizer Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron als Wahrzeichen der Stadt. Die Pläne, die der Stararchitekt Daniel Libeskind am Freitag in Bremen für das Sparkassen-Areal vorstellte, sind nicht minder spektakulär und atemberaubend. Vier begrünte Türme, die bis zu 98 Meter hoch in den Himmel ragen und an den Bremer Dom, bisher das Maß aller Dinge in der Innenstadt, heranreichen. Das ist groß und gewagt und wird wie immer, wenn es hoch hinaus geht, von einer kritischen Öffentlichkeit begleitet werden. Die Pläne für die neue Bebauung des ehemaligen Bundesbankgeländes an der Kohlhökerstraße lassen grüßen.

Auf jeden Fall sind die vier grünen Türme für den Brill ambitionierter als die jüngsten Projekte, die in der Bremer City realisiert wurden. Der Neubau des Bremer Landesbankgebäudes am Domshof, der an den Backsteinexpressionismus der 1920er-Jahre erinnert, und das von Max Dudler entworfene City-Gate am Hauptbahnhof dürfen beide als gelungene Bauten bezeichnet werden. Nur: Große architektonische Würfe waren es nicht. Die kühnen Visionen von Libeskind spielen in einer anderen Liga.

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Das Wichtigste allerdings: Nun liegen konkrete Entwürfe auf dem Tisch, über die leidenschaftlich debattiert und auch gestritten werden kann. Das ist kein Nachteil, sondern im Prinzip eine Liebeserklärung an die Stadt. Es zeigt, dass den Bürgern die Innenstadt nicht egal ist. Die Schapira-Brüder haben Bremen ein Angebot gemacht, das die Stadt ablehnen kann oder nicht. Es lautet: Spektakuläre Architektur für Bremen, dafür aber mehr Nutzfläche für die Investoren. Auch wenn angeblich nichts in Stein gemeißelt ist: Im Miniaturformat wird es die Libeskind- Bauten nicht geben, weil sie sonst unwirtschaftlich werden. Im Gegensatz zur Hamburger Elbphilharmonie, die am Ende fast eine Milliarde Euro gekostet hat, zahlt hier nicht der Steuerzahler die Rechnung, sondern Investoren. Dass sie Pläne vorlegen, mit deren Umsetzung sie Geld verdienen können, ist ihr gutes Recht. Jetzt ist die Öffentlichkeit am Zug.

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